Er galt als der mächtigste Drogenboss von Mexiko: Nemesio Oseguera Cervantes, genannt «El Mencho». Bei einem Militäreinsatz nahe der Pazifikküste im Westen des Landes ist «El Mencho» am Sonntag getötet worden, teilt das Verteidigungsdepartement in Mexiko mit. Er führte das Jalisco-Kartell Neue Generation. Sein Tod hat in mehreren Bundesstaaten Proteste und Ausschreitungen ausgelöst. Die freie Journalistin Flurina Dünki ist in Mexiko-Stadt und ordnet die Tötung und deren Folgen ein.
SRF News: Wer war dieser Drogenboss El Mencho?
Flurina Dünki: Er war Anführer des grössten Kartells in Mexiko, des Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG). Damit galt er als mächtigster Drogenboss im Land. Sein Kartell hat in allen kriminellen Geschäften mitgewirkt: Drogenschmuggel, Menschenhandel, Schleusung von Migranten sowie Schutzgelderpressung. Das Kartell hat sich in Mexiko sehr erfolgreich ausgebreitet und hat andere Kartelle im Land brutal angegriffen, um deren Gebiete zu erobern. Besonders gelitten hat darunter die Zivilbevölkerung. Das Kartell steht zudem auf der Terrorliste, die unter US-Präsident Donald Trump erstellt wurde. Seine Tötung ist also eine grosse Sache.
Warum führte seine Tötung zu Protesten und Ausschreitungen?
Getreue Bandenmitglieder haben in mindestens zehn mexikanischen Staaten Strassen blockiert, darunter Schnellstrassen und Autobahnen. Sie haben Läden und Tankstellen angezündet. Damit wollen sie ihre Wut über den Tod ihres Anführers und ihre Verbundenheit mit dem Kartell zeigen. Zugleich wollen sie ihre Macht demonstrieren, indem sie zeigen: Wir können das ganze Land lahmlegen. Eine derart gefährliche Situation hat es seit langem nicht mehr gegeben. Selbst Warn-Apps, die üblicherweise vor Erdbeben warnen, informierten über die Gewaltlage.
Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss anhalten und weiss nicht, was ihn oder sie erwartet.
Wie reagiert die Bevölkerung auf die Nachricht?
Jubel ist ausgeblieben. Viele Mexikanerinnen und Mexikaner haben in den vergangenen Jahren öfter erlebt, dass Drogenbosse getötet wurden, ohne dass sich die Gewaltlage nachhaltig verbessert hat. Die Situation ist sehr zeitnah, und die Menschen reagieren vor allem mit Angst. In betroffenen Regionen bleiben viele zu Hause, aus Sorge vor den Strassenblockaden und möglichen Zwischenfällen. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief im sozialen Netzwerk X dazu auf, Ruhe zu bewahren.
Wovor fürchten sich die Menschen konkret?
Sie haben nicht unbedingt Angst, erschossen zu werden. Aber die Strassenblockaden sind doch sehr beängstigend. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss anhalten und weiss nicht, was ihn oder sie erwartet.
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Bild 1 von 3. Ein Luftbild zeigt Rauchfahnen in Puerto Vallarta nach der Tötung von «El Mencho». (22.2.2026). Bildquelle: EPA/STR.
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Bild 2 von 3. Die Sicherheitspräsenz im Mexiko-Stadt ist gross. (22.2.2026). Bildquelle: imago images/Daniel Cardenas/Anadolu Agency.
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Bild 3 von 3. Polizisten und Mitglieder der Armee arbeiten an einem Tatort, an dem ein Fahrzeug von mutmasslichen Mitgliedern der organisierten Kriminalität in Brand gesetzt wurde. (22.2.2026). Bildquelle: EPA/Ivan Villanueva.
Welche Rolle spielten die USA beim Einsatz?
Bekannt ist, dass die USA letztes Jahr eine Geheimdienst-Taskforce zur Drogenbekämpfung gegründet haben. Diese hat Mexiko Geheimdienstinformationen gegeben, welche letztlich zum Aufspüren von «El Mencho» geführt haben. Welche Daten genau übermittelt worden sind, ist nicht öffentlich. US-Personal war jedoch nicht vor Ort. Die mexikanische Präsidentin betont auch regelmässig, dass es keinen Einsatz von US-Militär oder US-Polizei auf mexikanischem Boden geben werde. Dies, obwohl Donald Trump auch regelmässig sagt, er wolle in Mexiko eingreifen.
Das Gespräch führte Raphael Günther.