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Die «Flying Doctors» sind die Corona-Helden im australischen Outback
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.04.2020.
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Coronavirus im Outback Die «fliegende Ärztin» mit Laptop statt Propeller

Das Coronavirus stellt die Medizin im abgelegenen Inland von Australien vor Herausforderungen. Doch man weiss sich zu helfen.

Doktor Natalie Nanayakkara trägt keinen weissen Kittel. Nicht einmal ein Stethoskop am Hals lässt erahnen, dass die junge Frau eine der führenden Endokrinologinnen Australiens ist. Als Fachärztin am renommierten «Baker Heart and Diabetes Institute» in Melbourne arbeitet sie für die fliegenden Ärzte – den «Royal Flying Doctor Service» (RFDS).

Frau.
Legende: Natalie Nanayakkara vor ihrem Arbeitsgerät, dem Laptop. Urs Wälterlin

Ihre «Praxis» ist aber nicht die enge Kabine eines Ambulanzflugzeuges. «Dr. Natalie» arbeitet in einem Büro in Melbourne. «Ich kann meine Konsultationen eigentlich von überall ausführen», so die 37-Jährige, «solange ich meinen Laptop und eine Internetverbindung habe». Von Zuhause, von Unterwegs, oder vom Strand.

Fliegende Ärzte: Erst Funk, dann Telefon, dann Internet

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Laptop.
Legende: Urs Wälterlin

Die Telehealth-Beratung ist kostenlos für Patienten. Sie wird – wie andere Dienste der medizinischen Grundversorgung – von der staatlichen Krankenkasse Medicare gedeckt. Plattform und Software wurden spezifisch für RFDS entwickelt. Die Oberfläche ist einfach gestaltet, leicht verständlich auch für Laien. Das Programm ähnelt Skype. Nur sei es sicherer, sagt eine RFDS-Sprecherin. Denn es werden auch Patientendaten ausgetauscht. «Dr. Natalie» hat per Mausklick Zugriff zu allen Untersuchungsberichten und Röntgenbildern ihrer Patienten.

Dass ausgerechnet die fliegenden Ärzte Pioniere der Telemedizin in Australien sind, muss nicht erstaunen. Seit der Dienst 1927 vom Presbyterianer-Pfarrer John Flynn ins Leben gerufen wurde, passt sich der über Spenden finanzierte Dienst technischen und technologischen Entwicklungen an. Die Beratung von Patienten, die auf abgelegenen Rinderfarmen vom Pferd gefallen sind, die Sprechstunde mit der Bäuerin, die sich beim Kochen den Arm verbrüht hat – sie geschahen einst über Funk, dann per Telefon, und heute immer häufiger über das Internet.

Damals wie heute ist das Ziel, den Menschen in den isolierten Regionen des fünften Kontinents eine möglichst gleich gute medizinische Versorgung zukommen zu lassen, wie sie die Bewohner in den Städten geniessen, wo 98 Prozent der australischen Bevölkerung leben. Inzwischen hat der RFDS jährlich landesweit Kontakt mit 290'000 Patienten – gut 800 pro Tag. Eine Flotte von Flugzeugen führt 37'000 Evakuierungen und Gesundheitssprechstunden mit Ärzten durch, in einigen der isoliertesten Gegenden des roten Kontinents. (uw)

«Dr. Natalie» ist eine «fliegende Ärztin» der neuen Generation: Sie bleibt am Boden. Moderne Technologie erlaubt der Spezialistin, Patienten aus der Ferne zu beraten. «Die Distanz spielt keine Rolle», sagt sie. «Ich habe Patienten, die einen bis zwei Tage reisen müssten, wenn ich sie in Fleisch und Blut sehen wollte.» Da ist der Druck auf den Startknopf des Rechners um einiges einfacher.

Seit 2013 bietet der RFDS im Bundesstaat Victoria sogenannte Telehealth-Leistungen für Patienten mit Diabetes und anderen Drüsenkrankheiten an. Zuckerkrankheit ist ein grosses Problem im ländlichen Australien. 6.1 Prozent der Erwachsenen leiden darunter, in den Städten sind es bis zu 5.5 Prozent.

Laptop.
Legende: Das System ist einfach zu bedienen und soll schnelle medizinische Hilfe ermöglichen. Urs Wälterlin

2018 expandierte der Dienst in Kardiologie und Psychiatrie. Auch die Behandlung von Covid-19-Patienten in abgelegenen Landspitälern und Gesundheitsstationen könnte von Spezialisten so überwacht und koordiniert werden. Doch die Pandemie ist im Moment jenseits der Zivilisationszentren noch kein grosses Problem, so offizielle Zahlen.

«Dr. Natalie» spricht mit einer Patientin, die rund fünf Stunden Fahrzeit von Melbourne entfernt lebt. Die junge Mutter habe ein Baby erwartet, als ihr Hausarzt Diabetes diagnostizierte. «Säuglinge von Diabetikerinnen können im Mutterleib zu gross werden, was Gefahren für Mutter und Kind mit sich bringt», so die Ärztin. An ihrem Wohnort, mit nur fundamentalen medizinischen Diensten, hätte die Patientin keine Chance gehabt, die notwendige Fachbehandlung zu erhalten.

Gutes Internet keine Selbstverständlichkeit

«Dr. Natalie» konsultiert alle paar Tage über das Internet. Die Patientin sitzt im Gesundheitszentrum ihrer Gemeinde, unter Aufsicht einer Krankenschwester. Die Ärztin ist «immer wieder fasziniert, wie einfach das Programm funktioniert», erzählt sie – und wie gut die Qualität der Verbindung sei.

Das ist in Australien keine Selbstverständlichkeit. Mangelhafte Planung, Fehlentscheide, politische Ideologie und eskalierende Kosten haben dazu geführt, dass die Qualität der Internetverbindung ausserhalb der Grossstädte oftmals minderwertig ist.

SRF 4 News, 27.4.2020, 06:20 Uhr

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