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Die Grünen ziehen mit Annalena Baerbock ins Rennen um das Kanzleramt
Aus Tagesschau vom 19.04.2021.
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Deutschland Annalena Baerbock: Das ist die Kanzlerkandidatin der Grünen

Annalena Baerbock hat sich intern gegen Robert Habeck, den Co-Chef der deutschen Grünen, durchgesetzt. Doch wer ist die 40-Jährige?

Den 9. Dezember 2017 darf man bei einem Porträt von Annalena Baerbock nicht unterschlagen. Robert Habeck sitzt an diesem Samstag im Advent mit seiner Familie und seinen Söhnen beim Kaffee, sie spielen das Spiel Siedler.

Am Montag will er seine Kandidatur für den Vorsitz der Grünen offiziell lancieren. Co-Vorsitzende sollte Anja Piehl vom linken Flügel werden – alles schön austariert nach Geschlechtern und Flügeln. Und offen gesagt: Wer die Frau an Habecks Seite an der Spitze der Grünen sein würde, interessierte damals kaum jemanden. Alle Augen ruhten auf Habeck.

Baerbock zu Habeck: «Ich kandidiere auch»

Doch plötzlich klingelt das Telefon, Baerbock ist am Apparat und sagt: «Du, ich habe mir überlegt, ich kandidiere auch. Morgen läuft es über die Nachrichtenagenturen.» Sechs Wochen später, am Parteitag der Grünen, legte sie noch eine Schippe drauf. «Bei allem Respekt – und du weisst das, Robert: Wir wählen hier heute nicht nur die Frau an Roberts Seite, sondern die neue Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen!» Sie wurde mit 60 Prozent der Stimmen gewählt und 2019 mit 97 Prozent in ihrem Amt bestätigt.

Baerbock und Habeck
Legende: Annalena Baerbock und Robert Habeck, seit drei Jahren die Co-Vorsitzenden der Grünen. Keystone

Sie liebe es, nächtelang um Details und Anträge zu ringen, sagt Baerbock. Sie gilt als dossiersicher. Und anders als die anderen Kanzlerkandidaten sind die Grünen – und insbesondere sie – gegen die russische Pipeline Nord Stream 2.

Nicht nur wegen des Klimaschutzes, auch aus politischen Gründen. Und niemand in Deutschland sagt das so klar wie Baerbock, zum Beispiel in einer Bundestagsdebatte im Herbst 2020: «Sie bedauern die dramatischen Entwicklungen in Belarus, den Krieg in der Ukraine, die Bombardierung in Syrien von Spitälern und Schulen, Giftanschläge auf russische Oppositionelle. Aber zeitgleich konterkarieren Sie mit ihrer politischen Unterstützung dieser Pipeline jegliche Sanktionen und unterstützen den Kreml über den Gaskonzern Gazprom auch noch mit Milliardeneinnahmen!»

Trampolinsportlerin mit Hippie-Eltern

Baerbock ist 40 Jahre jung, Mutter von zwei kleinen Töchtern, stammt aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Ihr Elternhaus beschrieb sie als eine Art Hippie-Haushalt. Als Kind wurde sie oft zu Anti-Atomkraft- und Friedensdemonstrationen mitgenommen. Bis auf drei Jahre als Journalistin war sie immer in der Politik; als Aussen- und Sicherheitspolitik-Referentin für die grüne Bundestagsfraktion, als Büroleiterin einer Europaabgeordneten.

Wenn man etwas Neues schaffen will, dann muss man den Mut haben, den Absprung zu schaffen, sonst wird sich nichts verändern.
Autor: Annalena BaerbockCo-Vorsitzende der Grünen und Kanzlerkandidatin

Sie hat einen Master in Völkerrecht von der London School of Economics. Dreimal wurde sie Dritte bei den Deutschen Meisterschaften im Trampolinspringen. Genau gleich habe sie sich auf dem politischen Trampolin an die Spitze katapultiert, sagte sie dem Magazin «Zeit». «Wenn man etwas Neues schaffen will, dann muss man den Mut haben, den Absprung zu schaffen, sonst wird sich nichts verändern und man lernt auch nichts dazu.»

Die einst kaum bekannte Frau an Roberts Seite hat sich konsequent aus dessen Schatten herausgearbeitet. Beide vertreten eine neue Generation der Grünen, was die einen bedauern und die andern begrüssen. Man bleibe bei den grossen Zielen, aber Politik sei nur die Kunst des Möglichen, sagt sie.

«Weil jede gute Politik damit beginnt, dass man Realitäten anerkennt, um sie zu verändern.» Das ist Teil des grünen Erfolgskonzepts: Ja zum Klimaschutz und nein, es soll nicht nur Verbote geben, sondern durch technische Mittel abgefedert werden, so lautet die Botschaft – auch die von Baerbock.

Rendez-vous, 19.04.2021, 12:30 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    @ Kotthaus (aus dem andern Artikel) Ja, die Grünen müssen aus dem „Verbots-Image“ raus, sondern Angebote machen für eine zukunftstaugliche, gerechtere Gesellschaft. Aber natürlich braucht’s dafür klare Regeln und auch Verbote: keine Coronaleugner, Q’s, Nazis, Rassisten, da ist Null-Toleranz angesagt. Bei den spezifisch Grünen Themen: keine fossilen Energieträger ... ist va. Innovation und über allem Bildung & Forschung wichtig,
    Ob D im Herbst schon fit ist für die Transformation? Hoffentlich
  • Kommentar von Erwin Lemoso  (Elemiso)
    Wir können nur hoffen dass Baerbock nicht Kanzlerin wird.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Sie meinen sich und ihresgleichen. "Wir", ist etwas allgemein gehalten.
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Mal ne kritische Frage: Warum Baerbock? (Ne privilegierte weisse Frau aus gutsituiertem Akademikerhaushalt. Was denn auch sonst.)

    Warum nicht ne Frau mit Einwanderungshintergrund? Warum nicht ne Farbige? Warum nicht ne lesbische? (SPD, Grüne und Linkspartei reden immerzu in riesengrossen Tönen von solchen Themen und stellen dann NICHT EINMAL IN IHRER EIGENEN Partei solche Frauen auf.)

    Warum denn nicht? Wasser predigen und Wein trinken?
    1. Antwort von Tom Steinemann  (Tom Steinemann)
      Ja warum wohl, Frau Müller? Glauben Sie denn, eine Migrantin hätte in Deutschland Chancen, Kanzlerin zu werden?
      Schlagen Sie das doch der CDU vor, die Grünen haben schon eine überzeugende Kandidatin.
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      1. weil A.B. eine KanzlerIn für ALLE Deutschen sein will.
      2. weiß sie einen starken Partner an der Seite hat
      3. weil sie ein diverses Team hinter sich haben wird, das alle von Ihnen erwähnten Strömungen und noch viel mehr vertreten wird.
    3. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @T. Steinemann: Da hilft Ihnen jetzt auch kein Whataboutismus raus.

      Unglaubwürdig ist es allemal ein Stück weit. Ausgerechnet diese Parteien, die sich das in riesengrossen Buchstaben auf die Fahne schreiben (und mit Megafonen herumtröten) tun es selber nicht einmal.

      Sie haben (urdeutsche) und privilegierte Parteispitzen. (Borjans, Esken, Baerbock, Habeck, Hennig-Wellsow).

      Wasser predigen und Wein trinken?
    4. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Weil Abstammung, Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Ausrichtung, soziale Herkunft für die Wahl des Kanzlerkandidaten keine Rolle spielen soll, sondern einzig und allein die Qualifizierung.
      Alles andere wäre reine Symbolpolitik, reine Symbolhandlung, und von der gibt es schon mehr als genug.