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SPD auf der Suche nach neuer Parteispitze
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Doppelspitze einer Partei Die Chemie von Co-Chefs muss stimmen

Die deutsche SPD wagt den Kraftakt und versucht die Parteiführung auf zwei Personen aufzuteilen. Was in der Betriebswirtschaft Trend ist, klappt bei Parteien nicht unbedingt.

In Deutschland eifert eine der grossen Volksparteien, die SPD, dem Vorbild der deutschen Grünen nach und sucht eine Doppelspitze für die Parteiführung. Das ist nicht gerade ein einfaches Unterfangen, meint Politologe Gero Neugebauer. «Es ist eher ungewöhnlich, weil man von einer Führung erwartet, dass eine Person repräsentiert und integriert», sagt der deutsche Parteienforscher. Eine Doppelspitze könne man einrichten, wenn in der Partei genügend Geschlossenheit besteht. «Bei der SPD ist das nicht so gegeben.»

Weniger skeptisch zeigt sich Georg Lutz, der Politologe der Universität Lausanne: Eine Doppelführung könne Sinn machen, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind. «Zum einen muss abgestimmt werden, wer welche Bereiche in der Führung übernimmt und wie man sich abgrenzt. Zum anderen muss die Chemie zwischen den beiden Persönlichkeiten stimmen.»

Viele Politiker sind Alpha-Tiere.
Autor: Georg LutzPolitologe Universität Lausanne

Dies bestätigt auch Politologe Mark Balsiger «Wenn aber bei beiden Co-Parteipräsidenten die eigene Karriere im Vordergrund steht, ist das Risiko gross, dass sie sich immer wieder Gockelkämpfe liefern.» Viele Politiker seien «Alpha-Tiere», meint auch Georg Lutz. Diese würden davon leben, selbst im Zentrum zu stehen. Eine solche Persönlichkeit vertrage sich mit dem Schweizer Modell, bei dem eher die Bundesräte im Vordergrund stehen, nicht.

Wer wird deutscher Kanzlerkandidat?

Eine Doppelspitze sei ein Gewinn, wenn ein begabter Kommunikator mit Strahlkraft zur Verfügung stünde, die zweite Person wiederum befähigt sei, parteiintern geschickt zu moderieren, meint Balsiger weiter. Ein anderes Problem spricht Gero Neugebauer an. Bei einer Doppelspitze werde es auch schwierig, den künftigen Kanzlerkandidaten in Deutschland zu bestimmen. Das deutsche Parteiengesetz verlange dies.

Allgemein sei aber festzuhalten, dass es in der Schweiz weniger attraktiv sei, ein Parteipräsidium zu übernehmen, meint Politologe Balsiger. In der Schweiz gebe es schon Leute, die sich das zwei Mal überlegen würden, bevor sie ein solches Amt übernähmen, bestätigt auch Georg Lutz.

Parteichef zu sein, ist ein Verschleissjob.
Autor: Mark BalsigerPolitologe

«Kommt hinzu der Aspekt, dass in der Schweiz Politik nach wie vor ein Milizamt ist», sagt Lutz. Damit sei ein Parteipräsidium in der Schweiz etwas anderes. Immer 24 Stunden für die Medien erreichbar zu sein und nebenan einen Beruf ausüben, liege nicht jedem. An der Parteispitze zu sein, sei auch in der Schweiz ein Verschleissjob, wirft Balsiger ein. Zudem sei die Entlöhnung dieser Ämter bescheiden. In anderen Ländern seien Parteichefs Profipolitiker mit einer entsprechenden Entlöhnung.

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SPD: Nachfolge dringend gesucht
Aus Tagesschau vom 24.06.2019.
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1 Kommentar

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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Der entscheidende Punkt, den Balsiger erwähnt, erhält im Artikel zu wenig Gewicht: Die notwendige Strahlkraft und Kommunikationsfähigkeit des Posterboys/-girls. - Politik ist in erster Linie Verkauf und Marketing; das hat in De Pseudo-SPD-Mann Schröder eindrücklich bewiesen: George-Clooney-Image, tiefe vertrauenserweckende Stimme, ausweichendes, aber nicht herablassendes Lachen usw. Nahles war der erfolglose Gegenentwurf; jemanden, der in Schröders Fussstapfen treten könnte, sehe ich nicht.
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