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Auf die Briten wartet mehr Bürokratie
Aus HeuteMorgen vom 04.01.2021.
abspielen. Laufzeit 02:14 Minuten.
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Deutlich mehr Bürokratie Nach dem Brexit – so ändert sich der Alltag für die Briten

In Grossbritannien beginnt nach dem Austritt die Realität. Nicht nur für die Wirtschaft ändert sich so einiges.

Nach gut vier Jahren Scheidungsdrama ist der Brexit endlich vollzogen: Seit dem 1. Januar ist Grossbritannien rechtlich nicht mehr im EU-Binnenmarkt. Was von den Versprechen und Befürchtungen wahr wird, weiss man erst in einigen Monaten. Doch im Alltag ändert sich schon jetzt viel.

159-seitiges Handbuch

Egal ob Fische, Schafe oder Muscheln – was auch immer die britische Grenze überquert, benötigt neuerdings die richtigen Papiere. Herkunftsnachweise, Sicherheitszertifikate, veterinärmedizinische Atteste.

Allein 159 Seiten umfasst das Handbuch der Regierung für Exporteure. Fleisch, Chemikalien oder Autobestandteile, die in den europäischen Binnenmarkt exportiert werden, müssen künftig richtig deklariert werden. 250 Millionen Formulare, so schätzt die britische Transportvereinigung, wird die Exportwirtschaft in diesem Jahr neu ausfüllen müssen. Fünfmal mehr als vor dem Brexit.

Die Bürokratie hat tatsächlich ein bisschen zugenommen.
Autor: Boris JohnsonBritischer Premierminister

Die britische Wirtschaft stöhnt. In Dover wurden die ersten Lastwagen mit fehlenden Papieren bereits zurückgewiesen. Doch im Vergleich zu den Vorteilen des Brexits sind das für Premierminister Boris Johnson eher Nebensächlichkeiten.

Es könnte noch schlimmer sein

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«Mehr als 80 Prozent der britischen Wirtschaft machen Dienstleistungen aus», sagt die schweizerisch-britische Ökonomin Cornelia Meyer. Und diese sind im Post-Brexit-Abkommen nicht geregelt. Deshalb gebe es im Dienstleistungsbereich noch sehr viele Unklarheiten. «Die britischen Unternehmerinnen und Unternehmer sorgen sich am meisten darüber, wie sich das Ganze einpegeln wird», so Meyer weiter. Zwar gebe es keine Zölle auf Ein-und Ausfuhren von Gütern. Doch es gebe wesentlich mehr Bürokratie, was für die Unternehmer zu Mehrkosten führe. Zum Problem könnte auch werden, dass die neuen Abläufe zu wenig gut vorbereitet seien. Immerhin: «Wir sollten froh sein, dass wir wenigstens ein Freihandelsabkommen für Güter haben.»

«Die Bürokratie hat tatsächlich ein bisschen zugenommen. Die versuchen wir noch zu beseitigen», sagte Johnson. «Aber in erster Linie haben wir ab heute enorme wirtschaftliche Möglichkeiten.»Regierung betont die Vorteile

Rückgang des BIP erwartet

Doch allzu lange freuen kann sich Johnson nicht. Bis heute war der Brexit eine theoretische Debatte. Nun beginnt die Realität. Die englische Bank rechnet wegen des Brexits mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts von rund vier Prozent.

Die Regierung ist deshalb bemüht, bereits in diesen Tagen die Vorteile des Brexits zu betonen. Grossbritannien kontrolliere ab sofort wieder seine Grenzen und damit die Einwanderung, verspricht beispielsweise die britische Innenministerin Priti Patel.

Unerwähnt lässt sie dabei, dass dies nun auch die 27 EU-Länder tun. Administrative Barrieren gibt es deshalb neuerdings nicht nur für Fische, Schafe und Muscheln, sondern ebenso für britische Touristinnen, Arbeitnehmer und Studierende.

Video
Aus dem Archiv: Der Brexit-Deal und seine Folgen
Aus 10 vor 10 vom 30.12.2020.
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SRF 4 News, Heute Morgen, 04.01.2021, 06:00 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Vollenweider  (Ge.Vo)
    Die Teilnahme am Europäischen Binnenmarkt mit den vier Grundfreiheiten: Freier Warenverkehr,Personenfreizügigkeit,Freier Kapital- und Zahlungsverkehr,Dienstleistungsfreiheit, hat auch viele Vorteile.Die Schweiz sollte nicht den britischen Weg gehen,sondern die Zusammenarbeit mit der EU vertiefen.
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  • Kommentar von Matthias Kessler  (TichuPotter)
    Ich habe jetzt den Artikel 2 mal durchgelesen. Was sich jetzt im Alltag der Briten ändert, habe ich allerdings nirgends gelesen. Passt zur "journalistischen Leistung" der letzten 10 Monate....
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Herkunftsnachweise, Sicherheitszertifikate, veterinärmedizinische Atteste usw, diese ganze Bürokratie wird sich mit der Zeit legen, bzw. vereinfachen, man wird sich daran gewöhnen. Aller Anfang ist schwer. GB ist ein aufgeschlossenes Land und wird diese Hürden schaffen. Warum soviel Pessimus? Administrative Barrieren können gelöst werden. GB wird alles tun um den Alltag mit dieser Bürokratie zu meistern. GB kann seine Grenzen und damit die Einwanderung selber kontrolliert. Keine PFZ mehr.
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    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Mit dem Freihandelsabkommen mit GB hat die Schweiz viele dieser Barrieren bereits weggeräumt.
      Es ist im übrigent rel. interessant darin mal zu blättern. Es ist gar nicht so kompliziert.
      Im www sie Begriffe Handelsabkommen GB und CH eingeben und schon da ;-)
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