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Tausende illegale Altenheime in Portugal
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.06.2021.
abspielen. Laufzeit 07:44 Minuten.
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Fehlende Genehmigungen Portugal kämpft gegen illegale Altenheime

Die illegalen Heime sind für die Behörden in Portugal seit Jahren ein Ärgernis. Die Pandemie hat die Situation verschärft.

Alte Hotels, Gastarbeitervillen, unscheinbare Häuser: Viele Seniorinnen und Senioren in Portugal finden in diesen Gebäuden ihr Zuhause. Die Problematik liegt dabei, dass es sich um illegale Bleiben, um illegale Altenheime handelt.

Illegal sind die Heime, weil sie die Auflagen nicht erfüllen, beispielsweise die Anmeldung bei der Gesundheits- und Sozialbehörde oder die Anstellung von ausgebildetem Personal, und nicht legalisiert wurden. In Portugal gibt es etwa 3500 dieser Heime. Portugal kämpft, wie die meisten Länder in Europa, mit der Überalterung der Bevölkerung.

Günstigere Option

Die Regierung habe nicht für ein genug grosses Angebot an Altenheimen gesorgt, sagt Jochen Faget, freier Journalist in Portugal. «Die Renten im Land sind niedrig, die staatlichen Altenheime sind sehr teuer.» Die nicht legalisierten Heime haben die Marktlücke genutzt.

Sie schaffen das Angebot und sind dazu günstiger: «In einem illegalen Altenheim müssen Sie wahrscheinlich nur die Hälfte des Geldes bezahlen, das Sie in einem staatlichen oder in einem offiziellen Altersheim bezahlen müssten.»

Es werden zumindest soziale Kontakte weiter hergestellt.
Autor: Jochen FagetFreier Journalist, Portugal

Ein weiterer Vorteil ist laut Faget der soziale Aspekt. Die Menschen in Portugal ziehen vermehrt in die Grossstädte Lissabon und Porto, die illegalen Altenheime lägen etwa in einem 100-km-Radius um diese Städte. Die Familien können die Senioren also eher besuchen.

Zudem sitzen sie «nicht allein und verlassen in einem Dorf, hunderte von Kilometern entfernt, sondern es werden zumindest soziale Kontakte weiter hergestellt». Auch würden manche Betreiber die Altenheime durchaus ernst nehmen, anständige Pflegekräfte anstellen und sich um die Leute kümmern, so Faget.

Fast 1000 Heime entdeckt

Trotzdem sind diese Heime illegal und die Behörden wurden darauf aufmerksam, vermehrt vergangenes Jahr während der ersten Corona-Welle. Die Bewohnerinnen benötigten zum Teil Intensivpflege und es kam auch vermehrt zu Todesfällen in den illegalen Heimen.

Die Behörden hätten die Senioren dann in Krankenhäuser gebracht und dort gepflegt. Das sei Anlass gewesen, intensiv nach diesen illegalen Altenheimen zu suchen. Und sie hätten seit 2020 fast 1000 dieser illegalen Heime entdeckt. «131 davon wurden geschlossen oder erhielten zumindest Order zu schliessen», weiss der Journalist.

Fehlende Lobby, strenge Kriterien

Mittlerweile hätten auch zaghafte Diskussionen um eine mögliche Legalisierung der Heime begonnen. Probleme stellen dabei laut Faget die fehlende Lobby und die doch recht strengen Kriterien dar – Grösse der Zimmer, Behindertenzugänglichkeit, ärztliche Betreuung, gutes Pflegepersonal. Das sei mit zu hohen Kosten für die Betreibenden verbunden.

Faget rechnet mit einem Kompromiss, «dass die Vorschriften vielleicht ein bisschen zurückfahren werden» und so halbwegs akzeptable Heime mit geringerem Finanzaufwand in den Zustand der Legalität versetzt werden könnten.

Es ist zu befürchten, dass irgendwann die Diskussion verstummt und es weitergehen wird mit den illegalen Altenheimen in Portugal.
Autor: Jochen FagetFreier Journalist, Portugal

Das Problem der Überalterung wäre damit aber nicht gelöst und die portugiesische Regierung unternimmt laut dem Journalisten nicht viel dagegen. Die Regierung sage, sie habe nicht viel Geld, aber sie investiere auch nicht sehr viel im Sozialbereich.

Jochen Faget sieht keine befriedigende Lösung: «Es ist zu befürchten, dass irgendwann, wenn Corona abklingt, auch die Diskussion verstummt und dass es weitergehen wird mit den illegalen Altenheimen in Portugal.»

SRF 4 News, 03.06.2021, 06:21 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von lena hubschmid  (lena)
    Liebes SRF:
    Diese Ueberschrift ist SEHR DISKRIMINIEREND!
    Ein Kampf gegen die Vergreisung !
    Da muss man /frau sich gendermässig korrekt ausdrücken, aber gegen "die Vergreisung" wird gekämpft!
    Bitte entschuldigt euch bei den Alten und ändert die Ueberschrift.
    PS: ich bin noch kein Greis.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Greis ist kein Schimpfwort sondern die Umschreibung eines sehr alten Menschen.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Pflege der Alten war bis vor einem Jahrzehnt im Familienleben fest verankert. In den Ost- wie Südländern war es Tradition, dass die Grossis zur Familie ziehen und 3. Generationen unter einem Dach lebten. War dieses Dach noch so klein. Viele Omas hatten in der Küche ein Gästebett im soz.realen 2-3Zi.-Wohnblock. Nun ist Portugal ein Auswanderungsland geworden, viele Alten im Lande sind allein geblieben, da Kinder im Ausland. Da nützen unsinnige Auflagen um Zimmergrösse herzlich wenig.
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Wissen Sie wie gross die Zimmer sind? Vielleicht ist die Auflage, dass ein Zimmer mindestens so gross ist, dass man um das Bett herumgehen und ev. Gar einen Rollstuhl hinstellen kann, doch nicht so schlecht.
      Natürlich war es früher vielleicht weniger wichtig. Aber eben, auch Portugal ist Teil der EU und es ist 2021.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Und die EU-Mitgliedschaft muss zwangsweise Veränderungen mitbringen, wie z.B. wie viel m2 eine alte und gebrechliche Person braucht? Lächerlich. "weniger" ist in diesem Fall auch mehr, denn die Alten waren inmitten des sozialen Lebens, und wenn es auch ein vernünftiges Message in diesem Artikel gibt, dann genau das: die Alten wieder als Teil der Familie betrachten, mit ihnen Zeit verbringen. Das wäre schön.
    3. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Nun, Frau Fitzi, EU hin oder her, das Modell der alten Zeit funktioniert im Zeitalter der zunehmenden Kinderlosigkeit oder Einkind-Politik, kombiniert mit Verstädterung nicht mehr.
      Da kann man die alten Zeiten (die überhaupt selten gut oder besser war) noch so gern herbeiwünschen.
      Oder gehören Sie zu denen, die hier selbst gerne das moderne Leben geniessen und dafür die Südstaaten im frühen 19. Jahrhundert belassen möchten?
    4. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Nein, Herr Müller. Ich gehöre zu denen, die die Situation in diesen Ländern kennen, weil ich von einem dieser Länder in Osteuropa aufgewachsen bin und dieses System täglich gelebt habe. Genau zu diesen Leuten gehöre ich, die hier ganz genau wissen, worüber sie schreiben. Und die immer noch Verwandte, Freunde und Bekannte hat, die in solchen "illegalen" Heimen bzw. mit der Familie in Mehrfamilienhäusern leben. Auf welcher Grundlage diskutieren Sie hiermit, Herr Müller?
    5. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Fitzi: sie sind in einem dieser Länder aufgewachsen.
  • Kommentar von Jürg Weibel  (JJW)
    Was für ein unsinniger Titel, was für ein unsinniger Text.