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Frau in Londonderry getötet Polizei nimmt zwei Männer fest

  • Die Polizei von Londonderry in Nordirland hat zwei Männer verhaftet – im Zusammenhang mit dem Tod einer 29-Jährigen Frau.
  • Die Journalistin war am Rand von Ausschreitungen erschossen worden. Die Polizei behandelt den Vorfall als terroristischen Akt.
  • Die zwei Männer seien 18 und 19 Jahre alt und würden nun in Belfast befragt, so die Polizei.

Die 29-Jährige war am Donnerstag im Zuge von Auseinandersetzungen in Londonderry getötet worden. Sie war zu dem Zeitpunkt nicht als Journalistin im Dienst. In Tatortnähe am Rande von Londonderry waren vor der Tötung mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten.

Londonderry oder Derry?

Die nordirische Stadt wird von Grossbritannien offiziell sowie von der protestantischen Minderheit in der Stadt Londonderry genannt. Die katholischen und irischstämmigen Einwohner nennen die Stadt nur Derry.

Die Polizei vermutete, dass der Angriff von irischen Nationalisten aus ging, wahrscheinlich von der militanten Organisation New IRA. Auslöser der Auseinandersetzungen war eine Hausdurchsuchung, mit der die Polizei nach eigenen Angaben für das Wochenende geplante gewaltsame Angriffe verhindern wollte.

Gegen 23 Uhr habe ein Bewaffneter Schüsse auf die Polizei abgefeuert, dabei sei die Frau am Kopf getroffen worden. Sie starb kurz darauf im Krankenhaus.

Alljährlicher Protest

Auslöser für die Krawalle soll der jährliche Protest an Ostern im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt gewesen sein. Die neuen Unruhen trugen sich zu einem Zeitpunkt zu, an dem irisch-katholische Nationalisten an den Aufstand gegen die Briten im Jahr 1916 erinnern.

Nordirland-Konflikt

In Nordirland hatte jahrzehntelang ein Bürgerkrieg gewütet, bei dem Tausende Menschen ums Leben kamen und Zehntausende verletzt wurden. In dem Konflikt standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiter zu Grossbritannien gehören wollen. Hier erfahren Sie mehr.

Politiker aus Grossbritannien, der Republik Irland und aus Brüssel verurteilten die Tat scharf. EU-Chefunterhändler Michel Barnier sprach von einem «tragischen Mord» und wertete die Tat als «Erinnerung daran, wie zerbrechlich der Frieden in Nordirland» sei. «Wir müssen alle daran arbeiten, die Errungenschaften des Karfreitagsabkommens zu erhalten», twitterte der Franzose.

Bald katholische Mehrheit

Im längeren zeitlichen Verlauf hat sich in den letzten Jahrzehnten im einst klar protestantisch dominierten Nordirland eine kontinuierliche Zunahme des katholischen Bevölkerungsanteils ergeben.

Es gibt Schätzungen, dass die Katholiken, sollte sich diese Entwicklung weiter fortsetzen, um das Jahr 2021 herum die Bevölkerungsmehrheit in Nordirland stellen werden. Schon heute liegen Katholiken mit knapp 41 Prozent Bevölkerungsanteil und Protestanten mit gut 41 Prozent nahe beieinander.

Karte von Nordirland.
Legende: Die Ausschreitungen in Londonderry forderten ein Todesopfer. Keystone

Paramilitärische Gruppierungen

Auch mehr als 20 Jahre nach dem friedensstiftenden Karfreitagsabkommen sind paramilitärische Gruppierungen aktiv. Sie agieren wie ein Staat im Staat und finanzieren sich unter anderem durch Drogenhandel. Die bewaffneten Gruppen erhoffen sich von einem Wiederaufflammen des Konflikts eine neue Legitimation und Geld.

Befürchtet wird, dass im Zuge des bevorstehenden Brexits die Gewalt zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland bei Einführung von Grenzkontrollen wieder aufflammen könnte. Nordirland hatte – wie Schottland auch – im Juni 2016 für einen Verbleib in der EU gestimmt.
Seit Jahresbeginn sind in Londonderry wiederholt Sprengsätze explodiert, ohne dass es dabei Verletzte gegeben hatte. Einer der Sprengsätze detonierte im Januar vor einem Gericht mitten in der Stadt.

«Bloody Sunday»

Traurige Berühmtheit erlangte Londonderry durch den so genannten Blutsonntag («Bloody Sunday»), an den auch Wandgemälde an Häusern erinnern. Britische Fallschirmjäger erschossen dort am 30. Januar 1972 13 katholische Demonstranten. Ein weiterer erlag Monate später seinen Verletzungen. Als Folge verschärfte sich der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Aus Rache verübte die irisch-republikanische Untergrundorganisation IRA mehrere Anschläge.

Legende: Video Journalistin bei Ausschreitungen in Nordirland erschossen abspielen. Laufzeit 01:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.04.2019.
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1 Kommentar

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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Gestern lag ich mit meinem Kommentar zum Mord an der Journalistin nicht so daneben. Der EU-Chefunterhändler der Brexit-Verhandlungen, Michel Barnier, fühlt sich angesprochen (siehe sein Tweet weiter oben). Am Karfreitagsabkommen war die EU Patin des Friedensprozesses und hat u.a. deswegen den Friedensnobelpreis erhalten. Die EU hat aber einen für die Briten praktisch unakzeptablen Austrittsvertrag durchgesetzt, und das im Wissen, dass es so in Nordirland zwangsläufig wieder zu Gewalt kommen wird
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