- Ein Jahr ist es her, als die Verhaftung und Absetzung des ehemaligen Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu in der Türkei die grössten landesweiten Proteste seit Jahren auslöste.
- Nun sind am Jahrestag erneut tausende Unterstützer auf die Strasse gegangen.
- Die Menschen fordern den Rücktritt des Präsidenten Erdogan und die Freilassung Imamoglus.
- Die Kundgebung organisiert hat Imamoglus Partei CHP.
Vor der Stadtverwaltung auf dem Sarachane-Platz in der Millionenmetropole Istanbul riefen die Menschen in Sprechchören Parolen wie «Präsident Imamoglu» oder «Tayyip, Rücktritt» und schwenkten ihre Fahnen und Banner. Es gab ein grosses Polizeiaufgebot.
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Bild 1 von 3. Ein Journalist des deutschen öffentlichen Rundfunks ARD berichtet gar von Zehntausenden, die in Istanbul auf die Strasse gegangen sein sollen. Bildquelle: IMAGO / Tolga Uluturk.
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Bild 2 von 3. Der CHP-Parteichef Özgür Özel war ebenfalls zugegen. Bildquelle: AP Photo / Emrah Gurel.
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Bild 3 von 3. Auch Imamoglus Frau, Dilek Imamoglu, spricht vor der versammelten Gemeinde: «Ich stehe hier nicht nur als Ehefrau und Mutter, sondern als Stimme jener Millionen, denen Ungerechtigkeit widerfahren ist, die man mundtot machen will und deren Gerechtigkeitsgefühl verletzt wurde.». Bildquelle: IMAGO / Tolga Uluturk.
CHP-Chef Özgür Özel sagte bei der Demonstration: «Hunderttausende Ekrems sind auf dem Platz.» Vor einem Jahr sei ein Komplott voller Verleumdungen und Lügen gestartet worden, sagte Özel. Das Ziel des «Putsches» seien Imamoglu und der Aufstieg der Partei gewesen.
Erdogans grösster Konkurrent
Imamoglu gilt als aussichtsreicher Kontrahent des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei zukünftigen Wahlen. Am 18. März 2025 war Imamoglu sein Universitätsdiplom aberkannt worden – was Voraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur ist. Einen Tag später wurde er wegen Terror- und Korruptionsvorwürfen in Gewahrsam genommen – am 23. März dann schliesslich verhaftet und als Bürgermeister abgesetzt. Er selbst bestreitet die Vorwürfe.
Imamoglu sitzt seitdem im Istanbuler Bezirk Silivri in Untersuchungshaft. Der Hauptprozess gegen den Erdogan-Rivalen hat kürzlich begonnen – ihm drohen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mehr als 2000 Jahre Haft.
Kritikerinnen und Kritiker sehen das Vorgehen gegen Imamoglu und andere Oppositionspolitiker als gezielten Versuch der Regierung, die stärkste Oppositionspartei im Land auszuschalten. Das Vorgehen hatte daraufhin die grössten Proteste seit mehr als zehn Jahren in der Türkei ausgelöst. Diese hatten unter anderem auch eine Welle an Festnahmen zur Folge.