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Kenias Schulen bleiben noch lange geschlossen
Aus Echo der Zeit vom 10.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
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Folgen der Coronakrise Geschlossene Schulen bergen Gefahren für Kenias Kinder

In Kenia sind die Bildungsinstitutionen seit März zu und werden es bis mindestens Januar bleiben. Das hat riesige Auswirkungen.

Als Kenia Anfang Juli die ersten Schritte der Corona-Lockerungen bekannt gab, war die Weisung des Bildungsministers klar: Die rund 18 Millionen Studentinnen und Schüler müssen zu Hause bleiben – mindestens bis nächstes Jahr.

Das Land könne es sich schlicht nicht leisten, die Schulen und Unis sicher zu öffnen, sagt die Bildungsexpertin bei Unicef, Janeanne Kiviu: «Viele Schulen in Kenia haben kein fliessend Wasser. Wie will man Händewaschen, wenn kein Wasser vorhanden ist?» Zudem könnten sich viele Familien keine Masken leisten für die Kinder.

Kein Zugang zu Computern, Strom, Internet

Nun ist in Kenia wie vielerorts auf der Welt online Lernen angesagt. Theoretisch. Denn praktisch haben Millionen von Schulkindern gar keinen Zugang zu Computern, Tablets oder Smartphones. In Kenia hat nur jeder fünfte Haushalt Internet, auf dem Land hat rund ein Drittel keinen Zugang zu Strom.

Darum vergrössert sich mit der Schulschliessung die Ungleichheit im Land. Die Reichen in den Privatschulen mit ihren Computern, Strom und Internet können von zu Hause aus weiterlernen. Die anderen bleiben auf der Strecke. Laut einer Untersuchung der Regierung konnten bisher weniger als die Hälfte der Schulkinder das Onlineangebot nutzen.

Kein Essen und schwangere Teenager

Doch die Schulschliessung hat weitere Nachteile für die Ärmsten im Land. Viele Kinder seien von den täglichen Mittagessen in der Schule abhängig, erklärt die Bildungsexpertin in Nairobi: «Einige dieser Kinder nahmen die Reste aus der Schule jeweils sogar mit nach Hause für ihre Geschwister.» Diese oft einzige Mahlzeit am Tag fällt nun weg. Im östlichen und südlichen Afrika sind laut Unicef 16 Millionen Kinder von Schulessen abhängig.

Zu guter Letzt scheint die Schule auch ein sicherer Ort zu sein, der nun fehlt. Vor allem für Schülerinnen. In der kenianischen Region Machakos mit rund 1.4 Millionen Einwohnern wurden seit der Schulschliessung im März rund 4000 Teenagerschwangerschaften gemeldet. Ein Vielfaches mehr als üblich. Die zuständige Kinderbeauftragte führt die Zunahme auf die geschlossenen Schulen zurück, viele Schwangerschaften seien durch Vergewaltigung zu Hause entstanden.

Kinder kehren nicht in die Schule zurück

Einige dieser schwangeren Mädchen dürften wohl nicht mehr in die Schule zurückkehren, wenn die Bildungsinstitutionen wieder öffnen im nächsten Jahr. Sie werden sich um ihre Babys kümmern müssen.

Und sie dürften nicht die einzigen sein. «Wenn Kinder mal angefangen haben Geld zu verdienen, sehen sie oft den Wert der Schule nicht mehr. Zudem werden viele Schüler ihre Eltern unterstützen müssen, die ihren Job verloren haben in dieser Krise», bedauert Janeanne Kiviu. Dies zeigen Erfahrungen aus der Ebola-Epidemie in Westafrika, wenn der Unterricht im Klassenzimmer über mehrere Monate ausfällt.

Die Schulen in Kenia sind zu und werden es noch Monate bleiben. Einmal mehr dürfte nicht nur das Coronavirus, sondern auch die Massnahmen dagegen vor allem die Armen treffen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ja, das ist so auch in unserer Hemisphäre: junge Mütter kümmern sich erstmal um ihre Babys und arbeiten nicht. Was soll daran in Kenia anders sein? Ach so, die Mutter ist dort tendenziell im Teenager-Alter? Man sagt ja immer, das ist Tradition, ich weiss nicht, warum das ausgerechnet jetzt zum Thema wird. Ebenfalls die Eltern, die ihren Job verlieren und ihre Kinder arbeiten schicken müssen. Bei uns heisst es wohl Lohndumping. Quo vadis?
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Und offene Schulen bergen andere Gefahren (gefährlicher Schulweg, Corona etc.).