Zum Inhalt springen

Header

Audio
Drohnenangriff auf saudische Ölinfrastruktur
Aus Echo der Zeit vom 14.09.2019.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
Inhalt

Drohnenangriff auf Ölkonzern Die Luftwaffe der Armen

  • In Saudi-Arabien sind zwei Einrichtungen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco mit Drohnen angegriffen worden.
  • Dadurch sind Feuer ausgebrochen, die inzwischen aber unter Kontrolle gebracht wurden. Das teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit.
  • Die Urheberschaft der Attacken ist noch unklar. Es kommt jedoch immer wieder zu Drohnenangriffen gegen saudiarabische Infrastruktur, die den Huthi-Rebellen zugeschrieben werden.

Wer den Angriff zu verantworten hat, ist noch nicht geklärt. Klar ist: In den vergangenen Monaten hatten die Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen bereits ähnliche Angriffe auf Öleinrichtungen und Flughäfen in Saudi-Arabien für sich reklamiert. Saudi-Arabien bekämpft seit einigen Jahren die Huthis in Jemen.

Kriegsentscheidend sind solche Drohneneinsätze jedoch nicht. Sie ändern nichts an der krassen militärischen Überlegenheit der von den Saudis angeführten Koalition gegen die Huthis, sagt Dhia Muhsin vom Londoner Strategie-Institut: «Die Saudis verfügen über eine ausgebaute Luftwaffe, Flieger-Abwehrsysteme sowie Aufklärungsmittel und werden von den USA unterstützt.»

Dazu kommt: Die Bombenfracht, welche die Drohnen der Huthis transportieren, ist selten über vierzig Kilogramm schwer. Ein Bruchteil dessen, was die unbemannten und bemannten Flugzeuge regulärer Armeen vermögen.

Dicker, schwarzer Rauch steigt über der saudi-arabischen Raffinerie auf.
Legende: Nach der Drohnenattacke: Dicker Rauch steigt über der Aramco-Fabrik in Abqaiq, Saudi-Arabien auf. Reuters

Woher kommen die Drohnen?

Doch symbolisch sind die Drohnen wichtig und wirksam. Denn sie verbreiten im Zielland Angst und Schrecken. Etwa beim Einsatz gegen Öl- oder Gasanlagen in Saudi-Arabien. Und sie können einem übermächtigen Gegner Schmach zufügen nach dem Motto: Ihr mögt stärker sein, aber unverletzlich seid ihr nicht.

USA machen den Iran verantwortlich

Die US-Regierung macht den Iran für die schweren Drohnenangriffe auf eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien verantwortlich. Aussenminister Mike Pompeo forderte alle Nationen dazu auf, die iranischen Angriffe «öffentlich und eindeutig» zu verurteilen.

Zuvor hatten sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen ausdrücklich zu den Angriffen bekannt.

Doch woher haben die Huthis auf einmal gleich mehrere Drohnen-Systeme? Aus verschiedenen Quellen, sagt Dhia Muhsin: «Die simpelsten Flugkörper erwarben sie wohl einfach im Internet für wenige hundert Dollar. Andere stammen vom Schwarzmarkt und werden in den von ihnen kontrollierten Norden Jemens geschmuggelt.»

Oft kaufen sie im Ausland Komponenten wie Antriebsmotoren – etwa in Indien, China oder Deutschland, wie der Bericht der UNO-Expertengruppe aufzeigt –, bauen diese dann selber zusammen.

Wenig glaubwürdige Beteuerung der Huthi

Die potentesten Drohnen, jene der Kategorien «Qasef» und neuerdings die noch stärkeren «Samad»-Drohnen, basieren aber offenkundig auf iranischen Modellen. Das zeigen Untersuchungen der Denkfabrik Conflict Armament Research und wird auch von Muhsin bestätigt.

Diese Drohnen verfügen über eine Reichweite von weit über tausend Kilometern. Das heisst: Selbst Angriffe auf die internationalen Flughäfen von Abu Dhabi oder Dubai sind möglich.

Der internationale Flughafen Dubai.
Legende: Mit den stärkeren «Samad»-Drohnen könnten die Huthi-Rebellen auch weit entfernte Ziele wie beispielsweise den internationalen Flughafen von Dubai treffen. Reuters

Weder die Beteuerung der Huthis, sie hätten die Drohnen in Eigenregie entwickelt und hergestellt, noch die iranische Behauptung, keinerlei Drohnen oder Technologien dazu zu liefern, sind daher glaubwürdig.

Jeder kann sie kriegen

Nun sind die Huthis keineswegs die einzigen, die das bisherige Monopol von Staaten bei Luftangriffen brechen. Sie machen es derzeit bloss am sichtbarsten. Dhia Muhsin spricht von einem Trend unter nicht-staatlichen Akteuren. Von Rebellen-Milizen bis zu Terror-Gruppierungen.

So setzte auch die libanesische Hisbollah schon Drohnen ein – wenn auch nur zu Aufklärungszwecken. Ihnen gleich tut es die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien, die palästinensische Hamas, sowie lateinamerikanische Drogenkartelle.

Die einen sehen deshalb in den Drohnen bereits die Luftwaffe der Armen. Andere nennen sie die Kalaschnikow der Lüfte. Will heissen: Jeder, der sie will, kann sie kriegen.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    Zur Glaubwürdigkeit der beiden zitierten Quellen: Dhia Muhsin arbeitet für das IISS (Sitz in London). Dieses Institut soll zu einem Grossteil von Rüstungsfirmen gefördert sein (siehe Eintrag bei Wikipedia). "Conflict Armament Research" listet als Spender auf seiner Homepage u. a. die Aussenministerien der USA, der Vereinigten Arab. Emirate und Saudi-Arabiens.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Zwischen den Zeilen lesen können sie
    Nun hat DT einen Grund, wenn es auch
    nur eine fabrizierter Grund ist, gelegentlich die USA Kriegsmaschinerie
    gegen die Perser zu starten
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Also was die Drohnen betrifft, ein Spielzeug das von Jedermann gesteuert werden kann, dürfte es wohl nicht gewesen sein. Viel mehr müssen solche Drohnen von Leuten gesteuert werden, die das wirklich trainiert und gelernt haben. Und dass da sicherlich auch der Iran dahinter stecken muss. liegt wohl offensichtlich auf der Hand. - Wir haben hier wieder, wie so oft, auch ein weiteres Beispiel eines Berichtes, wo man "zwischen den Zeilen" lesen muss, was da wirklich vor sich geht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Toll wie Sie das Zwischendenzeilenstehende umgehend analysieren und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen, sofortiger Dank ist Ihnen gewiss!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Also ich kann nicht zwischen den Zeilen lesen, dass der Iran der
      Schuldige ist. Solche reichweitenden Beschuldigungen sollte man erst machen, wenn wirkliche Beweise vorliegen. Kann sein, kann nicht sein
      Im Moment, alles nur Verdacht Herr Haller.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      Was ich persönlich zwischen den Zeilen lese, ist folgendes: Die Huthis (sehr wahrscheinlich) haben mit logistischer Hilfe durch den Iran (vielleicht) einen erfolgreichen Angriff durchgeführt bei dem keine Zivilperson ums Leben kam. Derweil schiesst Saudi-Arabien mit westlichen Bomben auch gerne mal Schulbusse ab. Wer sich jetzt da die Hände schmutziger macht, kann bei so vielen Akteuren, noch mehr Verlierern und ein paar wenigen Gewinnern wohl nur durch die Zeilen bestimmt werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Zwischen den Zeilen findet man stets sehr viel weiße Fläche für die eigenen Projektionen.
      Werden solche Vermutungen geäußert, sagt das in der Regel mehr über die fix zementierten Denkmuster des Autors, als irgendetwas Objektives zum Thema.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Herr Haller, es macht ganz den Anschein, als müssten Sie sich jenen ‚Dank‘, den meine ironisch zugespitzten Zeilen vorausgesagt hatten, bei den ‚Ablehnenden der nachfolgenden, klugen Kommentare selber zusammenreimen, zwischen den Zeilen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen