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Eskalation am Roten Meer Der Krieg der Narrative um den Jemen

Die Saudis erzwingen den Abzug der Emirate. Ein Zwist unter Golfmonarchien, der über den Jemen hinausgehen und den Huthi-Milizen im Norden des Landes in die Hände spielen könnte.

Wer hat angefangen, mit welchen Absichten – und warum kam es gerade jetzt zum Konflikt im Süden Jemens? Die Sichtweisen gehen auseinander.

Fakt ist: Im Dezember hat der militärische Flügel der STC, einer sezessionistischen Organisation, einen Vormarsch gestartet in Gebiete, die an Saudi-Arabien und Oman grenzen. Kurz darauf erklärte die Führung der STC die Unabhängigkeit Südjemens.

Dies empfand Saudi-Arabien als Gefahr für die eigene Sicherheit, und zwang mit Luftschlägen die Kämpfer zurück, welche von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wurden. Doch die Begründungen, warum die STC vorpreschte, gehen auseinander.

Die Rolle der USA und Israels

«Die treibende Kraft hinter dem Vormarsch waren die Emirate», sagt Abdul-Ghani al-Iryani vom jemenitischen Sanaa Center for Strategic Studies. Die Emirate forderten die saudische Vormachtstellung am Golf heraus. Dies auf Druck der USA, so al-Iryani.

Washington wolle über den Konflikt Saudi-Arabien zwingen, die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Ein erklärtes Ziel der Trump-Regierung.

Der saudische Kronprinz bin Salman im November im Oval Office, gemeinsam mit US-Präsident Trump.
Legende: Riad stellt bis anhin die Bedingung, dass die USA und Israel den Palästinensern Zugeständnisse für einen eigenen Staat machen. Getty Images/Win McNamee

Tatsächlich stellte die STC-Führung in Aussicht, dass ein abgespaltener Südjemen die Beziehungen mit Israel normalisieren würde. So wie dies jüngst auch die Führung des abtrünnigen Somaliland am Horn von Afrika getan hat, nachdem sie von Israel als einzigem Staat anerkannt wurde.

Die Gebiete von Somaliland und Südjemen grenzen an die Meerenge von Aden. Die USA und Israel beabsichtigten damit, den Handel über das Rote Meer und damit auch über den wichtigen Suezkanal zu kontrollieren.

Druck von innen und von aussen

Yasmine Farouk, Spezialistin für die Golfstaaten bei der Denkfabrik International Crisis Group, bezweifelt, dass die USA im Zentrum des Konfliktes stehen. Die USA, Israel und die Emirate teilten zwar Interessen in der Region – doch hätten auch innerjemenitische Faktoren eine Rolle gespielt.

Saudi-Arabien führte jüngst Gespräche mit den Huthi über eine mögliche Waffenruhe im Bürgerkrieg. Diese Gespräche hätten aber die Forderungen der STC nach einer Aufteilung des Landes zu wenig berücksichtigt.

Mann mit Fahne des Südjemens, an einer Demonstration in Aden (25. Dezember 2025).
Legende: Der Bürgerkrieg im Jemen dauert seit 2014 an. Bild: Demonstrant mit Fahne des Südjemens, an einer Kundgebung in der Hafenstadt Aden (25. Dezember 2025). Keystone/EPA/Najeeb Mohame

Um einem solchen für die STC unvorteilhaften Abkommen vorzugreifen, gingen die Separatisten in die Offensive. So die Sichtweise der Emirate. Farouk geht davon aus, dass der Druck sowohl von aussen wie auch von innen komme – also von den Emiraten und von der STC.

Die STC hat mit ihrem Vormarsch strategischen Selbstmord begangen.
Autor: Abdul-Ghani al-Iryani Sanaa Center for Strategic Studies

Was bedeutet das nun für Jemen? Den Vormarsch der STC hat Saudi-Arabien hart niedergeschlagen. Ihre Kämpfer haben sich zurückgezogen und entwaffnen lassen. Eine klare Niederlage der Separatisten, sagt Jemen-Kenner al-Iryani: «Die STC hat mit ihrem Vormarsch strategischen Selbstmord begangen.»

Denn die Emirate als deren grösste Unterstützer mussten sich nun vollends aus dem Jemen zurückziehen. Sehr zum Wohlwollen der Huthi im Norden des Landes, die die Kämpfe ihrer Gegner bestimmt mit Genugtuung beobachtet hätten.

Die Huthis als lachende Dritte?

Doch schade die Fragmentierung der Anti-Huthi-Koalition nicht nur den Separatisten und den Emiraten, die nun an Einfluss im Süden Jemens verloren hätten, sondern auch den Saudis, gibt Farouk zu bedenken. «Denn je mehr sich die Anti-Huthi-Koalition selbst bekämpft, desto stärker können die vom Iran unterstützten Huthi auftreten.»

Die Miliz könnte im Machtkampf zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien als der lachende Dritte hervorgehen.

Echo der Zeit, 13.01.2026, 18 Uhr

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