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Eine Stadt mit Frostbeulen Berliner Winter: Zugausfälle, Glatteis und festgefrorene Politik

Ein erneuter Wintereinbruch sorgt in Berlin für ein Chaos bei den Zugverbindungen. Die Stadt kämpft bereits seit Wochen mit dem Winter und sich selbst. Glatteis sorgt für überlaufene Spitäler, der Winterunterhalt scheitert am Gesetz und das Tram fährt ohne Passagiere.

Deutliche Minusgrade haben die deutsche Hauptstadt Berlin bereits seit Wochen im Griff. Nun sorgt ein erneuter Wintereinbruch mit Schnee für zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen.

Betroffen sind vor allem Fernverkehrsverbindungen, teilte die Deutsche Bahn mit: Etwa der ICE nach Bonn oder Karlsruhe. Auch die Strecke zwischen Berlin und Hannover ist unterbrochen – bis auf einige Züge, die umgeleitet werden können. Das führt laut dem Bahnunternehmen jedoch zu deutlichen Verzögerungen.

Berliner Rutschpartie

Auch ohne das Fernverkehrschaos erlebt Berlin einen intensiven Winter. Vor allem das Eis am Boden sorgt für Ärger. Massive Glatteisflächen ziehen sich durch die ganze Stadt und sorgen für zahllose Unfälle. Wie deutsche Medien berichten, sind die Notaufnahmen im Ausnahmezustand. Knochenbrüche, Platzwunden und heftige Kopfverletzungen häufen sich, Chirurgen müssen Nächte durchoperieren.

Gelbes Warnschild 'Achtung Rutschgefahr' auf nasser Strasse.
Legende: Auf Gehsteigen in Berlin gibt es seit Wochen Glatteis. Der Einsatz von Streusalz ist aus Umweltgründen verboten. IMAGO/Seeliger

Um der Lage endlich Herr zu werden, erlaubte die Umweltverwaltung der Stadt per Verfügung den Einsatz von Streusalz auf Trottoirs. Dies nachdem sich die Koalitionsregierung aus CDU und SPD aus Umweltschutzgründen wochenlang nicht auf einen Einsatz von Streusalz verständigen konnte.

Streusalz vom Tisch

Nun die nächste Pirouette: Nach wenigen Tagen ist der Einsatz von Streusalz auf den Gehwegen wieder Geschichte. Das setzte der Naturschutzbund Nabu vor dem Berliner Verwaltungsgericht durch. Er wehrte sich damit erfolgreich gegen die Verfügung. Für diese bestünde keine rechtliche Grundlage, entschieden die Richter.

Die Stadtreinigung darf das Streusalz zwar noch auf den Strassen einsetzen. Für den Unterhalt der Trottoirs sind aber private Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer zuständig. Sie dürfen nun nach wenigen Tagen nicht mehr Salz streuen. Damit bleibt es genau da gefährlich, wo die Leute zu Fuss unterwegs sind, ausrutschen und sich verletzen.

Person mit Rollator auf verschneitem Gehweg.
Legende: Für ältere Personen ist Glatteis besonders gefährlich. In Berlin darf auf dem Trottoir normalerweise nur Splitt und Sand gestreut werden. In vielen Fällen konnte das die Stürze nicht verhindern. IMAGO/Seeliger

Wer kann, bleibt derzeit zu Hause. Insbesondere ältere Menschen. Die Lokalpresse schreibt bereits von einem «Glätte-Lockdown». Die Mobilität ist eingeschränkt. Im Gegensatz zu den momentan stehenden ICE-Zügen, können die Berlinerinnen und Berliner aber immerhin die Strassenbahn wieder nutzen.

Streik lässt Trams leer herumfahren

In der letzten Januarwoche war das nicht selbstverständlich: Durch Schneeregen und Kälte gefroren die Oberleitungen der Trams. Fahren konnten sie erst nach der Enteisung, was mehrere Tage lang dauerte.

Obendrein war für diesen Montag ein Werksstreik der Berliner Verkehrsbetriebe angesetzt. Wer kein Auto hat, musste also die eisigen Fusswege auf sich nehmen. Den Trams durften alle nur hinterherschauen. Denn diese sind zwar gefahren, sonst wären die Oberleitungen wieder eingefroren. Aber einsteigen durfte niemand.

Soviel scheint klar: Der Frühling kann in Berlin nicht schnell genug kommen.

Rendez-vous, 2.2.2026, 12:30 Uhr ; 

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