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Droht ein neuer Bürgerkrieg im Südsudan?
Aus Echo der Zeit vom 27.11.2019.
abspielen. Laufzeit 08:58 Minuten.
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Rebellen im Südsudan Bewaffnete Männer mit leeren Bäuchen

Der Friedensprozess im früheren Bürgerkriegsland stockt. Die Rebellen werden mangels Geld nicht in die Armee integriert.

Der Südsudan war noch nie so friedlich. Seit Juni 2018 schweigen die Waffen zwischen Regierungsarmee und den Rebellen der Opposition. Es ist der längste Waffenstillstand der Geschichte des Landes, das 2011 vom Sudan unabhängig geworden ist.

Nun sollten Armee und Rebellen zusammengelegt werden. Dafür haben sich viele Rebellen in Truppenlager zurückgezogen. Die Verhältnisse in den improvisierten Lagern sind schlecht, erzählt Rebelle Riek Kong in Tarnanzug und Flipflops: «Wir haben kaum Wasser und Essen. In der Regenzeit finden wir keinen trockenen Ort.»

Ein Kämpfer der Rebellen bewacht eine Hütte im Dorf Panyume. Seit Juni 2018 herrscht Waffenstillstand im Südsudan.
Legende: Ein Kämpfer der Rebellen bewacht eine Hütte im Dorf Panyume. Seit Juni 2018 herrscht Waffenstillstand im Südsudan. SRF/Samuel Burri

Truppenlager mit Dach aus Schilfgras

Die Lager der Rebellen sind simple Hüttendörfer. Kong hat sich seine Behausung selbst gebaut und mit Schilfgras bedeckt. Eine medizinische Versorgung existiert nicht. Zum Essen gibt’s bloss Maniok-Wurzeln. Doch das Friedensabkommen vom Juni 2018 verpflichtet die Rebellen, sich in Lagern aufzuhalten.

Rebellen in Panyume. Für die Zusammenlegung mit der Regierungsarmee sollen die Rebellen eine militärische Ausbildung erhalten. Doch die Regierung spricht dafür kaum Geld.
Legende: Rebellen in Panyume. Für die Zusammenlegung mit der Regierungsarmee sollen die Rebellen eine militärische Ausbildung erhalten. Doch die Regierung spricht dafür kaum Geld. SRF/Samuel Burri

Längst hätten die Rebellen eine Ausbildung erhalten sollen, um der künftigen gemeinsamen Streitkraft mit der Regierungsarmee beitreten zu können. Doch die versprochene finanzielle Unterstützung der Regierung, rund 100 Millionen Franken, ist bisher nicht gekommen.

Bildung von Einheitsregierung aufgeschoben

Bewaffnete Männer im Busch, mit leerem Magen, das ist eine explosive Mischung. Auch in Friedenszeiten überfallen Kämpfer im Südsudan Dörfer. Sie rauben und töten. Riek Kong erwidert: «Wir stehlen nichts! Kommen wir bei einem Haus vorbei, helfen uns die Leute freiwillig mit etwas Essen.»

Die gemeinsame Truppe von Regierungsarmee und Rebellen ist eine Voraussetzung für die Bildung einer Einheitsregierung. Laut Friedensabkommen müssten sich die Bürgerkriegsparteien zudem über die Zahl der regionalen Gliedstaaten des Südsudans einig werden. Oppositionsführer Riek Machar sollte aus seinem Hausarrest entlassen werden. Und in den Städten dürfen keine Soldaten mehr patrouillieren.

Generäle der Rebellen (SPLA-IO) treffen sich mit Vertretern der UNO-Mission im Südsudan zum Gespräch über Menschenrechte.
Legende: Generäle der Rebellen (SPLA-IO) treffen sich mit Vertretern der UNO-Mission im Südsudan zum Gespräch über Menschenrechte. SRF/Samuel Burri

Doch bisher ist wenig passiert. Die Frist zur Bildung einer Einheitsregierung wurde darum erneut aufgeschoben – auf den 22. Februar 2020. Nun müssten endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, fordern Organisationen wie die Afrikanische Union und die UNO.

Geld landet bei korrupten Politikern

Südsudans Präsident Salva Kiir versprach nach dem Aufschub erneut, das Geld für gemeinsame Truppen würde bald fliessen. Die Einnahmen des Landes kommen zu 98 Prozent aus der Förderung von Erdöl. Doch korrupte Politiker zweigen den Grossteil davon ab. Internationale Organisationen übernehmen die meisten Staatsaufgaben.

In der Hauptstadt Juba wird Präsident Salva Kiir (Mitte) im Armeehauptquartier empfangen.
Legende: In der Hauptstadt Juba wird Präsident Salva Kiir (Mitte) im Armeehauptquartier empfangen. SRF/Samuel Burri

Der Bürgerkrieg im Südsudan hatte seit 2013 rund 400'000 Tote gefordert und Millionen von Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. «Dieser Krieg war sinnlos, er wurde von machthungrigen Menschen über euch gebracht», sagte Präsident Kiir unlängst. Einer dieser Menschen ist der Präsident selbst, ein anderer ist Oppositionsführer Machar.

Die Soldaten der Regierungsarmee (SSPDF) sind ungleich besser ausgebildet als die Rebellen. Doch auch bei ihnen fehlt es an Essen und Medizin.
Legende: Die Soldaten der Regierungsarmee (SSPDF) sind ungleich besser ausgebildet als die Rebellen. Doch auch bei ihnen fehlt es an Essen und Medizin. SRF/Samuel Burri

Misstrauen zwischen Ethnien

Zweimal wurde die Einheitsregierung aufgeschoben. Die Rebellen der Opposition sind ungeduldig. Die Regierung bleibt untätig. Das Misstrauen zwischen den Ethnien ist gross. Der lokale Oppositionspolitiker David Christopher warnt: «Wer sich mehr als zweimal von derselben Schlange beissen lässt, ist selbst schuld!» Der Bürgerkrieg im Südsudan könnte rasch wieder aufflammen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Korrupte Politiker, Staatsaufgaben übernehmen internationale Organisationen, zweckentfremdete westliche Entwicklkngsgelder !
    Afrika muss sich selber helfen !
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ja, aber eben die UNO macht auch immer wieder den gleichen Fehler: schickt enorme Summen in Länder, direkt in die Hände korrupter Politiker und sie weiss es, trotzdem stoppt sie die Zahlungen nicht, weil ja die ärmsten davon betroffen wären. Obwohl die einzige Lösung wäre, kein Geld zu schicken, sondern Sachgüter. Wenn überhaupt. Riesige Berge Schulbücher und Tausende freiwillige Lehrkräfte. Das wäre die einzige Lösung.
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  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Wenn du als Lösung nur einen Hammer hast, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus (Autor dieses Zitates ist mir entfallen.) So ähnlich dürfte es bewafftneten Gruppen gehen. Wer kauft diesem korrupten Staat eigentlich Öl ab? Ein weiterer Grund sich aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstofen zu befreien.
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  • Kommentar von Yousef Delavar  (yousefdelavar)
    Über so was berichtet ihr aber nichts über den Iran ? Die Inhaftierten Demonstranten sollen nun öffentlich gefoltert werden. Mein Herz blutet. Ich denke der Iran wäre auch für die meisten Schweizer interessanter als der Sudan und die Welt muss wissen was dort läuft. Meine Frau in Teheran sagte heute, bei den nächsten Protesten geht sie dann, auch wenn sie erschossen wird. Die haben keine Hoffnung und die Weltpolitik schweigt wie auch die Medien. Ich frage mich wieso ?
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Es wurde bestimmt soviel über den Iran berichtet wie über den Südsudan!
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    2. Antwort von Mauro Gerber  (MGerber)
      "Über so was berichtet ihr". Ihr Kommentar ist sehr zynisch. Ich verstehe, dass Ihnen die Lage im Iran nahe geht, weil Sie da Familienangehörige haben. Aber hier geht es um den Südsudan. Die Menschen im Südsudan hungern, es werden Leute ermordet und ein erneuter Bürgerkrieg droht (seit 2013 400'000 Tote!). Auch die Lage im Iran ist schlimm, aber deshalb müssten Sie ja nicht so herabwürdigend über den Südsudan schreiben. Dieser Artikel schliesst ja einen Artikel über den Iran nicht aus.
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