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Engagement statt Hilflosigkeit Junge Menschen stehen ein für humanitäre Werte

Engagieren statt resignieren: Wie die Idee einer jungen Schweizerin Junge aus aller Welt zusammenbringt und inspiriert.

Der UNO-Palast in Genf wirkt am Wochenende verlassen und etwas trostlos: wie ein Mahnmal für die monumentale Finanzierungskrise, in der die UNO steckt. Gegenüber, am Hauptsitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), treffen sich junge Menschen aus aller Welt zum «Young Humanitarian Summit» (YHS). Die mehrheitlich Zwanzig- bis Dreissigjährigen setzen sich mit dem humanitären Völkerrecht auseinander und damit, wie sie humanitäre Werte leben können – in einer Zeit, in der diese besonders unter Druck sind.

Dass es dieses «Gipfeltreffen» gibt, ist ein paar Jungen in der Schweiz zu verdanken. Kay von Mérey (29) arbeitete nach ihrer Matura als Freiwillige beim Österreichischen Roten Kreuz und in einem Spital in Ecuador. Ihre Bachelor-Arbeit schrieb sie über die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, und arbeitete in Genf im Fundraising-Team des IKRK. Zusammen mit anderen Jungen gründete sie den Verein «Circle of Young Humanitarians» (CYH), der den jährlichen YHS organisiert – zum ersten Mal in Genf.

Nach Genf zu kommen, sei ein sehr bewusster Entscheid gewesen, sagt Kay von Mérey (29), Präsidentin und Co-Founder «Circle of Young Humanitarians». Gerade jetzt, wo Genf unter Beschuss sei: die Genfer Konventionen, die Institutionen, das ganze Ökosystem. «Wir wollen mit diesen Leuten zusammenstehen, die für etwas kämpfen, wofür wir auch kämpfen», sagt von Mérey.

Humanitäre Werte verteidigen

Der politisch neutrale Verein will jungen Menschen das Völkerrecht und humanitäre Werte näherbringen. Livia Gross (26), Projekt-Managerin YHS erklärt: «Damit die Leute verstehen, dass humanitäre Werte und die Genfer Konventionen immer noch relevant sind, und dass man das übersetzen kann in einen Alltag.» Man müsse nicht bei einer humanitären Organisation arbeiten, um diese Werte umzusetzen.

«Es geht beim ‹Circle of Young Humanitarians› auch darum, auf die Hilflosigkeit von jungen Menschen zu reagieren und ihnen das Gefühl geben, dass sie selbst einen Beitrag leisten können,» sagt von Mérey. Die endlosen Nachrichten über Kriege, Gewalt und Zerstörung lösten auch bei ihr manchmal Niedergeschlagenheit aus. Aber, man müsse sich aufraffen, sich engagieren.

«Generation Z nicht so schlecht wie ihr Ruf»

Den YHS, den von Mérey und ein Team von rund 70 Freiwilligen organisieren, trifft bei Jungen offensichtlich einen Nerv. Nach drei Tagen Diskussionen und Workshops mit internationalen Profis aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Militär, Politik und globale Geschäftswelt haben einige Teilnehmende konkrete Ideen: für ein Praktikum, Freiwilligenarbeit oder ein eigenes Projekt.

Einige kommen jedes Jahr wieder, wie Philipp Stettler (32), der Internationale Beziehungen studiert hat und zum vierten Mal am YHS teilnimmt. «Jedes Mal bin ich danach wieder beflügelt: Die Leute und ihre Geschichten motivieren mich, und dass sie nicht aufgeben.»

Die Italienerin Clara Sofina (29) hat mit dem European Solidarity Corps der EU einen Freiwilligeneinsatz in Kolumbien geleistet. Diese Treffen inspirierten sie und zeigten, dass ihre Generation nicht nur lethargisch am Handy hänge. «Man redet immer schlecht über die Gen Z: Aber wir haben einen starken Sinn für Gemeinschaft: und das nicht nur im Internet!»

Echo der Zeit, 4.4.2026, 18:00 Uhr

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