Darum geht es: In der kanadischen Provinz Alberta setzt sich eine separatistische Bewegung für die Gründung eines unabhängigen Staates ein. Für ein mögliches Referendum sammelt die Organisation «Alberta Prosperity Project» derzeit Unterschriften. Jetzt haben sich einige Vertreter der Bewegung mit Mitarbeitenden der US-Regierung getroffen. Sie hoffen, dass die USA ein unabhängiges Alberta anerkennen und vielleicht auch finanziell unterstützen werden.
Die Bewegung: Die separatistische Bewegung in Alberta sei rechtskonservativ, weiss Gerd Braune, freier Journalist in Kanada. «Sie ist politisch auf einer Linie mit der Trump-Administration. Ob es nun um die Energie-, Umwelt- oder Aussenpolitik geht.» Die Bewegung wirft der kanadischen Regierung vor, die rohstoffbasierte Wirtschaft der Provinz durch Klimapolitik, Umweltauflagen und Steuerregeln zu benachteiligen. Für die Bewegung trägt Alberta überproportional zum Wohlstand Kanadas bei, profitiere jedoch zu wenig davon.
Die Hintergründe: «Seit Jahrzehnten gibt es Klagen im Westen Kanadas, dass die Zentrale in Ottawa den Westen und vor allem Alberta missachte», sagt Braune. Kritisiert werde vor allem, dass es zu viele Zugeständnisse an Quebec gebe. «Die Separatisten hassten Justin Trudeau sowie seine Energie- und Umweltpolitik.» Sein Nachfolger Mark Carney habe mit einem Memorandum für eine Pipeline in Alberta zum Pazifik eine Kehrtwende vollzogen. «Aber das genügt den Separatisten nicht, sie wollen raus aus Kanada. Und sie glauben, dass sie mit ihrem Rohstoffreichtum allein besser dastehen würden», so Braune.
Das weiss man zu den Gesprächen: Über den Inhalt der Gespräche ist bisher wenig bekannt. Interessant sei, dass sich die US-Administration bereit erklärt habe, mit der Gruppe zu sprechen, so der Journalist. «Das ist ein Erfolg für die separatistische Organisation.» Braune befürchtet, dass die MAGA-Bewegung von Donald Trump den Separatismus in den sozialen Medien schüren werde. «Den Separatisten wäre das sicherlich willkommen – um genügend Unterschriften für ein Referendum zu sammeln.»
Das bedeutet es für Mark Carney: «Die kanadische Regierung sieht die Entwicklung mit Sorge», sagt Braune. Es gebe die Befürchtung, dass sich die USA in die Kampagne einmischen werden. Finanzminister Scott Bessent hat Alberta bereits als einen «natürlichen Partner der USA» bezeichnet und auf den Rohstoffreichtum der kanadischen Provinz hingewiesen. Carney wiederum besteht gegenüber der Trump Administration darauf, dass die USA die Souveränität Kanadas respektieren müssen. Es wird befürchtet, dass die Kontakte Kanada destabilisieren könnten. «Und das zu einem Zeitpunkt, in dem Kanada wirklich geeint auftreten muss», so Braune.
Rückhalt in Alberta: Gefragt, wie gross der Rückhalt der Bewegung in Alberta sei, sagt Braune, es komme darauf an. «Wenn die Frage lautet: Soll Alberta ein von Kanada unabhängiges Land sein? – dann liegt die Zustimmung nach Umfragen bei rund 30 Prozent. Lautet die Frage: Soll sich Alberta den USA anschliessen? – dann sinkt die Zustimmung auf etwa 20 Prozent.» Es sei gut möglich, dass die Separatisten die 180'000 Stimmen zusammenbringen können, die für ein Referendum notwendig seien. «Aber, dass dann eine Mehrheit für den Austritt Albertas aus Kanada wäre, wird als unwahrscheinlich bis als ausgeschlossen angesehen.»