Die Bäcker-Lernenden im kolumbianischen Popayán kneten grünen Teig: Mehl aus Kokablättern, für Brötchen. Gebacken wird in einer staatlichen Berufsfachschule, dem SENA. Legal ist das nur dank einer Sonderbewilligung – und nur innerhalb der Schule.
«Koka ist nicht gleich Kokain», sagt Kursleiterin Angie Bravo. Für die Droge brauche es einen komplett anderen Verarbeitungsprozess, die Pflanze selbst werde in indigenen Gemeinschaften seit Jahrhunderten verwendet.
Popayán liegt inmitten der Koka-Anbauregion Cauca, die Stadt ist ein wichtiger Forschungsstandort zur Pflanze. Im Labor des SENA hat das Team von Ökologin und Koka-Forscherin Dora Troyano Kokablätter und Kokamehl untersucht.
Ihr Ergebnis: In ihrem natürlichen Zustand liefere die Pflanze Nährstoffe, ohne Vergiftungsrisiko und ohne Rausch – sie wirke zwar anregend, aber nicht psychoaktiv. Aus einem Brötchen wieder Kokain herauszulösen, sei praktisch unmöglich. Bei Tee wäre es theoretisch denkbar, aber aufwendig und wirtschaftlich sinnlos, sagt Troyano.
Trotzdem darf das Kokabrot das SENA nicht verlassen. Denn die Pflanze gehört der strengsten Kategorie der verbotenen Substanzen an. Es steht auf der «Liste I» der UNO-Drogenkonvention von 1961, zusammen mit Heroin, Kokain und Fentanyl.
Andenländer spannen zusammen
Dagegen wollen Bolivien, Peru und Kolumbien vorgehen. Sie haben beantragt, die Pflanze von der Liste zu streichen – mit der Begründung, die Nutzung sei kulturell verankert und die Einstufung wissenschaftlich falsch.
Im März wird die UNO-Drogenkommission zum Thema tagen. Die WHO hat im Dezember bereits die Empfehlung ausgesprochen, den Antrag abzulehnen. Begründung: Aus Kokablättern lasse sich relativ einfach Kokain herstellen. Damit sei das Kriterium der «leichten Umwandlung» erfüllt, das für Liste I ausschlaggebend ist.
Verpasste Chance oder gefährlicher Pfad?
Für Drogenpolitik-Experten wie Ricardo Vargas Meza ist das eine verpasste Chance. Eine Neueinstufung, sagt er, hätte erlaubt, das Blatt aus der Logik des Drogenkriegs zu lösen – hin zu legalen Produkten und regulierten Märkten.
Anders sieht es General a. D. Fabricio Cabrera. Er warnt, Kolumbien sei nicht bereit für eine landesweite Legalisierung der Pflanze. Kokafelder seien für bewaffnete Gruppen und Drogenkartelle ein Herrschaftsinstrument – über sie bestimmen sie, wer arbeitet, wer Geld verdient, und stärken so ihre Macht.
Forscherin Dora Troyano berichtet von bereits vorhandenen, legalen Anwendungen – von Mehl über Cremes und Tee bis zu Düngemitteln. Und sieht darin eine reale wirtschaftliche Alternative für Bäuerinnen und Bauern, die heute vom illegalen Anbau leben.
Es bleibt vorerst beim Experiment
Auch sieht Troyano mögliche Anwendungen in der Pharmaindustrie, die jedoch kaum erforscht werden können, aufgrund der restriktiven Einstufung durch die UNO-Drogenkommission.
Für die Lernenden in Popayán bedeutet das: Ihr Kokabrot bleibt vorerst ein Experiment hinter Institutsmauern. Sie backen weiter – in der Hoffnung, dass die Pflanze eines Tages nicht nur als Problem, sondern auch als Teil der Lösung gelten darf.