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Coronavirus im Iran Trauriges neues Jahr

Das persische Neujahrsfest «Nouruz» beginnt heute. Dabei werden im Iran wie immer Millionen Menschen zu Freunden fahren und feiern. Im Kampf gegen das Coronavirus wird das ein weiterer Rückschlag.

«Wir gehen nicht mehr aus dem Haus und hoffen einfach, dass das irgendwie vorbeigeht, ohne dass es uns trifft.» Der Freund aus Teheran, der uns vor knapp vier Wochen noch mit selbstgekochtem Sirup, seltenen Gewürzen und anderen Geschenken aus dem Iran verabschiedet hat, tönt weder niedergeschlagen noch ängstlich. Nur realistisch. Unheimlich realistisch.

Denn Wissenschaftler einer Universität in Teheran haben in diesen Tagen eine Computersimulation veröffentlicht, in denen sie verschiedene Szenarien für den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie im Iran simulieren. Eine realistische Worst-Case-Prognose ihrer Modellrechnungen: Die Pandemiewelle könnte im Iran ihren Höhepunkt erst im Juni erreichen, die Opferzahl würde dann bis auf 3.5 Millionen Menschen steigen.

Um dieses Szenario zu vermeiden, müsste die Regierung alle Risikogebiete unter strikte Quarantäne stellen, die Menschen müssten die Anweisungen strikte befolgen, und die medizinische Versorgung müsste gewährleistet sein. Alle drei Forderungen sind nicht realistisch.

Hohe Dunkelziffer

Dabei gibt es einfache Gründe, weshalb der Iran zum Epizentrum der Corona-Epidemie im Nahen und Mittleren Osten geworden ist. Als das Virus im Iran ankam, stand das Regime vor einer schwierigen Wahl: das Land in einen «Lockdown» zu versetzen und so den erst gerade gewaltsam erstickten Zorn der bereits unter einer schlimmen Wirtschaftskrise leidenden Bevölkerung zu riskieren oder die lokale Wirtschaft atmen zu lassen und so die schnelle Verbreitung des Virus zu riskieren. Das iranische Regime entschied sich für Letzteres. Die Folgen sind verheerend.

Fast neun von zehn Corona-Fällen im Nahen und Mittleren Osten stammen aus dem Iran oder wurden von dort eingeschleppt. Die Regierung gab die Zahl der Infizierten noch diese Woche mit rund 17'000 und die Zahl der Toten mit 1135 an. Die WHO schätzt, dass die wirklichen Zahlen fünfmal so hoch sein dürften.

Die Regierung um Präsident Rohani ist in einer schwierigen Situation. Durch das Scheitern des Atomvertrags, durch die amerikanischen Sanktionen und durch eigenes Versagen ist sie derart geschwächt, dass sie für sich keinen anderen Ausweg sah, als zu versuchen, die Wirtschaft nicht gänzlich abzuwürgen und dafür die Verbreitung des Virus in Kauf zu nehmen.

Regime ist kaum handlungsfähig

Ausserdem stand sie zum Zeitpunkt der ersten Fälle nicht nur wirtschaftlich unter Druck, sondern die Menschen protestierten gerade, weil die Revolutionsgarden im Streit mit den USA ein ukrainisches Passagierflugzeug mit zumeist iranisch-stämmigen Passagieren abgeschossen hatten.

Zudem sollten Parlamentswahlen stattfinden, mit denen das Regime Handlungsfähigkeit zeigen und Legitimation gewinnen wollte.

Doch wie wenig handlungsfähig dieses iranische Regime ist, zeigte sich gerade erst diese Woche wieder: In Qom, einem konservativen und religiösen Machtzentrum des Landes, in dem das Virus zuerst auftauchte und in dem besonders viele Menschen an Corona erkrankten (und starben), haben religiöse Fanatiker Sperren durchbrochen und trotz Verboten im Schrein der Fatima, einer Urenkelin des Propheten Mohammad, gebetet.

SRF 4 News, 17.03.2020

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