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USA: Kritik an Öffnungsmassnahmen in Georgia
Aus Rendez-vous vom 05.05.2020.
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Coronavirus in den USA Unbehagen auf Tybee Island

Im Südstaat Georgia sind Restaurants, Bars und Kinos wieder geöffnet. Doch vielen Bewohnern von Tybee Island ist die Rückkehr zur Normalität nicht geheuer.

Auf Tybee Island herrscht im Mai normalerweise bereits emsiges Geschäftstreiben. Der drei Meilen lange Küstenstreifen in der Nähe der Stadt Savannah kann mit breiten weissen Stränden und einem beachtlichen Surf-Break auftrumpfen.

Die Corona-Pandemie hat den Saisonstart verhindert. Doch nun, da der Gouverneur von Georgia per 1. Mai den «Lockdown» aufgehoben hat, macht sich Tybee Island auf einen Ansturm sonnenhungriger Touristen bereit.

Hai-Statue vor einem Restaurant.
Legende: Die Strassen sind noch entvölkert, aber die Ladenbesitzer richten die Dekorationen und die Warenauslagen her. Tybee Island ist «open for business», aber nur beschränkt. Viele Läden und Restaurants bleiben geschlossen. Und diejenigen, die öffnen, tun es mit einem Unbehagen. SRF/ Isabelle Jacobi

Restaurantbesitzer John bringt sein strandnahes Etablissement «Spanky’s» auf Vordermann, gemäss den Anweisungen der Behörden. «Bloss 10 Gäste pro 50 Quadratmeter sind in Georgia derzeit erlaubt. Welche weiteren Sicherheitsmassnahmen wir umsetzen, werden wir noch sehen.»

Open-Schild auf der Strasse.
Legende: Vielleicht würden sie auch weiterhin bloss Takeout anbieten, er habe das noch nicht entschieden, so John. SRF/ Isabelle Jacobi

Die Angestellten wirken nervös und auch John will nicht weitersprechen. «Ich kann gar nicht beschrieben, wie schlimm es ums Geschäft steht», sagt er und lacht unbequem.

Ein Tisch steht vor einem Restaurant-Eingang.
Legende: Ein Tisch verbarrikadiert den Eingang zum Restaurant. SRF/ Isabelle Jacobi

Ein Tourist irrt auf der Promenade herum, mit einem Badetuch unter dem Arm. «Die Stimmung auf Tybee Island ist verwirrend.» Der Strand sei für offen erklärt worden, aber die Zugänge blieben verbarrikadiert. Viele Restaurants seien geschlossen. «Dabei ist es wichtig, wieder ins Geschäft zu kommen. Es geht nicht anders.»

Versperrte Wege.
Legende: So stellt man sich das fröhliche Strandleben nicht vor. Die Zugänge zum Stand sind mit Holzbrettern zugenagelt, die Parkplätze mit leuchtend orangen Verkehrshindernissen versperrt. SRF/ Isabelle Jacobi

Ein Pärchen klettert gerade über die Strand-Barrikaden – sie sind mit ihren Kindern aus dem nördlichen Cleveland, Ohio, angereist, um Familie zu besuchen, aber mit schlechtem Gewissen.

«Ich bin froh, an der Sonne zu sein, zu Hause herrscht immer noch der Lockdown. Aber mein Mann hat auf dem Weg nach Georgia ständig Zweifel geäussert, ob wir das Richtige tun.»

Ehepaar steht auf der Strasse.
Legende: «Ich finde es heilsam am Meer zu sein, aber es wäre falsch, wenn jetzt die Massen anreisen würden», sagt ihr Mann. SRF/ Isabelle Jacobi

Die Gemeindepräsidentin Shirley Sessions spricht von einer akuten Bedrohung. Auf Tybee Island lebe eine Hochrisiko-Bevölkerung. Es gebe zwei Altersheime und keinen Spital.

Mann auf Töff.
Legende: Auf Tybee Island leben rund 3000 Einwohner, darunter viele Rentner und Rentnerinnen. SRF/ Isabelle Jacobi

Bis jetzt habe man mit zwei Infektionen die Lage im Griff behalten können, sagt Sessions. Doch nun befürchtet sie, dass Touristen das Virus mitbringen. «Sie verhalten sich unkontrolliert und vergessen, dass es hier eine Bevölkerung gibt.»

Frau mit Atemmaske.
Legende: Normalerweise sei Tybee Island sehr gastfreundlich, aber im Moment wäre es ihr lieber, die Leute würden zu Hause bleiben, auch die eigenen Anwohner. SRF/ Isabelle Jacobi

Die Gemeindepräsidentin ist mit dem Gouverneur von Georgia, Brian Kemp, in Konflikt geraten, als er Tybee Island Anfang April per Dekret zwang, die Strände zu öffnen. Und jetzt kritisiert sie seine Öffnungsmassnahmen.

Es wäre klug gewesen ein paar Wochen zu warten, und den Entscheid auf Infektionszahlen in Georgia zu fussen, sagt die Gemeindepräsidentin Shirley Sessions.

Gouverneur Kemp unterlief bei seinem forschen Vorgehen sogar die Anweisungen der US-Regierung. Diese empfiehlt erst nach zwei Wochen sinkenden Infektionen, erste Öffnungsschritte zu unternehmen. Im Staat Georgia gibt inzwischen es fast 30'000 bestätigte COVID-19-Infektionen und über 1000 Tote.

Frau auf der Strasse.
Legende: Aber auf Tybee Island gibt es auch Stimmen, die die Öffnung begrüssen, wie die Rentnerin Diane. SRF/ Isabelle Jacobi

Der Gouverneur fokussiere auf die Lage in Georgia. Und das sei eben nicht New York. Jeder Staat, jeder Bezirk sei unterschiedlich. So müsse man das sehen.

Ein Mann mit einem Surfboard am Strand.
Legende: Am Strand tummeln sich bereits Dutzende von Surfern. Die Wellen seien so gut wie schon lange nicht mehr, schwärmt Ricky, mit Surfboard und Freundin Richtung Meer unterwegs. Er ist auf Tybee Island aufgewachsen. SRF/ Isabelle Jacobi

Er freut sich, dass auf Tybee Island wieder das Strandleben einkehrt. Aber gleichzeitig hat er Angst vor dem Virus. «Die Leute kommen von überall her, das macht mir Sorgen.»

Video
Zurück zur Normalität in den USA – trotz Corona
Aus Tagesschau vom 05.05.2020.
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Rendez-vous, 5.5.2020, 12:30 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Steven Baumgartl  (Steven B.)
    Wow, das haut mich dann schon um, in einem Bundesstaat herrscht der Lockdown, also zuhause bleiben! und dann fährt ein Pärchen mirnichtsdirnichts über die grenzen nach georgia in die Ferien weil es heilsam ist, sagt sie und posiert in die Kamera. Ja dann braucht man sich nicht zu wundern wenn in den Staaten mehr als 100'000 Menschen sterben werden - aber diese Personen tragen einen Anteil daran. überhaupt sind die Aktivitäten wesentlich höher in den USA als in Europa trotz der ähnlichen Vorgaben
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Natürlich darf man zu Hause bleiben, das ist ja nicht verboten. Wer will soll also ruhig weiterhin daheim bleiben und sich isolieren.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      ...und vom Virus verschont bleiben:-)