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Coronakrise So erfolglos sind ausländische Covid-Apps

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Aus dem Archiv: Nutzerzahlen der SwissCovid-App stagnieren
Aus Tagesschau vom 19.10.2020.
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Aktuell sind in der Schweiz 1.77 Millionen Covid-Apps aktiviert. Der Bund strebt eine Nutzung von drei Millionen Apps an. Es besteht demnach noch Aufholbedarf. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es noch weitaus schlechter um die Nutzung der App bestellt sein kann. Die SRF-Korrespondenten berichten.

Frankreich

Wie wird die Covid-App genutzt? Schlecht. Die Warn-App war als nationales Prestigeprojekt angekündigt – ist aber ein Flop. Sie arbeitet ohne Schnittstelle von Apple und Google und speichert die Kontakte der App-Nutzenden auf einem zentralen Server. Die App wurde bislang nur rund 2.6 Mio. Mal heruntergeladen – und rund 700'000 Mal später wieder deinstalliert. Nur wenige Ansteckungen wurden durch die App entdeckt.

Hat sich die Nutzung in den letzten Wochen verändert? Morgen Donnerstag wird die neue App Tous «Anti-Covid» präsentiert. Man soll dann nicht mehr permanent via Bluetooth eingeloggt sein müssen, das Registrieren der Kontaktdaten in Restaurants soll einfacher werden.

Sind gröbere Probleme bekannt? Bei der neuen App wird der Datenschutz kaum höher sein – und der Austausch mit den Nachbarstaaten ist weiter unmöglich. Damit bleibt Frankreich vom geplanten europäischen Covid-App-Netzwerk ausgeschlossen.

Alexandra Gubser

Alexandra Gubser

Frankreich-Korrespondentin, SRF

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Gubser ist seit Frühjahr 2017 Frankreich-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

Italien

Wie wird die Covid-App genutzt? Die App «Immuni» gibt es schon seit dem 1. Juni. Seitdem wurden aber erst 900 Positive damit aufgespürt. «Immuni» wurde 9 Millionen mal heruntergeladen. 20 Prozent aller Smartphone-Besitzer haben sie damit installiert. Aber viele haben sie nicht aktiviert. Sie fürchten, im Falle einer Benachrichtigung, von den Gesundheitsbehörden keine Betreuung zu erhalten.

Hat sich die Nutzung in den letzten Wochen verändert? Nicht einmal Ministerpräsident Giuseppe Conte erwähnt «Immuni» noch. Die Regierung hat anscheinend selbst den Glauben an die Covid-App verloren.

Sind gröbere Probleme bekannt? Es fehlt eine nationale Hotline, an die sich jeder wenden kann, falls der Covid-App Alarm schlägt. Bislang wird nur an die Hausärzte verwiesen. Doch die sind schon jetzt als Ansprechpersonen völlig überfordert.

Philipp Zahn

Philipp Zahn

Italien- und Vatikan-Korrespondent, SRF

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Philipp Zahn berichtet für SRF aus Italien und dem Vatikan. Er lebt seit 1995 in Rom. Zahn studierte Geschichte, Volkswirtschaft und Philosophie in Berlin und Siena.

Grossbritannien

Wie wird die Covid-App genutzt? In England und Wales nutzen 16 Mio. Menschen die «NHS App». Das sind 43 Prozent der Smartphone-User. Wer ein Restaurant oder Pub besucht, gibt beim Eintritt den Aufenthaltsort auf der App ein. Zwingen können die Gastrobetriebe die Gäste nicht, aber diese Strategie führt dazu, dass viele die App spätestens dann herunterladen, wenn sie ein Restaurant betreten.

Hat sich die Nutzung in den letzten Wochen verändert? Die Briten wollten im Frühling mit ihrer App die ersten sein, doch es gab technische Probleme. Erst am 24. September, fast gleichzeitig mit der zweiten Welle, wurde die App lanciert.

Sind gröbere Probleme bekannt? Die Senioren-Organisation «Silver Voices» beklagt, viele ältere Menschen hätten die App nicht herunterladen können, weil diese nur auf neueren Geräten funktioniert. Deshalb würden nur 31 Prozent der Senioren die App nutzen.

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

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Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

Belgien

Wie wird die Covid-App genutzt? Die App «Coronalert» ist seit dem 30. September verfügbar. Sie ist bis jetzt rund eine Million Mal heruntergeladen worden. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, wie ernst die Lage in Belgien ist. Vor allem die Jugendlichen fragen nach dem Nutzen dieser App.

Hat sich die Nutzung in den letzten Wochen verändert? Es gibt noch keine genauen Analysen. Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Nutzen die App zurzeit hat. In Belgien soll man keinen Corona-Test mehr machen, falls man keine Symptome hat. Wenn aber nicht genügend Menschen getestet werden, ergibt das Tracing wenig Sinn.

Sind gröbere Probleme bekannt? Belgien verwendet dasselbe System wie die Schweiz. In einer Testphase konnten Android-Nutzer die App nicht herunterladen. Iphone-Nutzer müssen für die Installation häufig erst ein Update machen.

Michael Rauchenstein

Michael Rauchenstein

SRF-Korrespondent TV in Brüssel

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Während seines Studiums der Politikwissenschaft an der FU Berlin arbeitete Michael Rauchenstein zweieinhalb Jahre als freier Redaktor für SRF in Berlin. Nach einem Jahr in der Auslandredaktion (und bei der Arena) in Zürich ist er seit März 2020 TV-Korrespondent in Brüssel.

Tagesschau, 19.10.2020, 19.45 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Arnold Weiss  (A.Weiss)
    Unsere schweizer Covid-App macht eigentlich vieles richtig: a) Der Sorucecode ist auf Github publiziert und somit öffentlich, b) Das anoynme und dezentrale Konzept überzeugt, c) Durch die Anonymität kann niemand zu irgendwas gezwungen werden, d) Bei einer Meldung kann man sich gratis testen lassen, man muss aber nicht. e) Der Lohn wird bei positivem Ergebnis weiterbezahlt.
    Leider gibt es zu viel Halbwissen rund um die Covid-App, was ein Grund für die niedrige Downloadzahl sein könnte.
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  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Ich und meine Frau haben die App seit kurzer Zeit auch heruntergeladen aber ich bin sehr skeptisch ob diese auch schützt? wenn ich die meisten sorglosen Leute beobachte bin ich mir nicht so sicher ob alle App Nutzer erlich sind?! Echt ich glaube nicht so richtig an den Nutzen dazu kommt noch die lange wartezeit auf den Code, in dieser Wartezeit kann ein positiver viele Anstecken?!?!
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  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Einmal mehr zeigt es schonungslos auf, zwischen Selbstverständlichkeiten, Erwartungen und Realität. Selbstverständlich und erwartet, dass jeder in der Digitalen Zeit alles anwendet, kennt, braucht, offen ist, Apps haufenweise kennt, umsetzt und was alles. Sei es mit digitalen Steuererklärungen, Convis App oder allen anderen 1000 Apps und Androiden. Doch 2/3 der Bevölkerung ist vor der Digitalisierung geboren und kennt diese Anwendungen nicht, oder braucht sie nicht, weil vorher auch ohne ging.
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    1. Antwort von Hans Anreiner  (Hans.Anreiner)
      Falls sie sich Digitalmensch nennen, es braucht nicht annähernd, nur um sich digital zu nennen, ein Bruchteil der unnützen Apps. Ein Digitaler müsste vielmehr verstehen was er da runterlädt, nutzt und einsetzt. Aber genau das ist leider nicht der Fall. Die Digitalen machen es einfach, weil man es macht, haben leider aber keine Ahnung was wirklich passiert.
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