Der Drogenboss: Der 59-jährige Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als «El Mencho», war der Anführer des «Jalisco Nueva Generación»-Kartells (CJNG). In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe auch der «Herr der Hähne» genannt.
«El Mencho» wuchs in Armut auf, baute Avocados an und brach die Grundschule ab. In den 1980er Jahren wanderte er illegal in die USA ein, wo er wegen Drogenhandels verhaftet und später wieder nach Mexiko abgeschoben wurde. Zurück in seiner Heimat arbeitete er für kurze Zeit in Jalisco als Polizeibeamter. Danach hat er wohl der «Verführung des schnellen Geldes und der Einschüchterung nachgegeben», sagt Lateinamerika-Experte Günther Maihold von der Freien Universität Berlin. Die im Polizeidienst erworbenen Fähigkeiten hätten zum Erfolg von «El Mencho» beigetragen, so Maihold.
Die Lücke: Oseguera schloss sich zuerst dem Milenio-Kartell an und arbeitete später auch mit dem berüchtigten Sinaloa-Kartell zusammen. Als das Milenio-Kartell zersplitterte, gründete «El Mencho» seine eigene Organisation. Der Kartellboss nutzte die Chance, die sich durch das Ausscheiden von «El Chapo» Guzmán als Anführer des Sinaloa-Kartells ergab, um in dessen Lücken einzurücken. Dadurch konnte er sich als massgebliche Figur im mexikanischen Drogengeschäft etablieren. Durch seine Rolle und seinen Einfluss war Oseguera das meistgesuchte Ziel der USA mit einem Kopfgeld von 15 Millionen US Dollar.
Das Kartell: Oseguera gründete 2009 das Kartell «Jalisco Nueva Generación». Heute ist es eines der mächtigsten und gewalttätigsten Drogenkartelle Mexikos und gilt in den USA als Terrororganisation. Schätzungsweise um die 28’000 Mitglieder zählt das CJNG.
Das Erfolgsrezept: Das Kartell funktioniert im Gegensatz zu vielen anderen Kartellen nicht wie eine Pyramide, mit einer Hauptperson an der Spitze und familiären Verstrickungen darunter, sondern wie ein Netzwerk. Dabei wussten die unteren Ebenen oft nicht, für wen sie arbeiteten, so Lateinamerika-Experte Günther Maihold: «Das war das Erfolgsrezept von ‹El Mencho›, dass er so dieses Netzwerk steuern und damit die Verletzbarkeit des Kartells geringhalten konnte.» Dazu gehört auch, dass «El Mencho» das Geschäft des Kartells diversifiziert hat. So setzt es nicht nur auf den Export von Fentanyl und Kokain, sondern betreibt auch Öldiebstahl, Erpressung und Menschenhandel.
Die nächste Generation: Mit «El Menchos» Tod endet die Generation alter Drogenbosse wie «El Chapo» Guzmán. Dem «Jalisco Nueva Generación»-Kartell steht ein Generationenwechsel bevor. Dabei drohen laut Lateinamerika-Experte Günther Maihold drei Szenarien: geordnete Nachfolge, interne Fragmentierung mit erhöhter Gewalt oder territoriale Neuordnung durch rivalisierende Kartelle.
Der Staat: Für Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum stellt der Generationenwechsel beim Jalisco-Kartell eine Chance dar, so Maihold. Die Regierung müsse nun den Moment nutzen, bevor sich eine neue Kartellstruktur etablieren kann. Laut dem Lateinamerika-Experten besteht die Herausforderung darin, die finanziellen, logistischen und bewaffneten Netzwerke dauerhaft zu schädigen, nicht nur Personen auszutauschen.