Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Mehr Investitionen der EU in Afrika abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.12.2018.
Inhalt

Europa/Afrika-Gipfel in Wien «Wir sprechen mit Afrika über weit mehr als nur Migration»

Am EU-Afrika-Forum wurden mehr Investitionen europäischer Firmen in Afrika gefordert – auch um den Nachbarkontinent nicht alleine China zu überlassen. Afrika-Expertin Evita Schmieg sieht die Beziehungen zu Afrika als Chance.

Evita Schmieg

Evita Schmieg

Afrika-Expertin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Evita Schmieg ist Afrika-Expertin an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Sie forscht unter anderem auf der Gebiet der Aussenwirtschaftspolitik der EU und hat kürzlich eine Publikation zu europäischen Investitionen in Afrika veröffentlicht.

SRF News: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezeichnete Europa und Afrika heute als Schicksalsgemeinschaft. Wie meint er das?

Evita Schmieg: Die politische und wirtschaftliche Zukunft von Afrika und Europa ist eng verbunden. Wenn wir globale Probleme wie den Klimawandel, die Sicherheit oder den Terrorismus angehen wollen, dann brauchen wir dazu auch unseren Nachbarkontinent Afrika. Denn wir sprechen mit Afrika über weit mehr als nur Migration.

Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 etwa verdoppeln.

Europa strebt mehr Investitionen in Afrika an. Mit welchem Ziel?

Europa hat ein Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung in Afrika. Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 etwa verdoppeln. Für Afrika selbst sind private Investitionen, auch aus dem Ausland, enorm wichtig, um Arbeitsplätze zu schaffen. So kann sich die Wirtschaft Afrikas in den kommenden Jahrzehnten rasant entwickeln. Damit und wegen der schnell wachsenden Mittelschicht, wird Afrika auch als Absatzmarkt für deutsche und europäische Firmen interessant. Das Interesse ist also gegenseitig.

Weshalb sind denn diese so wichtigen Investitionen bisher ausgeblieben?

Hierzu muss ich sagen, dass Europa in Afrika punkto Investitionsbestände noch immer am stärksten engagiert ist. Richtig ist aber, dass China bei den Neuinvestitionen in den letzten Jahren sowohl Europa als auch die USA abgehängt hat. Einer der Gründe hierfür ist, dass in Ländern wie Deutschland vor allem kleine und mittelgrosse Unternehmen agieren. Für diese sind Investitionen in Afrika oftmals zu riskant.

Für kleine und mittelgrosse Unternehmen sind Investitionen in Afrika oftmals zu riskant.

Damit sich das ändert, braucht es Rechtssicherheit, politische Stabilität und auch mehr staatliche Investitionen in die Infrastruktur. Der Europäische Investitionsfonds und der «G20 Compact with Africa» arbeiten an diesen Voraussetzungen für mehr Investitionen von privater Seite.

Weshalb hat China denn so viel in Afrika investiert?

Heute vor 40 Jahren hat China beschlossen, die Wirtschaft nach aussen zu öffnen. Jetzt will China die entstandenen Handelsüberschüsse aus dem Aussenhandel anlegen – das passiert mitunter in Afrika. Teilweise kann man sich aber fragen, ob der Nutzen dieser Investitionen gegenseitig ist. Ein Beispiel: Oftmals müssen afrikanische Staaten im Rahmen solcher Investitionsverträge die notwendigen Lieferungen aus China importieren.

Hat es ein chinesischer Staatsbetrieb leichter als eine private europäische Firma?

Das ist anzunehmen. Ursprünglich ging es China in Afrika vor allem um Rohstoffe. Heute geht es mehr um den Aussenhandel und um Infrastrukturprojekte für die Realisierung der neuen Seidenstrasse. China kann seine Investitionen in Afrika an politischen Interessen ausrichten und strategisch einsetzen. In Europa hingegen agiert die Wirtschaft privat. Länder können deshalb bestenfalls Anreize für Firmen setzen, um in Afrika zu investieren.

Das Gespräch führte Marco Schnurrenberger

Der EU-Afrika-Gipfel in Wien

Seit Dienstag findet in Wien das zweitägige EU-Afrika-Forum in Wien statt. Spitzenpolitiker aus 20 Ländern sind vertreten. Aber auch die Chefs vieler grosser Firmen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    China ist wohl der grösste Treiber weshalb sich die EU stärker einbringen will. Das wird hier etwas gar fest ausgeblendet. Fakt ist, das keine Bank der westlichen Welt ein Kredit für Investitionen in Afrika gewährt. China springt hier ein und sichert sich Infrastruktur und Abhängigkeit auf Jahrzehnte. Das Projekt "Seidenstrasse" ist im Begriff Europa zu überrollen. Das Problem: Mit China will es sich niemand verscherzen. Das ist auch ein Grund weshalb CHN in den letzten 20J so wachsen konnte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Mehr Investitionen der EU in Afrika ist sicher ein hehres Ziel. Nur braucht es dazu eine solide korruptionsfreie Partnerschaft. In Afrika sind wir heute noch in allen Bereichen meilenweit davon entfernt. Nimmt man das Beispiel Entwicklunghilfe. Der Grossteil dieser Gelder wird von korrupten Regierungen und zu deren persönlichen Bereicherungen verwendet. Investitionen im eigenen Land werden kaum realisiert. Die Vorgehensweise der Chinesen könnte vielleicht trotzallem ein Lehre sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Danny Kinda (Kinda)
      Das Geld kommt den Afrikanischen Staaten wie gerufen denn damit zahlen sie die Chinesischen Investitionen zurück. Gelingt das den Staaten nicht, kommen Knebelverträge zum Zug indenen sich die Chinesen alle Rechte für knapp 100 Jahre sichern —wie geschehen in Sri Lanka. Arbeiten tun dann nicht etwa Einheimische sondern Chinesen die man dazu extra holt. Von den Afrikanern hat so niemand was aber China dafür alles.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Baumann (pierrotlunaire)
    Es lohnt sich zum Thema das Buch von Tidiane N‘Diaye „le jaune et le noir“ zu lesen. Der Autor schafft einen Überblick (historisch und aktuell), wie sich China in Afrika breit macht(e). Mal ein Blick über das europazentrische Kolonialschuldmantra hinaus, der sich mit den aktuellen Ereignissen abgibt. Es gibt schon längst afrikanische Intellektuelle, welche die Selbstverantwortung der Afrikaner für ihre Entwicklung einfordern. Eine Bevölkerungspolitik wäre ein dringend nötiger Anfang.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen