Beim Kandidatenturnier für die Schach-Weltmeisterschaft hat der 20-jährige Javokhir Sindarov aus Usbekistan für gewaltiges Aufsehen gesorgt. Noch selten hat ein Spieler ein Kandidatenturnier so dominiert wie er: Bereits aus den ersten sieben Partien hat er fünf gewonnen.
«Er hat den Rest wie Statisten aussehen lassen», sagt Schachgrossmeister Niclas Huschenbeth, einer der bekanntesten Schach-Youtuber im deutschsprachigen Raum.
Vom Geheimfavoriten zum Dominator
Javokhir Sindarov hatte im November 2025 den World Chess Cup gewonnen und sich damit für das Kandidatenturnier qualifiziert. Auch im Januar überzeugte er bei einem Weltklasse-Turnier – und gehörte also bald mal zum Favoritenkreis. «Aber dass er so ein Turnier hinlegen würde, hat niemand erwartet», sagt Huschenbeth. «Das war historisch.»
Vor einem Jahr noch war Sindarov der 30. der Weltrangliste. Inzwischen ist er auf Platz fünf vorgerückt. Solche Entwicklungen gebe es bei jungen Spielern immer wieder, sagt Huschenbeth. Sindarov jedoch sticht heraus, er hat in den letzten zwölf Monaten eine Erfolgsserie hingelegt. «Ich weiss nicht genau, was Sindarov gemacht hat, aber anscheinend das Richtige. Er war in den letzten Monaten einfach unaufhaltbar.»
«Dynamisch, aggressiv, kämpferisch»
Am Brett überzeugt Sindarov mit einem klaren Profil: dynamisch, aggressiv, kämpferisch, selbstbewusst, beschreibt ihn Schachgrossmeister Huschenbeth. «Er glaubt an seine Chancen und sucht sie.» Auch vor Risiken schrecke er nicht zurück, wenn er darin den besten Weg sehe.
Dieser Ansatz setzt seine Gegner unter Druck: «Mehrmals sind seine Gegner unter diesem Druck zusammengebrochen», so Huschenbeth. «Das war auch Teil seines Erfolgsrezepts. Da machen auch die besten Spieler der Welt Fehler.»
Nun darf Sindarov bei der Weltmeisterschaft Ende des Jahres den aktuellen Weltmeister Gukesh Dommaraju herausfordern. Nach seinem dominanten Auftritt im Kandidatenturnier sehen viele derzeit Sindarov im Vorteil, da Gukesh zuletzt schwächelte.
Doch Huschenbeth relativiert: «Bis dahin ist noch Zeit.» Gukesh könne seine Form wiederfinden. Und er bringe einen entscheidenden Vorteil mit: Erfahrung auf der grössten Bühne. «Ein WM-Kampf ist der grösste Druck, den es gibt.» Stand jetzt sei das Duell offen: «Ich würde sagen, es ist 50 zu 50.»
Die letzte Partie des Kandidatenturniers findet am Mittwochabend statt. Am Ausgang ändert das nichts mehr: Der Turniersieg ist Sindarov bereits sicher.