Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Frankreichs Diplomatie French Response: Mit Witz und Ironie gegen Desinformation

Diplomatie muss nicht immer staubig und trocken sein. Das zeigt der X-Account «French Response», der vor wenigen Monaten vom französischen Aussenministerium gestartet wurde. Mit Witz und Ironie antwortet das Profil ganz offiziell auf Desinformation, vor allem aus den USA und Russland.

Europa und besonders Frankreich werden täglich mit Desinformation und Propaganda geflutet. Um da nicht unterzugehen, hat das französische Aussenministerium – auch bekannt als Quai d'Orsay – seine sonst eher steife Kommunikation angepasst.

Sie wurde geradezu auf den Kopf gestellt: Auf X gibt es nun «French Response». Dort reagiert das Quai d’Orsay mit kurzen, pointierten Antworten auf feindselige oder irreführende Beiträge aus den USA oder Russland.

Unsere Interessen und unser Image werden angegriffen.
Autor: Pascal Confavreux Sprecher des Quai d'Orsay

Die Tweets sind meist auf Englisch, oft sarkastisch, manchmal selbstironisch. Dahinter stehen kleine Teams, die schnell reagieren. Der Account zählt inzwischen über 180’000 Follower und sorgt für Gesprächsstoff.

Mann in Anzug schaut zur Seite.
Legende: Das französische Aussenministerium unter Präsident Macron geht gegen Desinformation vor – mit ungewöhnlichen Tweets auf X. Reuters/Benoit Tessier

Pascal Confavreux, Sprecher des Aussenministeriums, begründet den neuen Ton im französischen Radio so: «Unsere Interessen und unser Image werden angegriffen. Wir sind überzeugt, dass wir den Ton verschärfen müssen, um uns verteidigen zu können. Und dazu müssen wir die Regeln der Plattformen übernehmen, auf denen wir angegriffen werden.»

Der pointierte Kanal des Aussenministeriums

Zum Beispiel als Elon Musk, der Besitzer von X, fragte, warum die britische Regierung so faschistisch sei. «French Response» wies ihn mit einem einfachen Bild zurecht. Ein Bild, das aber viel aussagte: Darauf ist Musk mit ausgestrecktem rechtem Arm bei einer Amtseinführungsparty Donald Trumps.

Es ist eine Geste, die viele als Hitlergruss deuteten. Das französische Aussenministerium schien dies auch so zu sehen. Die Antwort von «French Response» sorgte für Furore und wurde rund acht Millionen Mal angesehen.

Ebenso schaltete sich «French Response» ein, als ein amerikanischer Verschwörungstheoretiker schrieb: «Nachdem wir Grönland und Kanada eingenommen haben, wird die Eroberung Frankreichs ein Leichtes sein. Die Frage ist nur, wollen wir das stinkende Frankreich wirklich? Eher nicht.»

Die Antwort aus Paris: Die Freiheitsstatue sei beim Zurückschwimmen über den Atlantik gesichtet worden. Sie bevorzuge die ursprünglichen Bedingungen.

«French Response» ist der schnelle, pointierte Kanal des Aussenministeriums. Sozusagen dessen Ass im Ärmel. Parallel dazu bewahre das Quai d'Orsay die diplomatische Sprache und natürlich die diplomatische Linie, sagt Confavreux.

Teil einer grösseren Strategie

Experten bewerten den Account mehrheitlich positiv, wollen aber sehen, ob sich daraus auch diplomatische Erfolge ergeben. David Colon, Geschichtsprofessor und einer der führenden Experten in Sachen Informationsmanipulation, sagt: «Ich bin froh, dass Frankreich in den sozialen Netzwerken auf Angriffe reagiert. Der Ton passt zum sogenannten Informationskrieg im Meme-Format.»

«French Response» sei jedoch nur ein Puzzlestück einer umfassenderen Strategie. Frankreich habe in den vergangenen Jahren seine Strukturen zur Bekämpfung von Desinformation ausgebaut. «Das ist der sichtbarste Teil einer kulturellen Revolution in der französischen Diplomatie», sagt Colon. Dennoch bleibe noch einiges zu tun, etwa bei der Medienkompetenz oder der gesellschaftlichen Resilienz.

Ob diese humoristische Herangehensweise langfristig etwas bewirken kann, ist noch unklar. Klar ist: Frankreich will im digitalen Informationskrieg nicht mehr nur einstecken.

Echo der Zeit, 9.3.2026, 18 Uhr; herb

Meistgelesene Artikel