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Studie zu Massenveranstaltungen
Aus Tagesschau vom 27.04.2021.
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Pilotversuch in Barcelona 5000 Menschen, keine Ansteckung – BAG an Ergebnissen interessiert

  • In Barcelona haben vor einem Monat 5000 Menschen ohne Abstand, aber mit negativem Corona-Schnelltest und FFP2-Masken gemeinsam ein Konzert verfolgt.
  • Bei der Studie sollte herausgefunden werden, wie in Zukunft wieder gefeiert werden kann.
  • Es sei jedoch schwierig, die positiven Ergebnisse der Studie auf die Realität zu übertragen, sagt die SRF-Wissenschaftsredaktorin.

Es ist eine mögliche Revolution für die Event-Branche in Zeiten der Pandemie.
Bei einem Konzert der Rockband «Love of Lesbian» vor einem Monat in Barcelona haben Forscher das Corona-Ansteckungsrisiko bei Grossveranstaltungen in Hallen analysiert. Bei keinem der rund 5000 Besucherinnen und Besucher liegt einen Monat später ein klares Anzeichen einer Neuansteckung vor.

Besonders leistungsfähige Lüftung

Zwar wurden sechs Personen positiv auf das Virus getestet. Aber dies hat laut Studienleiter nichts mit dem Konzert zu tun.«Alle kamen in Begleitung. Keiner der sechs gemeldeten Fälle wurde von der Begleitperson infiziert. Das deutet darauf hin, dass die Personen sich nicht am Konzert angesteckt haben», sagt Josep Maria Libre.

Im Nachgang ergänzten die Behörden, dass in vier der sechs gemeldeten Fälle klar nachgewiesen worden sei, dass die Ansteckung nicht während der Veranstaltung erfolgt sei, hiess es. Bei zwei Betroffenen habe man Ort und Zeitpunkt der Infektion nicht zweifelsfrei ermitteln können.

Das Konzert fand unter strengsten Corona-Massnahmen statt. Getestet wurde vor dem Konzert. Das Resultat gab es aufs Handy und als Zusatzmassnahme wurde eine besonders leistungsfähige Lüftungsanlage installiert. Der Abend war nach über einem Jahr Konzert-Abstinenz für die Fans Balsam auf die Musik-Seele. «Es war fantastisch, es hat mich tief berührt», sagte eine Frau. «Unglaublich. Als ob es Covid nicht gäbe», staunte ein Mann.

Schweiz ist interessiert

Auch in anderen Ländern wird das Feiern unter der Ägide der Wissenschaft getestet. Zum Beispiel bei einem Projekt vergangenem Monat in den Niederlanden. 1300 Personen tanzten unter Labor-Bedingungen. Ein grossangelegtes wissenschaftliches Experiment mehrerer Universitäten. Diese Daten werden noch immer ausgewertet.

Auch in der Schweiz verfolgt man diese Pilotversuche gespannt. Das positive Resultat aus Spanien findet Gehör in Bundesbern. «Solche Pilot-Veranstaltungen verfolgen wir mit grossem Interesse. Der Bund überlegt sich auch, künftig solche Grossveranstaltungen als Pilotanlässe durchzuführen», sagte Virginie Masserey vom BAG bei der gestrigen Pressekonferenz. Plötzlich rückt also der Konzertsommer in den Bereich des Möglichen.

Es gibt ja noch den Faktor Mensch.
Autor: Katrin ZöfelWissenschaftsredaktorin SRF

SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel gibt zu bedenken, dass Ergebnisse aus einer solchen Studie sich nicht immer mit realen Bedingungen deckten. «Es gibt ja noch den Faktor Mensch», sagt sie. In Barcelona hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewusst, worum es ging. «Viele waren vermutlich sehr motiviert, sich möglichst gut zu verhalten. Viele, die das Konzert besuchten, wollten ja, dass es bald wieder Konzerte gibt», sagt Zöfel.

Ein Restrisiko bleibt

Die grosse Frage sei aber: Wie überträgt man etwas, das in der Studie klappt – für die notabene viel Aufwand betrieben wurde – auf den Alltag, wo im Publikum vielleicht nicht mehr alle dasselbe Ziel verfolgen?

Aus wissenschaftlicher Sicht sei jetzt klar, mit welchen Mitteln man das Risiko an solchen Grossveranstaltungen senken könne. Doch: «Ein Nullrisiko gibt es nicht», sagt Zöfel. Weitere Öffnungen könnten immer zu Neuansteckungen führen.

Tagesschau, 27.04.2021, 19:30 Uhr;

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    Man hätte sofort vor einem Jahr „Massnahmefreie“ Situationen schaffen sollen und sie begleitend untersuchen: ein Dorf, eine Insel, ein Konzert etc.
    Aber Panik hat uns dazu geführt, vor dem Virus davonzurennen und uns alle möglichen Szenarien einzubilden die Realitätsfern waren und sind.
    Aus zeitlichem Abstand werden wir das erkennen und uns ein bisschen schämen für die kollektive Fehleinschätzung.
    1. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Die von Ihnen beschrieben "Panik" ist normales menschliches Verhalten um die grösst mögliche Sicherheit für alle zu schaffen. Bevor man nicht sicher ist wie stark oder gefährlich ein Virus ist, geht man lieber mal auf Nummer sicher und schützt die Leute in dem Sie die Übertragungen stoppen, macht Sinn, oder?
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Bei (je nach Studie) 5-15% der positiv getesteten Kinder und Jugendlichen mit LongCovid in Grossbritannien und Schweden hoffe ich einfach sehr, dass die Fehleinschätzung nicht in die falsche Richtung geht. Sonst kommt da denn noch ein Riesenproblem auf die nächste Generation zu.
    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Das was Hr. Schmid als kollektive Fehleinschätzung bezeichnet wird allgemein GMV genannt. (Gesunder Menschen Verstand).
  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    "Ein Restrisiko bleibt". Ups, beinahe wie im richtigen Leben. Ich gehe auch ein Risiko ein, wenn ich die Strasse quere.
    1. Antwort von Rolf Huber  (RolfHuber)
      Ungeheuerlich, dass einem ein Restrisiko zugemutet wird.
    2. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Wie und wann Sie die Strasse überqueren ist aber Ihnen überlassen. Sich von einer Virusinfektionskrankheit im Alltag anstecken zu lassen, ist nicht Ihre eigenen Entscheidung und können Sie in kaum einem Fall (ausser mit hygienischen Mitteln) beeinflussen. Vielen Dank aber für einen solch unvergleichbaren Vergleich.
  • Kommentar von daniel luder  (daniel2seeluft)
    @SRF: 2 Wochen nach dem Konzert wurde bei allen ein PCR Test durchgeführt, der Veranstaltungsort ist eigentlich für 24 000 Personen zugelassen. Bitte in Zukunft auch solche Informationen liefern, damit sich auch Diejenigen eine Meinung bilden können, die nicht schon vor dem lesen des Textes Ihre Meinung gebildet haben.