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Das Trump-Buch «Fear» «Die Leute müssen dringend wissen, was hier vor sich geht»

Bob Woodwards Buch «Fear» über Trumps Amtsführung ist der Aufreger in den USA. Trump hat Woodward dafür scharf kritisiert. Der Pulitzer-Preisträger wiederum hat nun Stellung bezogen – und erklärt nebenbei, wie das Pentagon ein Korea-Desaster verhindert habe.

Legende: Audio Brisantes Buch über Trumps Amtsführung abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
03:29 min, aus Rendez-vous vom 10.09.2018.

Es ist nicht das erste Enthüllungsbuch zu den Zuständen im Weissen Haus, aber es ist das erste Mal, dass der Autor einer der berühmtesten Journalisten der Welt ist. Bob Woodward deckte einst zusammen mit Carl Bernstein die Watergate-Affäre auf, die Präsident Nixon zu Fall brachte. Kein Wunder also, macht sein Buch Schlagzeilen, bevor es überhaupt herausgekommen ist. Nun hat Bob Woodward im US-TV bei CBS erstmals Stellung bezogen.

Leute, die mit Trump zusammenarbeiten, fürchten, dass er ihnen Befehle gibt, die die Sicherheit der USA oder der Welt bedrohen könnten.
Autor: Bob WoodwardAutor von «Fear»

«Fear» heisst das Buch von Woodward, «Angst». Denn es geht die Angst um im Weissen Haus, sagt er: «Leute, die mit Trump zusammenarbeiten, fürchten, dass er ihnen Befehle gibt, die die Sicherheit der USA oder der Welt bedrohen könnten», erklärt der 75-jährige Star-Journalist.

Viele Schlüsselfiguren unter den Befragten

Nach eigenen Angaben hat Woodward rund 100 Leute aus dem Umfeld der Trump-Regierung befragt, die Hälfte seien Schlüsselfiguren. Und deren Aussagen sind bedenklich. Sie zeigen einen cholerischen und unfähigen Despoten. Trump habe das Verständnis eines 11-Jährigen, wird da der Verteidigungsminister James Mattis durch eine Quelle zitiert. Dieser dementierte allerdings umgehend das Zitat in den Medien.

Eine andere Quelle im Buch behauptet, man habe schon Dokumente vom Pult des Präsidenten verschwinden lassen, etwa eine Aufkündigung des Freihandelsvertrags mit Südkorea. Dieser wurde dann neu verhandelt. «Er erinnert sich nicht an ein Geschäft, wenn es nicht auf seinem Pult liegt und sofort umgesetzt wird», erklärt dazu Woodward.

Oh Gott, wenn dieser Tweet losgeht, dann denkt Nordkorea, ein US-Angriff steht an.
Autor: Pentagonreagiert laut Woodward auf einen gerade noch verhinderten Trump-Tweet

Brandgefährlich sei anfänglich die Nordkorea-Krise gewesen. Trump drohte dem Land vor einem Jahr mit Verwüstung. Als «kleinen Raketen-Jungen» bezeichnete er den Herrscher Kim Jong-Un auf Twitter. Ein anderer geplanter Tweet brachte die Militärführung im Pentagon in die Sätze, sagt Woodward. «Er wollte tweeten, er lasse die Familien der US-Truppen in Südkorea nachhause holen. Im Pentagon realisierte man, oh Gott, wenn dieser Tweet losgeht, dann denkt Nordkorea, ein US-Angriff steht an.» Der Tweet wurde verhindert.

Trump kritisiert Woodward

Die Quellen von Woodward bleiben anonym, allerdings nennt CBS den ehemaligen Wirtschaftsberater Gary Cohn und Trumps nahen Mitarbeiter Rob Porter als wahrscheinliche Quellen. Diese haben bisher nicht dementiert. Präsident Trump nennt die Zitate ein Machwerk. Woodward habe sich schon immer gern wichtig gemacht.

Das sei nicht wahr, sagt Bob Woodward im Interview mit CBS. Er habe die Interviews akribisch dokumentiert und gezielte Gegenfragen gestellt, um die Glaubwürdigkeit von Aussagen messen zu können. Überprüfbar ist das nicht, man muss auf das Handwerk und die Ethik des Journalisten Woodward vertrauen.

Es ist sein neuntes Buch über einen US-Präsidenten. «Dieses ist aus dem Bauch der Bestie», sagt Woodward. «Die Leute müssen dringend wissen, was hier vor sich geht.»

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96 Kommentare

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  • Kommentar von bruno michel (prototyp)
    Es macht den Anschein, dass eine neue Literaturgattung entstanden ist. Fast könnte man meinen, all die Bücher und angeblichen Enthüllungen stammen vom gleichen Autor.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Biographien gab es schon immer. Enthüllungsjournalismus gibts auch schon seit Jahrhunderten. Also nichts von "neuer Literaturgattung". Und wie genau begründen Sie die Behauptung, die "angeblichen Enthüllungen stammen vom gleichen Autor". Es können doch auch ganz viele Autoren sein, die alle unter dem gleichen Chemtrail gestanden haben und darum gleich indoktriniert wurden?
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Es ist keine neue Literaturgattung aber auch keine Biographie sondern ein poltischer Tatsachenbericht.
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  • Kommentar von U. Salzmann (pfefferusalz)
    Blauäugig und blind sind die, die nach wie vor nicht erkennen wollen, welche Gefahr für uns alle von diesem ‘Präsidenten’ ausgeht!
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    1. Antwort von Daniel Schicker (iron5)
      Danke U. Salzmann. Und beängstigend erkennen zu müssen, wie viele US-Amerikaner ganz offensichtlich in Form ihres Präsidenten eine "Führungs"-Persönlichkeit benötigen. Einen Trump gar als "Heiler" sehen. Kopfschütteln, Selbstvertrauen und Eigenverantwortung sehen anders aus.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      "Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird die einzig logische Schlussfolgerung, zu welcher die russische Regierung gelangen kann, lauten, dass Washington die Amerikaner und Europäer auf einen militärischen Angriff auf Russland vorbereitet. Verunglimpfende und dämonisierende Propaganda des Feindes geht militärischen Angriffen voraus." Paul Craig Roberts. Trump versprach im Gegensatz zu seinen Gegner eine Deeskalation gegenüber Russland.
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    3. Antwort von bruno michel (prototyp)
      Ich fand die Gefahr, die von Obama ausging, wesentlich beunruhigender.
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    4. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Deeskalation unter Großmächten bedeutet , dass eine Großmacht an Einfluss gewinnt und die andere verliert. Ein typisches Beispiel war die Wende. Die Sowjet Union konnte fast Überall nicht mehr mithalten und musste deshalb klein beigeben.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich weiss nicht, wie viel sich Trump noch gefallen lassen muss, bis ein Gericht aufsteht und diese Verläumdungen stoppt! Was Präsident Trump bis jetzt gemacht hat, ist unglaublich heilend für die Welt. Grenzen öffnen und Drogen einführen dient der Schwächung der Nationen. Geschichte: China wurde vom Feind eingenommen, ohne Waffen. Man hat zuerst Drogen in das Land eingeschleust bis die Chinesen nicht mehr im Stande wahren, sich zu wehren. Dann ist man einspaziert und hat das Land übernommen.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "Ich weiss nicht, wie viel sich Trump noch gefallen lassen muss, bis ein Gericht aufsteht und diese Verläumdungen stoppt!" Kennen Sie den Spruch "Wies in den Wald ruft..."? Schon mal eine Rede von Trump gehört? Oder Twitter gelesen?
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    2. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      China wurde eingenommen? Aber heute ist es nebst den USA quasi die grösste Supermacht. Also so viel falsch haben die ja so gesehen doch nicht gemacht.
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    3. Antwort von B. Bucher (BBu)
      Man kann über Trump sehr wohl geteilter Meinung sein, aber was an einem Präsidenten, "der Frauen zwischen die Beine greifen darf, der den Atomvertrag mit Iran einseitig nicht mehr einhält, der diverse Handelskriege losgetreten hat, der Klimaschutz für unnötig hält, der Obamacare teilweise abgeschafft hat und damit noch mehr Menschen in die Drogen getrieben hat etc. etc. etc.", heilend sein soll, das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Möchten Sie so einen Bundesrat ?
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    4. Antwort von B. Moser (moser.b)
      @Bucher, man kann über Trump, geteilter Meinung sein. Aber eines Bin ich sicher der Kongress wird ihn wegen seiner Aussagen über Frauen und sexuelle Verhältnisse ausserhalb der Ehe nicht absetzten. Und ich hätte gerne z.B. ein Bundesratsmitglied, welches auch mal nicht die Klimaideologie nachbetet.
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    5. Antwort von B. Bucher (BBu)
      @B. Moser Wenn ich Ihr Posting richtig interpretiere bedeutet das dann, dass Sie einem Bundesrat sämtliche "Verfehlungen" verzeihen würden, solange er nichts gegen den Klimawandel unternehmen würde.
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    6. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Moser: Ich bin sicher, dass die aktuelle Republikanische Mehrheit in den Räten Trump nicht wegen ausserehelicher Exskapaden absetzen wird. Nicht einmal wegen öffentlich gestandenem sexuellen Misbrauch. Aber wenn das ein so unbedeutendes Thema ist, warum haben es dann dieselben Republikaner mit genau dieser Begründung bei Clinton versucht?
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    7. Antwort von B. Moser (moser.b)
      @Müller die Republikaner würden ihn schon evtl. absetzen, aber man benötigt 2/3 im Senat und es ist unwahrscheinlich, dass die Demokraten ihn deswegen absetzen, denn dann hätte man Clinton auch absetzen müssen, weil dieses Verhältnis im AMT mit einer Untergebenen war! Und die Republikaner werden nach den Wahlen kaum eine 2/3-Mehrheit (die Demokraten sowieso nicht) haben.
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