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Präsidentschaftswahlen USA 2020 – Swing State Florida
Aus 10vor10 vom 02.07.2020.
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Florida vor den Wahlen Trump schwächelt im Staat, der Präsidenten macht

Wer Florida gewinnt, gewinnt oft die Präsidentschaft. Auf Pulsfühlung zwischen Orlando und Tampa.

Es ist nicht weiter erstaunlich, dass im Autoland USA eine Autobahn einer politisch wichtigen Region den Namen gibt: dem Interstate-4-Korridor zum Beispiel. Die I-4 verbindet in der Mitte Floridas die beiden Küsten. Und wer rund 40 Kilometer rechts oder links dieser Strasse wohnt, hat politisch Einfluss. Denn hier werden Präsidenten gekürt. Es ist eine Region mit besonders vielen Wechselwählern in einem der wichtigsten und hart umkämpftesten Bundesstaaten.

Kandidaten, die hier gewinnen, gewinnen oft Florida, und wer Florida gewinnt, landet oft im Weissen Haus. Zweimal wählte der Sunshine State den Republikaner George W. Bush, zweimal den Demokraten Barack Obama und 2016 den Republikaner Donald Trump. Dieser liegt hier in den Umfragen im Moment ziemlich klar hinter Joe Biden, dem designierten Kandidaten der Demokraten.

Trump: Unterstützung seiner Anhänger scheint solid

Weil wir hinter die nackten Zahlen der Umfragen blicken wollten, haben wir im Korridor der I-4 mit vielen Leuten gesprochen. Mit Randy Ross zum Beispiel, dem ehemaligen Chef der Trump-Wahlkampagne aus der Stadt Orlando. Sein bunter Pick-up-Truck, ganz überzogen mit Aufklebern «Trump 2020», fällt sofort auf.

Randy Ross
Legende: Rand Ross ist grosser Fan von Trump: sein Auto ist mit grossen Trump-Stickern beklebt, seinen Hund hat er Trumpy getauft. SRF

Dass er seinen Hund Trumpy getauft hat, beweist grosse Loyalität. Und auch seine Kollegen, die wir mit ihm an der Talkshow eines konservativen Radiosenders kennenlernen, bringen uns zu diesem Schluss. Keine Krise ist zu gross, keine Corona-Infektionszahl zu hoch und keine Unwahrheit zu falsch, um die Unterstützung für Trump zu überdenken.

Sein Erfolg mit der Wirtschaft, sein Erfolg, Amerika militärisch stark zu machen und die Sicherung der Grenzen. Donald Trump macht die USA zur Nummer 1.
Autor: Chris HartRadiomoderator
Radiomoderator Chris Hart.
Legende: Radiomoderator Chris Hart glaubt, Trump gewinne Florida «big». SRF

Corona-Todesopfer seien tragisch, doch das Land müsse baldmöglichst zurück zur Normalität. Und Chris Hart, der Moderator der Radiosendung liefert seinen Hörern Argumente für den Präsidenten: «Sein Erfolg mit der Wirtschaft, sein Erfolg, Amerika militärisch stark zu machen und die Sicherung der Grenzen. Donald Trump macht die USA zur Nummer 1. Die Leute sehen diese Resultate.» Sein Tipp: Trump wird Florida «big» gewinnen.

Wechselwähler sind sehr kritisch gegenüber Trump

«Wenn ich Trump noch einmal wählen würde, dann nur wegen der Inhalte, nicht wegen seiner Persönlichkeit.» Das sagt der 39-jährige Andrew Dorsey aus der Stadt Lakeland. Er beschreibt sich als christlich konservativ und mag gar nicht, wie Trump Menschen behandelt.

Andrew Dorsey
Legende: Andrew Dorsey hat 2016 für Trump gewählt, dieses Mal tendiert er zu Joe Biden. SRF

Deshalb tendiert er im Moment zu Joe Biden. Er sagt, die Republikaner hätten keine Lösung, um die exorbitant hohen Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Und wie viele Wechselwähler stört es Dorsey, dass Präsident Trump in Zeiten der Krise wenig Verantwortung übernehme, wenig Leadership und Empathie zeige. Und dass er das Land in der Black-Lives-Matter Krise spalte statt zu einen.

Joe Biden kann sich mit Menschen verschiedenster Herkunft identifizieren, er kann auch bei Christen punkten, versteht die Waffenliebhaber und er hat die Fähigkeit viele Moderatere zu überzeugen.
Autor: Andrew Dorsey

Hier glaubt er, könne Biden punkten. «Joe Biden kann sich mit Menschen verschiedenster Herkunft identifizieren, er kann auch bei Christen punkten, versteht die Waffenliebhaber und er hat die Fähigkeit viele Moderatere zu überzeugen.» Sein Tipp: Alles ist möglich.

Nicht alle Linken wählen Biden

Es war bei den Wahlen 2016 ein Handicap für Hillary Clinton: die Tatsache, dass sie nach dem Vorwahlkampf gegen Bernie Sanders, dessen Anhänger nicht besser ins Boot holen konnte. Viele Sanders-Anhänger wählten entweder die Aussenseiterin der Grünen oder gar nicht und einige gar Donald Trump. Dieser Gefahr schient sich Joe Biden bewusst, er versucht konsequent die Reihen zu schliessen.

Lori Bessette
Legende: Obwohl Lori Bessette skeptisch gegenüber Joe Biden ist, denkt sie, er habe gute Chancen, Florida zu gewinnen. SRF

Doch Progressive wie Lori Bessette aus einem Vorort von Tampa, die Bernie Sanders unterstützten, sind von Biden nicht zu überzeugen. Er sei einfach kein Präsident, habe viele Schwächen man könne ihm nicht trauen sagt sie. Zudem glaubt sie nicht, dass er wirklich grosse Veränderungen bringe bei Themen, die ihr wichtig sind, wie etwa Klimawandel oder Mindestlohn.

Ein Teil von mir möchte, dass Florida wieder demokratisch wählt, ein anderer Teil denkt aber, dass sich mit Biden gar nicht viel verändern würde.
Autor: Lori Bessette

«Ein Teil von mir möchte, dass Florida wieder demokratisch wählt, ein anderer Teil denkt aber, dass sich mit Biden gar nicht viel verändern würde für die Menschen, und so denken hier wohl viele andere auch», sagt sie. Ihr Tipp: Joe Biden hat sehr gute Chance, Florida zu gewinnen.

Sommer-Umfragen machen noch keinen Präsidenten

Es ist eine Floskel, aber es dauert noch lange bis zur Wahl am 3. November. Niemand weiss, wo das Land dann stehen wird, ob die Krise einigermassen überstanden ist oder noch voll wütet. Trump mit grossem Rückstand, das hatten wir, wenn auch in anderer Konstellation, 2016 schon einmal. Und für die historisch Interessierten: 1988 lag der demokratische Kandidat Michael Dukakis im Juli 17 Prozent vor George Bush, um dann im November zu verlieren.

Dazu kommt: Joe Biden muss sich erst noch beweisen in einem Wahlkampf, der bis jetzt kaum stattgefunden hat. Er scheint im Moment von Donald Trumps Unbeliebtheit und dem Wunsch nach einem Wechsel mehr zu profitieren als von der Stärke, welche die Wähler in ihm sehen. Und von einer grossen Begeisterung für Uncle Joe ist wenig zu spüren.

Sommer-Umfragen machen noch keinen November-Präsidenten oder: es wäre falsch Donald Trump jetzt abzuschreiben.

Peter Düggeli

Peter Düggeli

USA-Korrespondent, SRF

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SRF-Korrespondent Peter Düggeli arbeitet seit Sommer 2015 in Washington. Er ist seit 2010 bei SRF. Düggeli studierte an der Universität Freiburg Geschichte und Englisch und schloss sein Studium 1999 mit einem Lizenziat ab.

10vor10, 02.07.2020, 21:50 Uhr; fulu

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Marti Müller  (Co2=Leben)
    Man sieht wieder gut in diesem Video , wer gewollt ist einen Diskurs zu führen und wer nicht!
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Bernoulli: Sie können Gebetsbuchartig wiederholen das die Regierung Obama in Kriege verwickelt war. Es ändert nichts daran, dass die Kriege und die Kriegsverbrechen der Neuzeit mehrheitlich von den beiden Bush angezettelt und ausgelöst wurden.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Biden leidet ganz offensichtlich an einer dementiellen Entwicklung und war unter Obama an den Kriegsverbrechen dieser Regierung mit beteiligt. Tolller Gegenkanditat. Dass dies kein Grund war von der Parteileitung der Dems, ihn nicht zu unterstützen, sagt halt viel über die Leitung dieser Partei aus: skrupellos, korrupt und verlogen.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Biden wäre eh ein Übergangspräsident. Hauptsache, der eitle Geck ist weg.
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    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Wenn jemand wirklich dement ist (sicher nicht Biden), dann kann man ihm nichts vorwerfen. Aber jemand der bei - eigentlich - wachem Sinn so negativ auf die USA und sonst auf die Welt einwirkt wie Trump, dann ist es nett gesagt bedenklich. Was hat Trump Gutes zustande gebracht als eher das Gegenteil von Brückenbauer?Trennung in Weisse-Schwarze; nichts gegen soziale Ungerechtigkeit;schwarze Frauen diffamieren; gegen Umwelt- und Klimaschutz u.s.w. Wirklich dürftig, DT war eigentlich nie wählbar!
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    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Bernoulli: Es scheint mir eine Ausflucht zu sein, Trump zu amnestieren für seine politischen Fehlleistungen, indem immer wieder die Bomben Obamas hervorgeholt werden. Obama konnte ja nicht von Anfang an alles änderen, was ihm seine republikanischen Vorgänger eingebrockt haben. Aber eben: Die "Bomben Obamas" dienen einigen dazu, diese als pseudosachliches Argument dagegen zu verwenden, um zu sagen: "Nur nicht linke Politiker dort und anderswo!" Sogenannte Sachpolitik ....?
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    4. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Sind nicht alle, welche ein höheres Amt anstreben, sei es in der Politik oder Wirtschaft irgendwie eitle Gecke, egal ob Mann oder Frau?
      Selbstverliebte Selbstdarsteller & Schauspieler?
      Aber vielleicht irre ich mich ja auch & ich habe sie einfach noch nicht gefunden - die Selbstlosen, die Bescheidenen in Machtpositionen.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Sollen die strammen Hardcore-Fans vom Zampano, Morgen am 4.Juli, mal alle Ihre chinesischen „ MAGA“ Kappen und T-Shirts anziehen, und sich mit allem drum und dran feiern. Natürlich ohne Masken, die sind ja was für Feiglinge! Dann schnellen die Fallzahlen noch weiter nach oben, und die Wut auf diese unfähige Regierung und ihren Anführer wächst weiter. Irgendwann hat es sich dann ausgelogen und dann kann er schauen, wo er sich verstecken kann.
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    1. Antwort von Marti Müller  (Co2=Leben)
      Die sogenannten "Chinesische " Fan-Artikel sind Kopien, nicht lizenziert.
      Due Original MAGA hats werden in den USA hergestellt.. Ich kann gerne den link zur Firma senden..
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