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Drogenboss in Mexiko getötet Vom Polizisten zum Kartellchef: Wer war «El Mencho»?

Bei einem Militäreinsatz in Mexiko wurde der Anführer des Kartells «Jalisco Nueva Generación», einer der einflussreichsten Drogenbosse, getötet.

Der Drogenboss: Der 59-jährige Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als «El Mencho», war der Anführer des «Jalisco Nueva Generación»-Kartells (CJNG). In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe auch der «Herr der Hähne» genannt.

Ein ausgebrannter Bus, vorne befestigen zwei Männer ein Kabel.
Legende: Ein ausgebrannter Bus in Acapulco, Mexiko. Kartellmitglieder üben sich in Machtdemonstrationen nach der Tötung von «El Mencho» und sperren in Mexiko Strassen mit brennenden Fahrzeugen. Keystone / DAVID GUZMÁN

«El Mencho» wuchs in Armut auf, baute Avocados an und brach die Grundschule ab. In den 1980er Jahren wanderte er illegal in die USA ein, wo er wegen Drogenhandels verhaftet und später wieder nach Mexiko abgeschoben wurde. Zurück in seiner Heimat arbeitete er für kurze Zeit in Jalisco als Polizeibeamter. Danach hat er wohl der «Verführung des schnellen Geldes und der Einschüchterung nachgegeben», sagt Lateinamerika-Experte Günther Maihold von der Freien Universität Berlin. Die im Polizeidienst erworbenen Fähigkeiten hätten zum Erfolg von «El Mencho» beigetragen, so Maihold.

So verlief der Militäreinsatz gegen «El Mencho»

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Am Sonntag wurde bei einer Operation im Bundesstaat Jalisco versucht, «El Mencho» festzunehmen. Offenbar führten Geheimdienstinformationen zum Einsatz der Sondereinheit der Streitkräfte. «Mit einem gezielten Schlag gelang es, die verschiedenen Sicherheitsringe um ‹El Menchos› Aufenthaltsort zu durchbrechen», so Günther Maihold. Beim Schusswechsel wurde der Kartellboss tödlich verletzt und erlag seinen Verletzungen beim Transport ins Krankenhaus. Neben Oseguera kamen beim Militäreinsatz laut offiziellen Angaben sechs weitere Kartellmitglieder ums Leben, zwei wurden festgenommen.

Die Lücke: Oseguera schloss sich zuerst dem Milenio-Kartell an und arbeitete später auch mit dem berüchtigten Sinaloa-Kartell zusammen. Als das Milenio-Kartell zersplitterte, gründete «El Mencho» seine eigene Organisation. Der Kartellboss nutzte die Chance, die sich durch das Ausscheiden von «El Chapo» Guzmán als Anführer des Sinaloa-Kartells ergab, um in dessen Lücken einzurücken. Dadurch konnte er sich als massgebliche Figur im mexikanischen Drogengeschäft etablieren. Durch seine Rolle und seinen Einfluss war Oseguera das meistgesuchte Ziel der USA mit einem Kopfgeld von 15 Millionen US Dollar.

Das Kartell: Oseguera gründete 2009 das Kartell «Jalisco Nueva Generación». Heute ist es eines der mächtigsten und gewalttätigsten Drogenkartelle Mexikos und gilt in den USA als Terrororganisation. Schätzungsweise um die 28’000 Mitglieder zählt das CJNG.

Grosse, dunkle Rauchwolke über einer Küstenstadt am türikis-blauen Meer.
Legende: Rauch steigt über Puerto Vallarta, Mexiko, auf. Die Tötung von «El Mencho» führt vielerorts in Mexiko zu Gewaltdemonstrationen von Kartellmitgliedern. Keystone / STR

Das Erfolgsrezept: Das Kartell funktioniert im Gegensatz zu vielen anderen Kartellen nicht wie eine Pyramide, mit einer Hauptperson an der Spitze und familiären Verstrickungen darunter, sondern wie ein Netzwerk. Dabei wussten die unteren Ebenen oft nicht, für wen sie arbeiteten, so Lateinamerika-Experte Günther Maihold: «Das war das Erfolgsrezept von ‹El Mencho›, dass er so dieses Netzwerk steuern und damit die Verletzbarkeit des Kartells geringhalten konnte.» Dazu gehört auch, dass «El Mencho» das Geschäft des Kartells diversifiziert hat. So setzt es nicht nur auf den Export von Fentanyl und Kokain, sondern betreibt auch Öldiebstahl, Erpressung und Menschenhandel.

Chaos und Zerstörung in Mexiko

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Seit der Tötung von «El Mencho» kam es in grossen Teilen Mexikos zu Unruhen. In elf Bundesstaaten blockierten Kartellmitglieder Strassen mit brennenden Fahrzeugen. Laut Günther Maihold handelt es sich dabei um eine Machtdemonstration des Kartells gegenüber den staatlichen Autoritäten. Zudem bleiben viele Schulen und Universitäten am Montag geschlossen. Die Botschaft der USA sowie die diplomatischen Vertretungen anderer Länder forderten ihre Bürgerinnen und Bürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Die nächste Generation: Mit «El Menchos» Tod endet die Generation alter Drogenbosse wie «El Chapo» Guzmán. Dem «Jalisco Nueva Generación»-Kartell steht ein Generationenwechsel bevor. Dabei drohen laut Lateinamerika-Experte Günther Maihold drei Szenarien: geordnete Nachfolge, interne Fragmentierung mit erhöhter Gewalt oder territoriale Neuordnung durch rivalisierende Kartelle.

Der Staat: Für Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum stellt der Generationenwechsel beim Jalisco-Kartell eine Chance dar, so Maihold. Die Regierung müsse nun den Moment nutzen, bevor sich eine neue Kartellstruktur etablieren kann. Laut dem Lateinamerika-Experten besteht die Herausforderung darin, die finanziellen, logistischen und bewaffneten Netzwerke dauerhaft zu schädigen, nicht nur Personen auszutauschen.

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SRF 4 News, 23.2.2026, 14:30 Uhr ; 

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