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Cyberangriffe aus Russland Putin im Fadenkreuz der Vorwürfe

Ein neuer britischer Bericht listet sechs Attacken seit 2015 auf. Dahinter stehe der Kreml, so Aussenminister Hunt.

Legende: Audio Martin Alioth: «Der GRU soll mit Billigung Putins gehandelt haben» abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
03:32 min, aus Info 3 vom 04.10.2018.

Der britische Aussenminister Jeremy Hunt hat dem russischen Militärgeheimdienst (GRU) vorgeworfen, für eine Serie von Cyberangriffen weltweit verantwortlich zu sein. Die Angriffe zeigten, dass Russland agiere, ohne das Völkerrecht zu beachten, sagte Hunt vor den Medien. Er fügte hinzu: «Unsere Botschaft ist eindeutig: Zusammen mit unseren Verbündeten werden wir die Versuche des GRU, die internationale Stabilität zu unterwandern, enthüllen und darauf antworten.»

Auf einem neuen Level

Die Vorwürfe sind an sich nicht neu. Doch dass sie jetzt vom britischen Aussenminister vorgebracht würden, das sei eine neue Qualität, sagt SRF-Korrespondent Martin Alioth. «Es ist ein politischer Vorwurf, gestützt auf einen Bericht des britischen National Cyber Security Centers.» Dadurch erhöhe sich die Relevanz der Vorwürfe. «Dabei spricht das Beweismaterial für sich selbst.»

Schwerwiegende Feststellungen

In dem Bericht des National Cyber Security Centers (NCSC) werden sechs konkrete Cyberangriffe des GRU aufgelistet – so etwa gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die ukrainischen Verkehrsnetze, den Flughafen von Odessa oder auf die US-Präsidentenwahl 2016. Die Attacken seien mit Wissen und Billigung des Kremls, also von Russlands Präsident Wladimir Putin geschehen, so das NCSC. «Putin steht im Fadenkreuz dieser Vorwürfe», sagt Alioth.

USA klagen sieben russische Agenten wegen Cyberattacken an

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Den Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU wird unter anderem vorgeworfen, sie hätten Informationen internationaler Anti-Doping-Behörden gehackt.

US-Justizminister Jeff Sessions erklärte, staatlich gesteuerte Hacker-Aktionen und Desinformationskampagnen seien eine ernste Bedrohung für die US-Gesellschaft und die Sicherheit des Landes. Dagegen gehe man entschieden vor.

Fortsetzung in der Affäre Skripal

«Die Beziehungen zwischen London und Moskau sind seit März tiefgefroren», stellt Alioth fest. Damals hatten – das ist aus westlicher Sicht inzwischen erhärtet – zwei GRU-Agenten in Südengland mit dem Nervengift Nowitschock einen Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter verübt. In der Folge wurden Dutzende russische Diplomaten, die als Geheimdienstagenten eingestuft wurden, aus Grossbritannien und anderen westlichen Staaten ausgewiesen.

Klima verschlechtert sich weiter

Die britische Premierministerin Theresa May hat im Parlament mehrfach betont, man werde alle Aktivitäten des russischen Geheimdienstes transparent machen und veröffentlichen. Der neue Bericht des britischen NCSC ist Teil dieser Strategie. Damit dürfte sich das Klima zwischen Grossbritannien und Russland weiter verschlechtern. Hinzu kommt, dass die westlichen Staaten immer enger zusammenarbeiten. So will die Nato ein neues Koordinationszentrum schaffen, das sich mit Cyber-Abwehr beschäftigt.

Dementi aus Moskau

Aus dem russischen Aussenministerium hiess es, London habe keine echten Beweise für die aktuellen Anschuldigungen präsentiert. Die Fantasie der britischen Behörden kenne keine Grenzen mehr, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa. «Hier wird einfach alles vermischt: GRU, Cyperspione und Kremlhacker. Das ist einfach eine Parfümmischung aus der Hölle.»

«Skripal war ein Dreckskerl»

«Skripal war ein Dreckskerl»

Erst am Mittwoch hatte Putin den in Südengland vergifteten russischen Ex-Agenten Sergej Skripal als Landesverräter bezeichnet. «Einige glauben, Herr Skripal sei so etwas wie ein Menschenrechtsaktivist», sagte Putin in Moskau. «Er ist aber nur ein Dreckskerl, sonst nichts.» Skripal habe seine Heimat verraten. Putin betonte, dass der Fall als Skandal aufgeblasen worden sei.

Skripal war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden. Seitdem lebte er in Salisbury in Südengland. Dort sollen er und seine Tochter Julia im März mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sein. Beide überlebten nur knapp. Der Westen macht für den Anschlag zwei GRU-Agenten verantwortlich.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Verehrte Putin-Fans, was sagte Putin öffentlich und in aller Offenheit: «Er ist aber nur ein Dreckskerl, sonst nichts.» Und wenn man als Repräsentant und Oberhaupt eines Staates einen Menschen derart verachtet, ist es nicht weit zu übelsten Schandtaten, bereits viele durch solche Schandtaten gewaltsam in die Ewigkeit befördert, sind beredtes Zeugnis, das aber offensichtlich gewissen Russen-Trollen immer noch nicht genügt, hier etwas Zurückhaltung zu üben.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Cyberattacken-Vorwürfe sind so praktisch, weil man nie verlegen sein wird, Beweise vorlegen zu müssen, die überprüft werden können. Man bedenke: Obama sagte, die USA werde Cyberangriffe gleich behandeln, wie andere Angriffe auch, also wie militärische. Zudem wurden in den letzten Tagen Russland von hohen US-Amtsträgern beinahe der Krieg erklärt (Blockade russischer Handelswege als Option, Beseitigung neu entwickelter russischer Raketen aus Russland!). Die Kriegstrommel gegen RF geht weiter.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Was zu denken gibt: Die meisten im Westen merken noch immer nicht woher der Wind weht. Sanktionen, Drohungen, Verleumdungen, Umsturz in der Ukraine, aufrüsten auf Teufel komm raus in den Baltischen Staaten. Meine Befürchtung: Da ist was im Gange und viele merken es erst wenn es zu spät ist.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Dieser hoffnungslose Fall aus Moskau schadet seinem Land am Meisten. Aber wie sich Völker in die Tiefe ziehen lassen, sieht man ja aktuell bei Erdogan.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Putin und Lavrow genissen international so viel an Glaubwürdigkeit, wie z.Z. keine anderen Politiker. Russland ist klar im Aufwind, gewinnt das Vertrauen immer mehr Länder.
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