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Einigung im Südsudan. Doch bringt das die erwünschte Stabilität?
Aus Echo der Zeit vom 20.02.2020.
abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
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Einigung in Südsudan Noch ein langer Weg bis zur erhofften Prosperität

In Südsudan herrschte fünf Jahre lang ein blutiger Bürgerkrieg: 400'000 Menschen wurden laut Schätzungen getötet. Seit zwei Jahren laufen Friedensverhandlungen – mit dem Ziel, dass der Präsident und sein Rivale eine gemeinsame Regierung bilden. Zwei Tage vor Ablauf der Frist haben sie sich geeinigt.

Es hat zwei Jahre gedauert, bis die beiden Streithähne an der Spitze von Regierung und Opposition nun einschlagen. Denn plötzlich sagt Präsident Salva Kiir, dass er die Regierung auflöse und am Freitag Oppositionsführer Riek Machar als ersten Vizepräsidenten einsetze. Und das nach ewigen Verhandlungen und vielen aufgeschobenen Fristen.

Gedauert hat es, weil die Diskussion lange gar nicht vorwärtskam. Viele Mitglieder der Regierung profitieren vom Chaos im Land. Je grösser das Durcheinander, desto einfacher ist es, sich zu bereichern. So hatte der Präsident gar kein Interesse, möglichst schnell eine Einheitsregierung zu bilden. Nun wird er zudem Minister entlassen müssen – und die könnten sich künftig gegen ihn stellen.

Opposition und Regierung noch immer verfeindet

Es hat aber auch lange gedauert, weil sich die Opposition in ihrer Opferrolle gefällt. Sie hat sich in Randregionen des Südsudans oder ins Ausland zurückgezogen. Von dort lässt sich die Regierung leicht kritisieren. Dort kann man auch eigene Rebellen aufrüsten – sollte es wieder zu Kämpfen kommen. Nun werden die Rebellen mit der Regierungsarmee zusammengeführt. Sie können besser kontrolliert werden. Sofern diese Fusion gelingt.

Gedauert hat es auch, weil die beiden Seiten eigentlich noch immer verfeindet sind. Präsident Kiir, von der Ethnie der Dinka, und Oppositionsführer Machar, ein Nuer, haben sich fünf Jahre lang bekriegt.

Und vor allem hatten sie schon mal eine Einheitsregierung zusammen. Das war 2011 bei der Gründung des Südsudans – sie hielt zwei Jahre. Ein zweites Mal regierten sie 2016 zusammen. Doch die Regierung fiel innert weniger Monate auseinander.

Mühsames Ringen um Posten

Bis am Samstag soll die gemeinsame Regierung stehen, so die Ankündigung. Doch viele Fragen bleiben: Wer übernimmt welche Ministerien? Zum Beispiel das Ölministerium, wo alles Geld herkommt. Oder: wer regiert die künftigen Gliedstaaten und wer sorgt für die Sicherheit des Vizepräsidenten? Bezüglich Armee muss ferner sichergestellt werden, dass sich die beiden Volksgruppen Dinka und Nuer nicht plötzlich in derselben Truppe bekämpfen.

Immerhin: Der Frieden hält und einen Krieg scheint sich derzeit niemand zu wünschen. Doch die Regierung wird die grassierende Korruption kaum sofort beenden. Denn es bleiben dieselben Männer an der Macht, bloss in etwas anderer Aufstellung.

Bis der Südsudan zu dem wird, was man sich bei der Gründung im Jahre 2011 erhofft hatte – nämlich ein blühender Staat mit Bodenschätzen und fruchtbarer Erde – wird es noch lange dauern.

Echo der Zeit, 20.2.2020, 18:00 Uhr, hosb

Samuel Burri

Samuel Burri

Afrika-Korrespondent

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Samuel Burri berichtet seit 2017 für SRF über das Geschehen in Afrika. Er lebt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Der studierte Historiker war vor seinem Engagement bei SRF als freier Journalist in Ghana und Westafrika tätig.

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