Ein Nebeneffekt der aktuellen US-Grönland-Politik ist, dass Menschen in Dänemark keine US-Produkte mehr kaufen wollen. Im Supermarkt hilft dabei inzwischen das Smartphone. «Nein, diese Peanuts sind nicht amerikanisch», sagt die App namens UdenUSA – übersetzt ohne USA. Entwickelt wurde sie vor ein paar Monaten von Jonas Pipper zusammen mit einem Freund. Innert weniger Tage hat die App in den dänischen Download-Charts einen Spitzenplatz erreicht.
Die Idee entstand aus einer Online-Bewegung heraus. Pipper erzählt, man habe auf Facebook die Gruppe «Boykott USA» entdeckt, die rasant gewachsen sei. «Wir entdeckten auf Facebook die Gruppe ‹Boykott USA›, die völlig durch die Decke ging, mit fast 100’000 Nutzern. Da dachten wir: Warum gibt’s nirgends eine App, mit der man ein Produkt scannen kann und erfährt, woher es kommt?», sagt der Erfinder von UdenUSA.
Symbolischer Boykott in Dänemark
Einen expliziten Boykottaufruf will Pipper daraus aber nicht machen. Er selber rufe gar nicht unbedingt zum Boykott auf, sagt er. Und selbst wenn: Im traditionell USA-freundlichen Dänemark hätte ein Boykott ohnehin nur einen sehr begrenzten Effekt. Gerade einmal rund ein Prozent der Lebensmittel stammt direkt aus den USA.
Kanada geht einen Schritt weiter
Deutlich mehr ins Gewicht fällt die gleiche Bewegung in Kanada. Dort sind über 20 Boykott-Apps entstanden, seit US-Präsident Donald Trump Kanada öffentlich als mögliches Wunsch-Territorium für die USA bezeichnete und gleichzeitig hohe Zölle erhob.
Eine dieser Apps stammt von William Boytinck. Auch er war vom Erfolg überrascht. «Es ist cool. Wir hatten erwartet, maximal ein paar hundert Dollar für Kanada herauszuholen», sagt er. Tatsächlich wurde daraus deutlich mehr.
Apps wie «Shop Canadian» oder «Made in Canada» geben Nutzerinnen und Nutzern das Gefühl, im Handelskrieg den USA etwas entgegensetzen zu können – ganz persönlich, beim täglichen Einkauf. Ob in Kanada oder in Dänemark. Dass die meisten die Apps auf einem US-Smartphone und über eine US-Plattform herunterladen, um danach US-Produkte zu boykottieren, ist dabei eine kleine Ironie der Geschichte.