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Geschichte Afghanistans – ein Rückblick
Aus Tagesschau vom 15.08.2021.
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Frauenrechte in Afghanistan Als afghanische Frauen westliche Mode trugen

Die Taliban schlagen zurzeit versöhnliche Töne an und wollen auch den Frauen Rechte gewähren – allerdings unter der islamischen Scharia. Bei der ersten Pressekonferenz der Taliban diese Woche wurde klar, was das bedeuten könnte: die Vorschrift zur erneuten Vollverschleierung, wie bei der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001.

Kaum vorstellbar, dass im letzten Jahrhundert afghanische Frauen von den Kleidern her teils kaum von westlichen Frauen zu unterscheiden waren.

Legende: Soraya Tarzi (Bild Mitte, im Pelzmantel) zusammen mit ihrem Mann, König Amanullah Khan, in westlicher Kleidung bei einem Besuch in Paris 1928. Getty Images/Ullstein Bild

Vor gut hundert Jahren erlangte Afghanistan die Unabhängigkeit vom British Empire. Geprägt wurde das noch junge Afghanistan von Amanullah Khan, der eine Modernisierung der Gesellschaft anstrebte und später als König zusammen mit seiner Frau Soraya Tarzi bei Besuchen in Europa ein modernes Afghanistan zeigen wollte – in westlicher Kleidung.

Doch dies blieb vorerst die Ausnahme. Erst ab Anfang der 1960er-Jahre gab es vermehrt Bemühungen für eine liberalere afghanische Gesellschaft, mit westlichen Werten und Kleidern.

Legende: Westlich gekleidete Afghaninnen 1967 ausserhalb des Flughafens von Kabul. Getty Images/Bettmann

Dass Frauen westliche Kleidung tragen konnten, lag auch an der amerikanischen Fluggesellschaft Pan Am, die Piloten für die afghanische Airline Ariana stellte – die Frauen der Piloten gründeten in Kabul eine Schneiderei. Dort bildeten sie einheimische Schneiderinnen aus und brachten die Modezeitschrift Vogue dazu, Schnittmuster mit westlicher Mode zu verteilen. Auch Mini-Röcke erreichten so die Städte Afghanistans.

Legende: Junge Studentinnen in Mini-Röcken in Kabul, 1972. Doch dieses Bild war selten und nicht überall gerne gesehen. Es gibt Berichte, dass Mullahs Säure auf die Beine solcher Frauen schütteten. Getty Images/Laurence Brun/Gamma-Rapho

Die neue und nicht unumstrittene Mode stiess bei Afghaninnen auf grosses Interesse – zumindest in den Städten. Die Landbevölkerung blieb von der Modernisierung weitgehend unberührt.

Legende: Eine Mutter in westlicher Kleidung auf den Strassen von Kabul im Jahr 1981. Hinten ist eine Frau in der traditionellen Burka zu sehen. AFP

In den 1970er-Jahren wurde das Land unter sowjetischem Einfluss weiter modernisiert, Frauen durften weitgehend unbehelligt studieren, die gleichen Berufe ergreifen wie Männer – und auch moderne Kleidung tragen.

Legende: Afghanische Studentinnen und Studenten, die 1981 von einer sowjetischen Lehrerin am polytechnischen Institut von Kabul in Computertechnologie unterrichtet werden. AFP/BTA

Doch mit dem Abzug der sowjetischen Truppen und dem folgenden Bürgerkrieg ab 1989 endete für viele Afghaninnen die Zeit der modernen Kleider.

Legende: Junge Frauen und Männer flanieren 1988 durch den Park von Kabul. Getty Images/Patrick Robert

Spätestens mit der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 war es dann fertig mit westlicher Kleidung für Afghaninnen: Die Vollverschleierung wurde für alle Frauen obligatorisch.

Legende: Vollverschleierte Frauen auf den Strassen von Herat im 2004. Keystone

Viele Afghaninnen trugen die Burka auch nach der Taliban-Herrschaft weiterhin. Doch auch mit Burka – ob unter den Taliban oder nicht – bleibt den Afghaninnen ein kleines Bisschen «Mode». Weil blaue Burkas ursprünglich in der Herstellung teurer waren, nutzen viele Afghaninnen die blaue Farbe als eines der wenigen erlaubten Zeichen, einen höheren sozialen Status zu demonstrieren.

Tagesschau, 15.08.2021, 19:30 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Beat von Känel  (sgritheall)
    Die Vollverschleierung scheint für uns das grösstmögliche Übel zu sein. Wenn die vollverschleierten Frauen aber als Touristinnen in Interlaken im Schlepptau ihres leicht bekleideten Gebieters auftreten, dann sind sie höchst willkommen, und jeder Touristiker würde sich mit Herzblut dafür einsetzen, dass die Frau ihre Vollverschleierung behalten darf. Oder halt muss.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Hätten die USA unter dem Applaus des Westens damals nicht die Mudschaheddin mit Waffen für den Kampf gegen Russland versorgt, wären Frauen frei und modisch geblieben...
    Wenn wir JETZT so empört tun, empfinde ich das nicht nur als lächerlich, sondern irgendwie auch als Ausdruck einer europäischen Unfähigkeit voraus und in Zusammenhängen zu denken.
    1. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Ein etwas überzeichneter Kommentar, der aber durchaus einen wahren Kern hat. Meiner Ansicht nach geht es jedoch nicht um Unfähigkeit, europäische oder sonstige, sondern darum, dass Frauen und Menschenrechte im Allgemeinen in der wirklichen Politik und bei den wirklichen strategischen Überlegungen und Operationen halt nach wie vor nur eine eher untergeordnete Rolle spielen. Als Vorwand für die Verfolgung ganz anderer Ziele durchaus immer gerne verwendet, ansonsten aber eher sekundär.
    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Sehr geehrter Herr Gürr,
      Ich kann ihrer Replik voll und ganz zustimmen. Leider sind - folgt man den Kommentaren zum aktuellen Geschehen - den meisten Lesern (und manchen Journalisten) diese historischen Zusammenhänge - genauso wenig wie deren Anfänge - noch bewusst.
      Wir könnten tatsächlich aus Geschichte lernen, wären wir nicht so schampar von Amnesie und selektiver Wahrnehmung befallen, bei dem - wenn dann doch mal was durchdringen sollte, die mediale Zensur oft den Rest erledigt.
  • Kommentar von Katharina Dudey  (dudeyberlin)
    Es ist doch auch wichtig, für viele mag es unangebracht sein, daß Afghanistan andere Zeiten erleben konnte.
    Es hatte den Eindruck, die USA wollten sich in Form einer ,,Umerziehung" (wie in Deutschland nach dem Krieg) weitestgehenden Einfluß sichern und wer ,,up to date" sein wollte, zog ich weiterhin westlich an, wie es eben auch der König vorher tat.
    Eine solche kurze Zusammenfassung ist durchaus erhellend - für die hiesigen Nachgeborenen..............