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Gedenken in Brüssel Gedenkfeiern zehn Jahre nach den Terroranschlägen

  • In Brüssel haben am Morgen zwei Gedenkveranstaltungen stattgefunden.
  • Vor genau zehn Jahren haben islamistische Attentäter Bomben am Flughafen und in einer U-Bahn-Station gezündet.
  • Dabei sind mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen – Hunderte wurden verletzt. 

Ein Ort der Anschläge am 22. März 2016 war das Flughafengebäude von Brüssel-Zaventem, wo um kurz vor 8 Uhr morgens zwei Sprengsätze detonierten. Der andere Ort war die U-Bahn-Station Maelbeek, mitten im Europaviertel. Dort brachte ein weiterer Selbstmordattentäter in einem fahrenden Zug sein tödliches Gepäck zur Explosion. 

Insgesamt sterben bei den Anschlägen in Brüssel 32 Menschen, darunter drei Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Mehr als 300 Menschen werden verletzt. Drei Menschen sterben nach den Anschlägen durch Krankheit oder Suizid, die offizielle Zahl der Todesopfer liegt daher bei 35.

Islamistische Terrorserie

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Die Anschläge in der belgischen Hauptstadt vor zehn Jahren reihten sich ein in eine islamistische Terrorserie. Im November 2015 hatten islamistische Terroristen bei einer Serie koordinierter Anschläge in Paris 130 Menschen getötet und 350 verletzt. Die meisten Todesopfer gab es im Konzertsaal Bataclan. Im Dezember 2016 tötete ein Terrorist zwölf Menschen in Berlin.

An beiden Orten wurden während der Gedenkfeiern die Namen der Opfer der Attentate verlesen. Zudem gab es eine Schweigeminute. Unter anderen nahmen das belgische Königspaar und der belgische Regierungschef Bart De Wever teil.

Auch Jahre danach waren die Folgen des Terrors in Brüssel sichtbar. Schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten gehörten zum Strassenbild. Zehn Jahre nach den Attacken wird die Bedrohungslage von den staatlichen Behörden als «ernst» eingestuft – Stufe drei von vier. 

Massnahmen zur Deradikalisierung

Neben mehr Polizeipräsenz und Sicherheitsmassnahmen wurden in Belgien nach den Anschlägen auch verstärkt Massnahmen zur Deradikalisierung und Prävention ergriffen. Auch in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek starteten Initiativen zur sozialen Integration und Bildung, um etwa strukturelle Probleme wie Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und soziale Ausgrenzung anzugehen, die als Risikofaktoren für Radikalisierung gelten. 

Das westlich der Brüsseler Innenstadt liegende Molenbeek wurde als Rückzugsort radikaler Islamisten bekannt. Drahtzieher verschiedener Anschläge haben hierher Verbindungen – so etwa Salah Abdeslam, der als Hauptverantwortlicher bei den Pariser Anschlägen gilt und auch bei den Brüsseler Anschlägen mitwirkte.

Mammutprozess und Vorwürfe von Opferorganisationen

Abdeslam und neun weitere Angeklagte mussten sich in einem Mammutprozess für die Anschläge in Belgien vor Gericht verantworten. Der Prozess endete 2023, verhängt wurden jahrzehntelange bis lebenslange Haftstrafen. Das öffentliche Interesse an dem Prozess mit mehr als 900 Nebenklägerinnen und -klägern war enorm.

Opferorganisationen hatten sich wiederholt über mangelnde Unterstützung des schwerfälligen Staatsapparats beschwert und die chronisch überlastete belgische Justiz kritisiert. Für Fassungslosigkeit bei den Hinterbliebenen sorgten auch Medienberichte, wonach mehrere der Angeklagten vor den Anschlägen in Paris und Brüssel von den belgischen Sicherheitsbehörden überwacht worden waren – und später dennoch ihre Bluttaten verüben konnten.

SRF 4 News, 22.3.2026, 12:30 ; 

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