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Der vergessene Krieg im Jemen Der Bezwinger von Al-Kaida

Shalal Ali Shaiya ist Chef der südjemenitischen Sicherheitskräfte und gilt als der Mann, der Aden von Al-Kaida und IS befreit hat. Es geht um den Kampf gegen Terroristen – und um die Unabhängigkeit Südjemens.

Legende: Video Der Milizen-Führer abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.06.2018.

Seine Männer gehören zu den gefürchtetsten Kämpfern im ganzen Südjemen: Shalal Ali Shaiya ist Chef der Polizei von Aden, oder besser: einer der mächtigsten Milizen-Führer, und er hat sich auf die Fahne geschrieben, den Südjemen von Al-Kaida und IS zu befreien. An Shalal lässt sich am besten beschreiben, wie kompliziert das Machtgefüge an der Südspitze der arabischen Halbinsel heute ist.

Im Clinch zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten

Shalal ist der Chef der südjemenitischen Sicherheitskräfte. Diese werden von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, operieren aber de facto autonom. Shalal – wie die Emirate – will einen unabhängigen Südjemen, losgelöst vom Norden rund um Sanaa.

Trotzdem muss Shalal Rücksicht nehmen auf den Willen von Saudi-Arabien, welches einen geeinten Jemen anstrebt und zusammen mit den Emiraten die iranisch unterstützten Houthi im Norden bekämpft. Hier im Süden rund um Aden aber kämpft Saudi-Arabien gegen die eigentlich verbündeten Emirate um Macht und Einfluss und andere Vorstellungen.

Legende: Video Die gefürchtetsten Kämpfer abspielen. Laufzeit 0:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.06.2018.

Audienz in der Privatvilla

Schon der Weg zu Shalals Haus ist ein Gang wie aus einem Abenteuer-Roman. Seine Privatvilla, in der er uns aus Sicherheitsgründen empfängt – sein militärisches Hauptquartier wurde öfters Ziel von Anschlägen – klebt klischeehaft an einer schroffen Küstenwand direkt über einer kleinen Sandbucht. Vorbei an ausgebombten Autowracks werden wir an mehreren Checkpoints vorbeigeleitet.

Shalal selbst führt uns direkt auf den Balkon. «Die frühere jemenitische Regierung unter Präsident Ali Abdullah Saleh wollte den Süden bewusst arm halten. Alles war nur für die Leute aus dem Norden: Schulen, alles, er wollte uns arm und ungebildet haben. Um uns kontrollieren zu können.»

Zusammenarbeit mit allen – ausser Dschihadisten

Heute schwebt Shalal ein wenn nicht unabhängiger, so zumindest weitgehend autonomer Südjemen vor. Einer, in welchem «freie Städte» das Sagen haben. So wie Aden. Wo er das Sagen hat. «Saleh hat uns auch das Terror-Problem eingebrockt. Es war Teil seiner Strategie.» Al-Kaida und IS sind während des Krieges gegen die Houthi sofort in die Lücken gestossen, die entstanden sind. In Aden sitzen heute noch sogenannte «Emire» der Dschihadisten. «Aber wir kennen sie, und wir kennen kein Pardon. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten – ausser mit den Dschihadisten.»

Unseren Einwand, dass gerade die unter Präsident Obama, aber auch unter Präsident Trump intensiv geführten US-amerikanischen Drohnenangriffe immer wieder viele unschuldige Zivilisten treffen und so zur Stärkung von Al-Kaida und IS beitragen würden, wischt Shalal mit einer wirschen Handbewegung weg.

Unterstützung für die USA

«Die Amerikaner machen einen hervorragenden Job. Die Terroristen verstecken sich natürlich bewusst unter den Zivilisten – und die Zivilisten, welche diese Terroristen in ihren Reihen dulden, helfen ihnen beim Verstecken.» Aus Shalals Unerbittlichkeit lässt sich leicht ablesen, wie schwierig es werden wird, den Jemen in welcher Form auch immer wieder zu einen und zu einem funktionierenden Staat zurückzuführen.

Legende: Seit 2015 ist Aden die Interimshauptstadt Jemens, da die eigentliche Hauptstadt Sanaa von Rebellen besetzt wird. SRF

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Jeder Krieg ist einer zuviel. Am meisten Opferr bringt die Zivilbevölkerung. Macht-, Geldgier verbunden mit Kriegen machen die Welt kaputt. Und wir Europäer sind so dumm und nehmen Menschen anderer Kulturen zu uns und verpflegen sie, bis sie im Namen Allahs uns sagen, war wir zu tun haben.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, wir Europäer (inkl. Schweizer) sind auch nach Übersee ausgezogen und haben vielen Völker unsere Kultur und Religion aufgedrängt und ausgebeutet;-)
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Den Teufel mit dem Belzebub austreiben ... kommt mir da in den Sinn. Mit Demokratie hat dieser Mann kaum was am Hut. Er hat einfach andere Interessen als die Dschihadisten und der IS plus die besseren Kämpfer. Zivilisten verstecken nicht einfach IS-Leute oder Dschihadisten, sondern haben v.a. keine Wahl, weil keine Chance gegen diese bewaffneten und brutalen Terroristen. Schon an diesen Aussagen sieht man, wes Kind er ist. Die USA haben einen passenden Verbündeten gefunden für ihre Drohenmorde.
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