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«Es kommt nochmal ganz hart für den Hochrhein»
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.12.2020.
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Deutscher Shutdown Handelskammer-Chef: «Jetzt sind die Innenstädte ganz tot»

In Deutschland wird ab heute das alltägliche Leben wieder stark heruntergefahren. Läden bleiben zu, ausser sie decken den täglichen Bedarf. Kindertagesstätten und Schulen gehen vielerorts nicht auf. Restaurants, Kinos und Fitnesscenter wurden bereits im November geschlossen. Das sei ein harter Schlag für die Läden direkt an der Schweizer Grenze, sagt Claudius Marx von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee.

Claudius Marx

Claudius Marx

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Claudius Marx ist seit 2006 Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee. Diese vertritt die Interessen der rund 36'000 Gewerbetreibenden und Unternehmen in den Landkreisen Konstanz, Waldshut und Lörrach.

SRF News: Wie sehr beunruhigt Sie der erneute Shutdown in Deutschland?

Claudius Marx: Das wird definitiv eine schwierige Zeit. Dieser Lockdown beginnt mitten im Vorweihnachtsgeschäft, das für unseren Einzelhandel mit das wichtigste Geschäft im ganzen Jahr ist. Das ist genau die Zeit, in der etwa 20 Prozent des Jahresumsatzes gemacht werden. In manchen Branchen – Spielwaren, Uhren, Schmuck, Bücher – ist es noch viel mehr. Dass das nun komplett ausfällt, ist natürlich ein harter Schlag.

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Lockdown quer durch Europa
Aus Tagesschau vom 15.12.2020.
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Sie sind in einer Region tätig, die nahe an der Schweizer Grenze liegt. Wie verlief dieses Jahr bislang?

Ich glaube, da ist das Bild von der Achterbahn durchaus zutreffend. Das war ein hartes Auf und Ab. Der erste Lockdown im Frühjahr war für unsere Unternehmen im Handel sehr schwierig. Und als der Lockdown zu Ende war, war die Situation noch nicht besser, weil die Grenzen zur Schweiz noch nicht offen waren. Es fehlte also geografisch die südliche Hälfte des Kundenkreises. Erst als die Grenze im Frühsommer wieder aufging, hatten wir so etwas wie Normalität. Einzelne Unternehmen hatten uns gemeldet, dass sie wieder auf demselben Umsatzniveau wie vor dem Ausbruch der Pandemie waren. Da gab es also durchaus Hoffnung.

Es war schon eine schwierige Zeit, und jetzt kommt es nochmal ganz hart.

Dann kam der zweite Teil-Lockdown, den wir jetzt im November hatten. In dieser Zeit hatten wir zusätzlich noch einen nachlassenden Einkaufstourismus. Wir erklären uns das so, dass die Gesamtsituation so diffus ist, die Regeln so kompliziert, dass viele Schweizer Kunden einfach zu Hause geblieben sind. Zumal ja auch die Politik dazu aufruft, zu Hause zu bleiben. Da wurde mehr vor Ort eingekauft. Das war schon eine schwierige Zeit, und jetzt kommt es nochmal ganz hart.

Über die Grenze gehen ist zwar noch erlaubt. Aber dennoch: Was bedeutet der neuerliche Lockdown für die Grenzregion?

Es war schon bislang schwierig. Unsere Innenstädte waren durch den Teil-Lockdown so etwas wie teil-verwaist: Die Gastronomie, die Hotellerie, die Kinos, die Theater und die Fitnesscenter waren geschlossen. Das heisst, da war das Leben schon ein Stück weit erstickt. Das, was noch offen hatte, hat darunter gelitten, dass die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt nicht mehr dieselbe war. Man ging da nur noch hin, um sich zu versorgen. Das Einkaufen als Shoppingerlebnis, der Spontankauf, das Stöbern ist alles schon weggefallen. Darunter haben die Innenstädte schon gelitten, und jetzt sind sie dann eben ganz tot.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

SRF 4 News, 16.12.2020, 9.18 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Liebes SRF: Gerne wiederhole ich meinen schon in der Vergangenheit vorgebrachten Vorschlag: Bitte vernetzen Sie unter jedem Artikel bei „mehr zum Thema“ Ihren Artikel zum Präventionsparadox. Zahlreiche Kommentare und die Klickzahlen zeigen, dass zu viele Leute nichts davon gehört oder es nicht verstanden haben. Dabei kann man die Situation ohne dieses Wissen gar nicht logisch beurteilen. Es wäre also unglaublich wichtig und meiner bescheidenen Meinung nach Aufgabe des öffentl. rechtl. Mediums.
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  • Kommentar von Wolfgang Bader  (Syndikus)
    Bezogen auf den Artikel vom SRF gibt es sicherlich noch Trivialeres zu berichten, also Schwamm drüber.
    In Bezug auf die Kommentare, die mehrheitlich nicht zum Artikel passen, zeigt sich so vieles an Befindlichkeit; die Nerven liegen bei dem einem oder anderen blank - auch bei allem Verständnis persönlicher empfundener oder auch tatsächlicher Notlagen. Eines ist aus soziologischer Sicht eindeutig festzustellen: Ein Anstieg des „Dunning-Krüger Effekts“ innerhalb der Bevölkerung-wenigstens etwas!
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    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Kruger, Herr Bader (wie es übrigens auch Kruger-Park heisst, nicht Krüger-Park). Ansonsten kann ich mich ganz anschliessen.
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    2. Antwort von Matt Reimann  (Matts)
      Sie wohnen offenbar nicht in Grenznähe und haben keine Freunde nlrdlich des Rheins. Behalten Sie Ihre Banalitäten daher bitte für sich
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    3. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Wir haben was gemeinsam, Herr Bader: mehrheitliche Ablehnung (Stand jetzt 13 zu 37 und 4 zu 11). Mmh, wie war das mit Dunning & Kruger? Was fehlt da allenfalls bei Fehleinschätzungen? Schwamm drüber (immerhin habens für ihre Arbeit einen Ig-Nobelpreis bekommen).
      Und Herr Reimann kann ich getrost mitteilen, dass ich unmittelbar an der (südlichen) Grenze wohne, dass ich drüben auch Freunde habe, und dies im übrigen wie Herr Bader sehe: Beim einen oder andern liegen wohl die Nerven blank.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Man sieht es auch in der deutschen Nachrichtenberichterstattung, deren Grundtenor sowieso sehr moralierend und empörungslastig geworden ist, ohne Auge für die Kehrseiten der Realität oder anderen Probleme der Gesellschaft ausser dem was " richtig" ist. Die Hilfen für November/Dezember lassen auf sich warten. Und viele Unternehmen gehen dank x Klauseln leer aus. Tja, da bin ich froh in der Schweiz zu leben, wo ALLE Teile des Gesamtbildes berücksichtig werden, wirtschaftliche wie gesundheitliche.
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