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Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Armut im Libanon
Aus Tagesschau vom 29.01.2021.
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Demonstrationen im Libanon Mindestens ein Toter bei Protesten gegen Armut und Lockdown

  • Bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften ist in der Hafenstadt Tripoli im Norden des Libanons ein Demonstrant ums Leben gekommen.
  • Es handle sich um einen 30-jährigen Mann, meldete die staatliche libanesischen Nachrichtenagentur (NNA).
  • Aus Krankenhauskreisen in der Stadt hiess es, mehr als 200 Menschen seien verletzt worden. Das Rote Kreuz meldete mehr als 100 Verletzte.

Den dritten Tag in Folge protestieren die Menschen in Tripoli gegen die schlechte Wirtschaftslage und die weitreichenden Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie.

Demonstranten hätten Molotowcocktails und Steine geworfen, berichtet die NNA. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, um die Stürmung eines Regierungsgebäudes zu verhindern.

Schwere Finanzkrise und Covid-19

Das Land am Mittelmeer erlebt derzeit eine der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte. Ein Grossteil der Bevölkerung lebt in Armut. Die Corona-Pandemie und die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut im August im vergangenen Jahr haben die Lage weiter verschärft.

SRF-Korrespondentin: «Regierung sorgt nicht für die Ärmsten»

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SRF-Nahost-Korrespondentin Susanne Brunner über die Lage im Libanon:

«Die Regierung hat einen Lockdown rund um die Uhr verhängt, aber sie sorgt nicht dafür, dass die Ärmsten zu Essen haben. Ein Jugendlicher hat mir gestern Abend am Telefon gesagt: ‹Wir sterben hier, daheim, vor den Spitälern, und sie lassen es zu!› Man muss wissen: auch Supermärkte sind in diesem Lockdown geschlossen – aber die Lieferung von Lebensmitteln nach Hause ist erlaubt. Nur gibt es diese Dienstleistung in Tripoli kaum, weil niemand Geld dafür hat.

So sind es vor allem junge Leute aus den Armenvierteln, die protestieren. Und solche, die ab Herbst 2019 bereits an den landesweiten Massenprotesten gegen die korrupte Regierung teilgenommen haben. Es sind weniger Demonstranten als damals und jetzt vor allem Männer. Und das Problem ist: Unter diese Demonstranten mischen sich auch sehr gewaltbereite Personen. Ihnen wird sowohl von Demonstranten als auch von der Regierung vorgeworfen, sie versuchten die Proteste für ihre Zwecke zu eskalieren. »

Wegen hoher Infektionszahlen hatte die Regierung in Beirut bereits Mitte Januar einen weitreichenden Lockdown beschlossen. So gilt eine 24-stündige Ausgangssperre. Auch die Supermärkte sind geschlossen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner lag im Libanon zuletzt bei 367.

Newsflash, SRF 2, 29.01.2021;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Benjamin  (Benny)
    Das ist halt wenn die vom Iran unterstützten Hizbollah die wirkliche Macht dort haben.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Hisbollah bietet keine Lösungen sondern ist Teil des Problems.
  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Dies kann ich gut nachvollziehen. Auch diese Gewalt wird sich ausbreiten wie der Virus.
    Denn so ist dies kein Leben mehr. Freiheitsberaubung, Nötigung etc.
    Es wird Zeit das man damit Lebt ohne Einschränkungen trotz Konsequenz von Ansteckungen.
    Was im Vergleich pro und Contra verständlich ist .
    Zurück in den Alltag trotz leid ist besser als was diese Massnahmen mit sich bringen.
    1. Antwort von Vale Nipo  (VNxpo)
      Genau dies würde ein Utilitarist wie, Jeremy Bentham sagen. Und damit bin ich einverstanden. Man solle das grösstmögliche Glück für eine grösstmögliche Anzahl von Menschen anstreben. Leider ist der grösste Teil, des hedonistischen Kalküls bis heute Utopie geblieben, da sich die Menschen eher um das Individualglück, als an das Kollektivglück besinnen. In der Summe schaffen die Einzelentscheidungen zwar Wohlstand, jedoch entsteht anderswo eine tiefe Kluft. Die Schere zwischen Arm und Reich.
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      @Nipo: Alles richtig auf abstrakt-philosophischer Ebene. Hier aber stellt sich die Frage, ob es der Wirtschaft oder Gesellschaft komplett ohne Massnahmen besser ginge. Gemäss Studie des IWF letzten Sommer ist das nicht der Fall und Ende Sommer haben 60 Schweizer Volkswirtschaftsprofessoren ebenfalls in einem offenen Brief das Gleiche betont. Seither habe ich keine gegenteilige Studie gesehen. Und es gibt Länder mit Wirtschaftswachstum trotz Massnahmen. Wahrscheinlich eine Frage des Masses.