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USA: Mehr Corona-Tote bei ethnischen Minderheiten
Aus Rendez-vous vom 17.04.2020.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Corona spaltet Gesellschaft Schwarze sterben in den USA viel häufiger an Covid-19 als Weisse

Für Epidemiologin Sharelle Barber ist klar: Die Todesrate spiegelt Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung wider.

Vor einer Woche stand der oberste Arzt der US-Regierung, der Afroamerikaner Jerome Adams, im Weissen Haus vor die Medien und holte sein Asthma-Spray hervor.

Er trage diesen seit 40 Jahren mit sich herum, weil er Angst vor einem tödlichen Anfall habe, sagte Adams. Er hoffe, dass ihn nun ein schwarzer Junge am Fernsehen sehe und merke: Auch er könnte dereinst Karriere als nationaler Chefarzt machen.

Jerome Adams hält einen Asthma-Spray in der Hand
Legende: Jerome Adams, Leiter des Public Health Service, thematisierte kürzlich die erhöhten Gesundheitsrisiken vieler Afroamerikaner. Keystone

Asthma, Bluthochdruck, Diabetes

Gesundheit ist in den USA auch eine Frage der Hautfarbe. Afroamerikanische Kinder leiden doppelt so oft an Asthma wie weisse Kinder. Auch Bluthochdruck oder Diabetes trifft Schwarze und Latinos schon im jungen Alter stärker. Das alles ist erforscht und bekannt. Bekannt ist auch, dass diese Vorerkrankungen den Verlauf von Covid-19 verschlimmern können.

Doch als die ersten Corona-Opferzahlen bekannt wurden, waren sogar Gesundheitsexperten schockiert. In Louisiana sind fast 70 Prozent der Corona-Todesopfer schwarz – bei einem Bevölkerungsanteil von gut 30 Prozent. Ähnliche Zahlen wurden aus Chicago und Milwaukee rapportiert.

Illegale besonders gefährdet

Covid-19 widerspiegle die Ungleichheiten in den USA, sagt auch die Sozial-Epidemiologin Sharelle Barber: Besonders hohe Opferzahlen finde man in den segregierten Städten. Oder in Städten mit vielen illegalen Immigranten wie im stark betroffenen New Yorker Stadtteil Queens. Illegale würden sich nicht testen lassen, aus Angst abgeschoben zu werden.

Die Corona-Pandemie widerspiegelt die sozialen und ethnisch bedingten Ungleichheiten.
Autor: Sharelle BarberSozial-Epidemiologin

Viele arbeiten in exponierten Tieflohn-Jobs

Die hohe Sterblichkeit bei Schwarzen und Latinos führt Sharelle Barber auf zwei Hauptgründe zurück: Viele der sogenannt essenziellen Jobs im öffentlichen Verkehr, in Spitälern oder Supermärkten würden von Minderheiten verrichtet. Sie würden sich damit einem höheren Ansteckungsrisiko aussetzen.

Zudem sei die Gesundheitsversorgung für Schwarze und Latinos in den USA immer noch nicht gewährleistet. Zwar sind die Covid-19-Tests gratis. Aber die Frage sei, ob die positiv Getesteten in Behandlung gehen würden. Sie könnten sich die Pflege oft einfach nicht leisten.

USA mit über 30'000 Corona-Toten

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Die USA verzeichnen weltweit mit Abstand am meisten Corona-Infektionen. Gegen 700'000 Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt, über 30'000 Menschen sind bereits gestorben.

Grundversorgung der Minderheiten sicherstellen

In der Corona-Krise haben über 20 Millionen Arbeitnehmer ihre Stellen verloren und damit auch häufig ihre Krankenversicherung – und das mitten in einer Pandemie. Hinzu kommt, dass 14 Bundesstaaten darauf verzichtet haben, das soziale Gesundheitssystem unter Obamacare auszubauen. Diese Bundesstaaten müssten dies als Krisenmassnahme nun sofort nachholen, fordert Sozial-Epidemiologin Barber.

14 meist südliche US-Bundesstaaten haben Medicaid nicht ausgeweitet. Das müssen sie jetzt tun.
Autor: Sharelle BarberSozial-Epidemiologin

Eine rasche Öffnung der US-Wirtschaft, wie sie US-Präsident Donald Trump anstrebt, hält sie im Moment noch nicht für angebracht. «Das zu tun, ohne eine medizinische Grundversorgung für die Minderheiten gewährleisten zu können, wäre schlicht fahrlässig», sagt Barber.

«Rendez-vous», 17.04.2020, 12:30 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Die USA hatte mit Obama acht Jahre lang einen Präsidenten aus einer Minderheit. Wieviele Staatsführer aus einer Minderheit gibt es bis heute in England, Frankreich, Belgien, Holland, Kanada, Australien, Neuseeland, Schweden oder der Schweiz? Soviel zum Fortschritt in der Welt und Rassismus in der USA.
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  • Kommentar von Leonhard Müller  (Pardon)
    Als Donald Trump vor 4 Jahren "America first" beschwörte, hat er sich vermutlich nicht vorgestellt, die führende Nation in einer Pandemie zu geben.
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    1. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Angeführt werden aber die Statistiken immer noch von den europäischen Länder. Die USA mit ihren fast 350 Millionen Einwohner schlägt sich im Vergleich mit Italien, Spanien, England oder Frankreich sehr gut.
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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    An alle die jetzt wieder reflexartig zur Rassismus Keule greifen; War nicht der letzte vom US Volk 2x gewählte Präsident ein Afroamerikaner. Könnte die hohe Rate an Corona Betroffenen unter den Schwarzen und Latinos nicht auch mit deren Ernährung und Lebensgewohnheiten zusammen hängen? Müssen da wirklich Rechtfertigungsgründe gesucht werden oder sollte man nicht besser auf die Eigenverantwortung bei jedem Einzelnen hinweisen?
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Reto Blatter Die Diskussion der Ursachen ist komplex. Physiologische, verhaltensgesteuerte und strukturelle Faktoren spielen eine Rolle. Freundliche Grüsse, die Redaktion.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Eine kleine Präzisierung: Afroamerikaner sind anscheinend nicht mehr betroffen, aber proportionell mehr Todesfälle stellt diese Bevölkerung. Das ist nicht das Gleiche. Ich habe klare physiologische Zusammenhänge gefunden, wünschenswert wäre, dass SRF dies auch mal thematisiert.
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    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Reto Blatter. Stimmt. Ernährung und Lebensgewohnheiten sind sehr wichtig. Arme Leute essen mehr billigen 'Junk food', und leben mehr in unvorteilhaften Verhältnissen.
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    4. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Denke auch wie Herren Retos, zudem kommt Nestbetragen, viele unter einem Dach und weniger striktes Covid19 Verhinderungsbetragen allgemein hin, welches in ärmeren sowie illegalen Kommunen einiges schwieriger zu gewährleisten sein dürfte. Was die Krankenpflege angeht sind die Staaten so oder so erbärmlich und kein Vorbild; für eine Nation welche sich über alle anderen stellt.
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    5. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      @Blatter seit wann hat Amerika 350 Mil- Einwohner? Offiziell haben sie 327.167.434. Aber wie Trump nehmen sie es nicht so genau. Auch die Beliebtheitsgrad ist nicht so toll wie sie sie geschildert haben. Momentan 42%. Auch so ein Desaströses Zeugnis für den als "besten Präsidenten" den Amerika je hatte. Und wir Rechnen erstmals Mitte Mai ab, wenn fir USA den Gipfel der Krise erreicht hat. Was neue Arbeitslose anbetrifft ist der "Jobmacker" einer der schlechtesten. Wo man hin sieht, nur versagen!
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