Zum Inhalt springen

Header

Audio
Brasiliens Gesundheitsminister unter Druck
Aus Echo der Zeit vom 27.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:37 Minuten.
Inhalt

Coronapolitik in Brasilien Gesundheitsminister Pazuello kommt immer mehr unter Druck

Kaum einen Monat nach Beginn der brasilianischen Covid-19-Impfkampagne unterbrechen immer mehr Städte das Impfen, aufgrund mangelnder Vorräte.

In Brasilien steigt im ganzen Land die Zahl der Infizierten und Toten. Die Betten in den Intensivstationen sind in den meisten Bundesstaaten fast vollständig ausgelastet.

Gleichzeitig hat seit dem Impfstart vor einem Monat erst ein Prozent der Brasilianerinnen und Brasilianer die erste von zwei Impfungen erhalten. Die Impfkampagne von Präsident Jair Bolsonaro und Gesundheitsminister Eduardo Pazuello stockt.

Es gibt zu wenig Vakzine, keine Logistik und keinen Impfplan. Der Städtebund, welche alle brasilianischen Grossstädte vertritt, forderte an einer Medienkonferenz die Absetzung des Gesundheitsministers.

Brasiliens Oberster Gerichtshof ermittelt inzwischen gegen Gesundheitsminister Pazuello in einer anderen Sache: Er hatte in überlasteten Spitälern statt Sauerstoff das gegen Covid-19 unwirksame Malariamittel Chloroquin verteilen lassen.

Auch im Kongress gerät Pazuello unter Druck. Senator Maschor Olímpio kritisierte den Gesundheitsminister scharf: «Sie haben erklärt, Sie würden prüfen, ob es eine Nachfrage nach Impfungen gibt. Meine Frage: Haben Sie tatsächlich geglaubt, dass es eventuell keine Nachfrage nach Impfungen geben könnte?»

Bauernopfer Pazuello

Beobachter sagen, Gesundheitsminister Pazuello müsse als Sündenbock herhalten, um von der Verantwortung von Präsident Bolsonaro abzulenken. Dieser leugnet die Gefahr von Covid-19 seit Beginn der Pandemie.

Thaís Oyama ist eine der bekanntesten Journalistinnen in der Hauptstadt Brasilia. Sie sagt, Bolsonaro halte Pazuello noch so lange, wie er ihn als Sündenbock für das Chaos gebrauchen kann. Aber die Entlassung von Pazuello sei schon beschlossen Sache.

Der brasilianische Städtebund fordert die Regierung auf, dringend einen Impfplan mit klaren Vorgaben zu erstellen. Alexandre Kalil, Bürgermeister von Belo Horizonte, der drittwichtigsten Stadt Brasilien, verlangt eine schonungslose Aufklärung.

Alle Verantwortlichen müssten für die über 250'000 Toten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Kalil im Nachrichtensender «Globo News». «So manch ein Präsident wurde ehrenlos ins Gefängnis gesteckt für viel weniger schlimme Dinge. Wenn diese grosse nationale Tragödie ausgestanden ist, muss gegen alle ermittelt werden.»

Das Gesundheitsministerium bemüht sich unterdessen, seine jüngsten Bemühungen bei der Beschaffung von Impfstoffen hervorzuheben. Im März liefert der Impfstoffhersteller Astra-Zeneca zwei Millionen Dosen. Und aus China kommen knapp neun Millionen Dosen CoronaVac. Für 210 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer.

Echo der Zeit, 27.02.2021 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Aldo brändli  (aldo)
    Es genügt, wenn srf über die Lage in der Schweiz informiert. Wir haben dieses ewige Corona langsam satt.
    1. Antwort von Detlef Brügge  (Useful)
      Der Vergleich ist als Motivator wichtig. Schlimmer geht immer u. man darf froh sein, dass es hier wesentlich geregelter abläuft. Aber es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
    2. Antwort von Andreas Blöchliger  (Xoxilo)
      Wer es satt hat ist nicht hart genug.
    3. Antwort von Reto Bieri  (Yo-Han Kapuzi)
      Sprechen Sie bitte nur für sich selbst. Nur weil Sie die Berichterstattung nicht mögen, empfinden nicht alle gleich wie Sie.
  • Kommentar von Rolf Schurter  (Rolf vom Tsigervisse)
    @ SRF: warum denn in die Ferne schweifen? Wie sieht der Impfrythmus bei uns in der Schweiz aus? Dazu ein Vergleich der Gesundheitsversorgungen Brasilien-Schweiz .....
    1. Antwort von Detlef Brügge  (Useful)
      Der Vergleich ist nicht berechtigt. Den politischen Dadaismus dieser monströsen Schurken wie Bolzonaro oder ehemals Trump gibt es in der CH jawohl nicht. Kein Gesundheitssystem kann dieses Nichtstun korrigieren u. man versucht gerade mit einem Besen den Ozean aufzuhalten.
    2. Antwort von Arthur Meili  (Arthur Meili)
      Brasilien hat ein kontinentales Ausmass, waehrend dem die Schweiz nur ein kleines Stachelschwein ist. Rio: Die 100 - 80 jaehrigen sind bereits geimpft. Anfangs Maerz geht es weiter mit den 79 jaehrigen, eines Tages sind dann alle geimpft. Hr. Detlef Bruegge: Was haben Sie eigentlich gegen den brasilianischen Praesidenten? Es ist das Gleiche, als wenn sie das Corona-Mismanagement in Deutschland Frau Merkel zuschreiben.