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Erdbeben in Venezuela «Wo ich wohne, sind ganze Hochhäuser eingestürzt»

Das Ausmass der Zerstörung in Venezuela wird immer deutlicher. Der US-Erdbebendienst spricht von den schlimmsten Beben seit über hundert Jahren im Land – mit möglicherweise Tausenden Toten. Anja Dargatz leitet das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Venezuela und lebt in Caracas. Sie schildert, wie sie selbst die Katastrophe erlebt – und was aus der Region rund um das Epizentrum bekannt ist.

Anja Dargatz

Friedrich-Ebert-Stiftung in Caracas

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Anja Dargatz ist die Leiterin des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Caracas. Sie hat Zeitgeschichte und Politikwissenschaft studiert.

SRF News: Können Sie uns die Situation in der Hauptstadt schildern?

Anja Dargatz: Gestern Abend empfand ich die Lage als sehr kontrolliert und besonnen. Zumindest angesichts dessen, was passiert ist. Die Menschen bemühten sich, nicht in Panik zu geraten und sich gegenseitig zu helfen. Geschäfte blieben offen und man konnte sich für die Nacht eindecken, wenn man nicht in sein Haus zurückkonnte.

Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr waren in Caracas unterwegs. Die Aufräumarbeiten begannen sofort. Angesichts dieser Katastrophe war die Situation weitestgehend unter Kontrolle.

Wie hat die Bevölkerung in Caracas die Nacht verbracht?

Die Betroffenheit hängt sehr davon ab, wo man in Caracas wohnt. Gestern war ein Feiertag und ich war im Westen der Hauptstadt unterwegs. Das Erdbeben war spürbar, es machte auch Angst und wir haben alle die Häuser verlassen. Dann war es aber auch vorbei. Es fühlte sich nicht schlimmer an als ein Erdbeben, das ich hier bereits im letzten Jahr erlebt habe.

Zwei Personen stehen auf einem eingestürzten Gebäude, umgeben von Trümmern.
Legende: Caracas liegt knapp 200 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Auch in der Hauptstadt haben die Erdstösse Häuser zum Einsturz gebracht. Keystone/EPA/EFE/Carlos Seijas

Als ich nach Hause gefahren bin, in ein anderes Viertel der Stadt, war die Betroffenheit wesentlich grösser. Wo ich wohne, sind ganze Hochhäuser eingestürzt und die Schäden sind an allen Häusern sichtbar.

Menschen sind plötzlich wie Dominosteine umgefallen. Als hätte man ihnen einen Teppich unter den Füssen weggezogen.

Wie kommen die Rettungsarbeiten voran?

Dafür, dass es um die soziale und institutionelle Ausstattung des Landes nicht zum Besten bestellt ist, liefen sie in Caracas gut an. Das ist zumindest mein Eindruck, nur auf die Hauptstadt bezogen. Als ich nach Hause kam, waren die Strassen bereits abgeriegelt und eine Vielzahl an Rettungskräften war vor Ort. Die Menschen selber halfen mit, Strassen abzusperren, damit Krankenwägen ungehindert vorankommen konnten.

Die Hauptstadt Caracas ist etwas weiter vom Epizentrum entfernt. Was wissen Sie über die Lage in den Gebieten direkt um das Epizentrum?

Die Küstenregion La Guaira ist sehr stark betroffen. Da am Mittwoch ein Feiertag war, sind viele Menschen an den Strand gefahren. Auch Kollegen von mir waren in der Region und haben mir erzählt, wie die Menschen plötzlich wie Dominosteine umgefallen sind. Als hätte man ihnen einen Teppich unter den Füssen weggezogen. Häuser sind reihenweise in sich zusammengefallen – ein Zwinkern und sie waren weg.

Ein Pickup-Truck, der in einem grossen Strassenspalte feststeckt, mit Menschen in der Nähe.
Legende: In La Guaira rissen die Erdbeben der Stärke der 7.2 und 7.5 auch Strassen auf. Keystone/AP/Javier Campos

Es ging alles unheimlich schnell, es gab auch Risse im Sand an den Stränden. Die Menschen sind zu den Bussen gerannt, wollten nur noch weg, haben andere gesucht. Die Unruhe und das Chaos waren dort wesentlich grösser als in der Hauptstadt Caracas.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Echo der Zeit, 26.06.2026, 18 Uhr ; 

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