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Österreich: Ein Generalabonnement für drei Franken pro Tag
Aus Rendez-vous vom 17.09.2021.
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Einführung des Klimatickets Das österreichische GA kostet 1095 Euro pro Jahr

Österreich führt im nächsten Monat das GA, das Klimaticket ein. Nur: Zu Beginn werden noch nicht alle ÖV-Anbieter mit dabei sein.

Der Name ist Programm. Das Klimaticket ist ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Beitrag der Regierung in Wien im Kampf gegen den Klimawandel. Die konservativ-grüne Koalition unter Kanzler Kurz hält den Preis für dieses Ticket bewusst sehr tief. 1095 Euro kostet es, drei Euro pro Tag. Am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, wird es eingeführt.

Legende: Herzensanliegen der Grünen: «Sehr viele Menschen werden damit sehr viel Freude haben», sagte Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler. Keystone

Die Menschen sollen vom Auto umsteigen auf die «Öffis», den öffentlichen Verkehr. Die Idee ist bestechend. Nur gibt es noch einen Haken: Es sind noch nicht alle mit dabei. Zwar sind die Österreichischen Bundesbahnen, die ÖBB, im ganzen Land mit am Start, aber im Regionalverkehr hapert es. Nur sechs der neun Bundesländer machen mit.

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Aus dem Archiv: Verkehrsdrehscheiben sollen gefördert werden
Aus Tagesschau vom 09.09.2021.
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Ausgerechnet die Busse oder die Trams im bevölkerungsreichen Wien samt Umland sind noch nicht Teil des neuen Tarifsystems. Umwelt- und Verkehrsministerin Gewessler bedauerte das gegenüber dem ORF, will aber trotzdem sofort loslegen. «Wir haben dieses Ticket jetzt seit 15 Jahren in Regierungsprogrammen.» Viele Politikerinnen und Politiker hätten es versprochen, Werner Faymann bereits 2008. «Ich wollte nicht mehr länger warten.»

Ich wollte nicht mehr länger warten.
Autor: Leonore Gewessler Umwelt- und Verkehrsministerin, Österreich

Die Grünen, die in der mühsamen Koalition mit der konservativen ÖVP von Kanzler Kurz mitunter farb- und kraftlos wirken, erhoffen sich von diesem Ticket ein erkennbareres Profil, neuen Zuspruch, sogar Schub. Böse Zungen sagen, genau das würden die oppositionellen Sozialdemokraten den Grünen nicht gönnen. Es sei wohl kaum ein Zufall, dass sich das von den Sozialdemokraten regierte Wien beim Klimaticket querstelle.

In der Tat ist das Klima beim Klimaticket zwischen der lokalen und der nationalen Regierung in Wien unterkühlt. Man hört es, wenn Karin Zipperer spricht. Sie leitet den Verkehrsverbund der Hauptstadtregion Wien. «Wir waren sehr überrascht. Wir waren nicht eingebunden.»

Neue Investitionen, neue Kostenpunkte

Es geht um Partei- und Wahltaktik, aber vor allem ums Geld. Rund 60 Prozent der österreichischen Pendlerinnen und Pendler leben in und um Wien. Genau dort könnte das Klimaticket viele Leute zum Umsteigen animieren. Was aber auch heisst, genau dort fallen die ganz hohen Kosten an.

Ein GA, das nur drei Euro pro Tag kostet, muss der Staat massiv subventionieren. Und wenn Leute umsteigen, heisst das auch, die öffentliche Hand muss neue Busse und Züge kaufen oder in zusätzliche Linien und Personal investieren. 

Wir wollen mehr Leute in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist wichtig, die entsprechende Finanzierung zu haben.
Autor: Karin Zipperer Geschäftsführerin, Verkehrsverbund Hauptregion Wien

«Wir wollen mehr Leute in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das heisst auch, wir müssen die Kapazitäten zur Verfügung stellen. Es ist wichtig, die entsprechende Finanzierung zu haben», so Zipperer.

Und genau bei dieser Finanzierung wollen die Hauptstadt Wien und zwei umliegende Bundesländer den Preis noch ordentlich nach oben drücken, sprich mehr Geld von der nationalen Regierung. Man darf davon ausgehen, dass die Verhandlungen bald in einen Kompromiss münden. Und dann bricht in Österreich definitiv ein neues Zeitalter an.

Vorreiterin Schweiz

Vorbild ist die Schweiz, die das GA bereits 1898 erfunden hat. Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich erwähnt die Schweiz als Massstab. «Die Schweiz ist die Benchmark, was das Angebot bei der Bahn angeht. Das heisst, wenn wir hier das Angebot weiter verbessern, ist es auch möglich, dass wir die Schweiz nicht nur einholen, sondern auch überholen.»

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Aus dem Archiv: Erfolgsgeschichte «GA»
Aus Tagesschau vom 03.08.2006.
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Die Schweiz überholen beim ÖV-Angebot, das in der Schweiz noch immer viel dichter ist? Wohl nicht so schnell. Doch beim Preis bei diesen supergünstigen 1095 Euro hat Österreich bereits heute die Nase vorn.

Rendez-vous, 17.09.2021, 12:30 Uhr

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Und wie viel kostet jedes solches GA dem Staat, d.h. die Steuerzahler. Mit Sicherheit ein Mehrfaches. Dies ist der wahre Preis, und nicht was jeder Profiteur davon hinlegen muss.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Ein Schritt in die richtige Richtung. Hoffen wir es bleibt bei diesem Preis. Der ist wohl nur zu halten durch starke Suventionierung des AUT öVs. Also: Wenn ein Land es ehrlich mit den Massnahmen zur Verminderung des CO2 nimmt, müssen die Preise für den öV in den Keller. Das CO2 Problem nicht dadurch missbrauchen, dass man mehr Kohle durch Benzinaufschlag machen will, sonder mehr Geld AUSGIBT zur Verbilligung des öV. Das Nachbarland macht Nägel mit Köpfen. Die Schweiz schaut auf den Geldbeutel.
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Wie, äh, was, äh, häh?
      Wenn man die Preise in ÖV senken will, dann kommt das Geld, ähm, woher?
      Der CO2-Zuschlag hätte ja genau diesen Zweck gehabt, mit diesem Geld Alternativen fördern.
      Und jetzt wollen Sie das Geld einfach aus der allgemeinen Bundeskasse nehmen, womit es alle gemeinsam bezahlen sollen. Auch die, welche heute schon in Minergie-Häusern leben und sich mit Velo und ÖV fort bewegen?
  • Kommentar von Andreas Buser  (AnMaBu)
    Das nenn ich regieren und konkret was gegen den Klimawandel unternehmen!