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G7-Gipfel: Biden will den Schulterschluss von westlichen Mächten
Aus Echo der Zeit vom 10.06.2021.
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G7 mit Elefanten im Raum Biden wird auf Goodwill stossen – schon weil er nicht Trump ist

Der Westen verliert an Gewicht und damit auch seine weltweite Dominanz. Umso stärker ist nun das Bedürfnis, zusammenzurücken. US-Präsident Joe Biden will deshalb den Gipfel der mächtigsten westlichen Staaten zu einer Art «Schulterschlusstreffen» machen. Das heisst: Im Zentrum der Diskussionen am G7-Treffen im britischen Cornwall steht ein Land, das gar nicht mit am Tisch sitzt, nämlich China.

USA waren unter Trump kein verlässlicher Partner

Die G7-Gipfel der vergangenen Jahre waren für die Teilnehmer mühsam und ihr Ergebnis enttäuschend. Der Grund hat einen Namen: Donald Trump. Der US-Präsident hielt nichts von multilateraler Zusammenarbeit und liess das die übrigen Staats- und Regierungschefs ständig spüren. Auf seinem ersten Gipfel 2017 im italienischen Taormina schwänzte er mehrere Veranstaltungen.

Beim zweiten Zusammenkommen brüskierte Trump die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, indem er zwar zunächst den Beschlüssen zustimmte, bereits auf dem Heimflug jedoch das G7-Schlussdokument buchstäblich in der Luft zerriss.

Ein Jahr später versuchte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit einer Charmeoffensive, Trump einzubinden, was ihm aber nur halbwegs gelang. Doch 2020, als Trump selber Gipfelgastgeber sein sollte, zeigte er sich dermassen desinteressiert, dass das Spitzentreffen der Mächtigen erstmals ausfiel. Es gab lediglich eine kurzen und praktisch ergebnislosen Video-Austausch des Siebnerklubs zur Coronakrise.

Neue Ära unter dem neuen US-Präsidenten

Doch Joe Biden steuert nun entschieden um. Er setzt wieder ganz auf die Zusammenarbeit der wichtigsten westlichen Wirtschaftsmächte. «Amerika ist wieder da!», signalisiert er gleich zum Gipfelauftakt. Es geht also auch darum, die G7-Gruppe wieder als relevantes Gremium aufzubauen, nachdem es vom disruptiven Trump beschädigt wurde.

Die Länder möchten wieder einen gemeinsamen Daseinszweck auf der Weltbühne finden. Bidens Überzeugung: Nur vereint kann der Westen dem aufstrebenden China und dem störrischen Russland die Stirn bieten. Dabei stellt er sich eine Aufgabenteilung vor: Die Europäer kümmern sich hauptsächlich um Russland, damit die USA sich voll auf den Hauptrivalen China konzentrieren können.

G7-Motto: Russland und China, wie weiter?

Die beiden Autokratien China und Russland werden also im Zentrum des G7-Gipfels 2021 stehen. Biden wird versuchen, die demokratische Welt hinter sich zu scharen. Doch da werden die europäischen G7-Mitglieder Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien sowie Japan und Kanada nicht einfach applaudieren. Viele sehen in Bidens Kurs «Demokratien gegen Diktaturen» zu sehr ein Schwarz-Weiss-Denken.

Sie sind überzeugt und können gute Gründe dafür anführen, dass es in manchen Bereichen gar nicht ohne engere Zusammenarbeit geht: beim Kampf gegen den Klimawandel, bei Massnahmen gegen die längst nicht besiegte Corona-Pandemie, bei der Rüstungskontrolle, aber selbstverständlich auch in der Wirtschaft. Das weiss natürlich auch Washington. Letztlich wird es darum gehen, einen Weg zwischen Konfrontation und Kooperation zu finden.

Will heissen: Joe Biden wird bei seiner Amtskollegin und seinen Amtskollegen auf dem Gipfel in Cornwall zunächst auf viel Sympathie und Goodwill stossen. Allein schon deshalb, weil er nicht Donald Trump ist. Und weil mit ihm die USA wieder ein berechenbarer Partner geworden sind. Doch dass sie ihm blind folgen und seine aussenpolitische Stossrichtung übernehmen, ist keineswegs sicher.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Echo der Zeit, 10.06.2021, 18:00 Uhr

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Benoit Renevey  (blezwosie)
    Schade, dass Sie Russland und China als Autokratien betrachten.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Das sind sie aber. Putin und Jinping haben dafür gesorgt, dass sie so gut wie unbegrenzt herrschen können.
    2. Antwort von Samira Amgarten  (S Amgarten)
      Als was soll man sie denn sonst betrachten? Bin offen für Vorschläge.
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "Der Westen verliert an Gewicht und damit auch seine weltweite Dominanz."

    Das der Westen dies erkannt hat, ist toll !
    Nur ...
    Müssten nun Massnahmen her, wie (wirtschaftlich) ohne China auskommt.
    Den heute geht das für keines der westlichen Länder mehr

    Wenn man China nicht weiter stärken möchte, muss man in kauf nehmen, dass man selber geschwächt wird. ( Bzw. die Produkte / Dienstleistungen weltweit teuer werden)
    Mehr bezahlen möchte aber kein einziger Konsument.
    1. Antwort von Max Oppliger  (titamax)
      Man wird eben nicht stärker oder besser, indem man andere schwächt. Das ist die irrige Sicht der USA.
  • Kommentar von Ulrich Meier  (neutrinos)
    Die Tischordnung spricht Bände. Die USA möchte den Tisch dominieren, doch inzwischen fehlt das Vertrauen ihr ‘blind zu folgen’. China sitzt nicht am Tisch, sass nie am Tisch, ein immer bedeutender, nicht blinder Rivale. Früher, als China arm war, fanden Chinesinnen und Chinesen keine Beachtung. Man sah sie schlichtweg nicht. Jetzt, wo sie Geld und Einfluss haben, möchte man sie klein halten, ohne je verstanden zu haben, wie sie denken. Wo Innovation derart floriert, stimmen die Rahmenbedingungen
    1. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Der Westen würde sicher gerne mit China und auch Russland guten Kontakt und Handel treiben, aber China wie Russland sind Diktaturen und die Völker werden leider unterdrückt. Darum wird es immer schwierig sein mit solchen Länder freundschaftlich umzugehen.
    2. Antwort von Ulrich Meier  (neutrinos)
      Die Demokratie in den USA ist daran, ihren Mythos von Freiheit zu zerstören. Als Indigener (auch in Australien, Kanada) kennt man Genozid und Enteignung, als US Schwarzer die Sklaverei. Heute noch sind Rassismus und Unterdrückung für Minderheiten wie diese an der Tagesordnung. Dass es die Chinesen nicht überzeugt, die US Staatsform sei die Seligsprechung, ist nachvollziehbar. Gegen einen anständigen Umgang miteinander spricht jedenfalls nichts.
    3. Antwort von Benoit Renevey  (blezwosie)
      @Bruno Hochuli : Waren Sie mal in Russland und haben Sie schon übliche Russen gefragt, ob ihres Land einer Diktatur unterstellt ist? Ich habe es tausend Mal gemacht. Und diese Leute sind gar nicht Ihrer Meinung.
    4. Antwort von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
      Ja ,Herr Meier, ich war schon in Russland und die Menschen getrauen ssich nicht die Wahrheit zu sagen, sie schauen sich immer um ob einer zuhören könnte. Es geht nicht allen Russen schlecht aber die Armut wird in gewissen Teilen immer grösser.
    5. Antwort von Benoit Renevey  (blezwosie)
      Lieber Herr Hochuli, ich verbleibe jedes Jahr sechs Monate in Russland. Daher habe ich sehr viele russische Bekannten und Freunde. Nochmals : was Sie hier behaupten, ist gar nicht die Realität. Die russische Mittelklasse wird immer größer. Selbst wenn diese Tatsache Ihnen nicht gefällt. Man muss mit Stereotypen über Russland aufhören!
    6. Antwort von Samira Amgarten  (S Amgarten)
      @Renevey: Kein Wunder loben die Russen Russland: erstens werden sie einer medialen Gehirnwäsche unterzogen und zweitens getraut sich keiner etwas zu sagen.