Auch nach Tagen rätseln Beobachter, was Trump zur Gefangennahme von Nicolás Maduro bewogen hat. Trump spricht von «Drogenterrorismus» und vom Zugang zu Erdöl. Fachleute zweifeln an der Stichhaltigkeit beider Argumente.
Wem psychologische Theorien über Trumps Motive nun zu vage sind und wer sich nicht mit dem Verweis auf seine Launen begnügt, dem oder der bleibt der Blick auf die Geopolitik.
Venezolanisch-chinesische Partnerschaft
Nach Maduros Gefangennahme sagte Trump, dass Venezuela «Rivalen beherberge». Russland, Iran und China kooperieren mit dem Regime, wobei letzteres am einflussreichsten ist.
Kein Land kauft mehr Öl aus Venezuela als China. Peking gewährte Kredite und verknüpfte sich via Caracas mit sozialistischen Kräften der Region. Für Beobachter passt es, dass Trump beim engen Partner des grössten US-Widersachers die Ellbogen ausfährt.
«China ist ein gutes Geschäft»
Der US-Präsident betont derzeit oft, dass die Westhemisphäre US-Einflusszone sei, wie es auch in der US-Sicherheitsstrategie steht. Das bedinge, dass sie China zurückdrängen, sagt Günther Maihold, Lateinamerika-Experte der Freien Universität Berlin: «Die Beziehungen sind heute stark auf den Pazifik ausgerichtet.»
China ist grösster Handelspartner in Südamerika. Es kauft Agrarprodukte aus Brasilien und Argentinien sowie Mineralien aus den Anden und ist in fast allen Ländern wichtigster oder zweitwichtigster Warenlieferant.
Beliebt sind Chinas Investitionen in Verkehr und Strom, die Europa und Amerika nicht tätigen wollten, so Maihold. Es bestehe wenig Interesse, die USA wieder zum zentralen Partner zu machen: «China ist ein gutes Geschäft.»
Trumps Interventionismus
In seiner zweiten Amtszeit greift Trump ein. Er droht, den Panamakanal zu erobern, wo China stark investiert ist. Seine Wahleinmischung in Honduras zielte darauf ab, dass sich das Land von China abwendet. Seine Zölle erschweren den Handel mit China.
Nicht immer ist der Chinabezug aber eindeutig. Trump sanktionierte Kolumbiens Präsidenten Gustavo Petro. Dieser trat zwar Chinas Seidenstrassenprojekt bei, gilt aber auch sonst als US-Gegenspieler, etwa in der Klimapolitik. Trump stützt Gleichgesinnte wie Argentiniens Xavier Milei – und will den Golf von Mexiko umbenennen.
Die Donroe-Doktrin
Es ist streitbar, wie konsequent Trump Strategien folgt. Zu erratisch sein Handeln, zu vielfältig seine Erklärungen. Seine Umfragewerte seien ein Motiv, sagen die Demokraten. Tatsächlich lässt sich mit Drogen Politik machen. Und Improvisation scheint bei seinen Entscheidungen auch eine Rolle zu spielen, ergänzt Maihold.
Die Sache mit der Einflusszone aber beschäftigt Trump. Gerne spricht er von US-Präsident Monroe. Dieser störte sich im 19. Jahrhundert am europäischen Kolonialismus und erklärte die USA zum Hegemonen im Westen.
Heute nennen sie es Donroe-Doktrin, sagt Trump in Anspielung auf seinen Vornamen. Handelt Trump tatsächlich danach, wollen die USA diesmal China aus den Amerikas drängen.