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Geopolitik rund ums WEF Mit Trump reden: die Strategien von Rutte, von der Leyen und Co.

Beschwichtigen, vorsichtig kritisieren – oder gleich in die offene Konfrontation? In Europa gehen die Meinungen auseinander, wie man am besten mit dem US-Präsidenten umgeht. Rund um das WEF in Davos lässt sich eine ganze Bandbreite an Strategien beobachten. Vier davon im Überblick.

Ruttes Charmeoffensive

«Mr. President, lieber Donald – was Sie in Syrien heute erreicht haben, ist unglaublich.» Die Textnachricht, die Donald Trump vor dem Abflug nach Davos auf Truth Social veröffentlichte, liest sich wie eine plumpe Charmeoffensive. Um nicht zu sagen: Schleimoffensive.

Ruttes Nachricht im Wortlaut

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Donald Trump veröffentliche Mark Ruttes Textnachricht in der Nacht auf Dienstag um kurz vor 2 Uhr morgens. Hier im Wortlaut:

«Mr. President, dear Donald – what you accomplished in Syria today is incredible. I will use my media engagements in Davos to highlight your work there, in Gaza, and in Ukraine. I am committed to finding a way forward on Greenland. Can't wait to see you. Yours, Mark.»

Deutsche Übersetzung:

«Herr Präsident, lieber Donald – was Sie in Syrien heute erreicht haben, ist unglaublich. Ich werde meine Medienauftritte in Davos nutzen, um Ihre Arbeit zu unterstreichen, dort, in Gaza und in der Ukraine. Ich bin entschlossen, in der Grönland-Frage einen Weg nach vorne zu finden. Ich kann es kaum erwarten, Sie zu sehen. Freundlich, Mark.»

Mark Rutte, Nato-Generalsekretär und mutmasslicher Autor der SMS, hat seine Urheberschaft weder bestätigt noch dementiert. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass Trump eine private Nachricht von ihm leakt. Gleiches passierte ihm nach dem Nato-Gipfel im vergangenen Juni. Der Tonfall der Nachricht war damals ähnlich.

Mark Rutte spricht am WEF vor blauer Hintergrundwand.
Legende: Lässt seinen Charme spielen – und wird dafür oft belächelt: Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Keystone / Gian Ehrenzeller

Nun, vor Donald Trumps Auftritt am WEF, profilierte sich Rutte einmal mehr – als «Meister der Unterwerfung, des Anbiederns und der Schmeicheleien». So drückt es Fredy Gsteiger aus, SRF-Korrespondent für internationale Diplomatie. Rutte hat für diese Strategie durchaus seine Gründe. Zum Ausstieg der USA aus der Nato kam es bisher nicht. Mehr als punktuelle Erfolge könne jedoch auch Rutte nicht verzeichnen, so Gsteiger.

Ursula von der Leyens kontrollierte Kritik

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen suchte in Davos eine andere Linie. Sie bezeichnete die US-Amerikaner als «nicht bloss Verbündete, sondern Freunde» – und warnte sie davor, sich gemeinsam in eine «Abwärtsspirale» zu stürzen. Die Antwort der Europäer werde «unerschrocken, geeint und verhältnismässig» sein. Es gelte, ein neues, unabhängiges Europa aufzubauen.

Je abhängiger man von den USA ist, desto schwächer ist die Verhandlungsposition.
Autor: Nora Meier Expertin für Verhandlungsstrategie

Europas Abhängigkeit von den USA – genau wegen dieses Stichworts tun sich die europäischen Staats- und Regierungschefs schwer, Trump offen zu kritisieren. «Je abhängiger man von den USA ist, desto schwächer ist die Verhandlungsposition» sagt Nora Meier, Expertin für Verhandlungsstrategie. Diese Abhängigkeit könne man versuchen zu reduzieren. Von der Leyen erwähnte abgeschlossene und geplante Freihandelsabkommen: mit Südamerika, Indien, den Philippinen oder der Schweiz.

Von der Leyen vor Rednerpult. Im Hintergrund das WEF-Logo.
Legende: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihrer Rede in Davos. Ob sie den richtigen Ton getroffen hat – darüber gehen die Meinungen auseinander. Keystone / Markus Schreiber

Macron sucht nach Augenhöhe

Von der Leyen brauchte 20 Minuten, um den US-Präsidenten beim Namen zu nennen. Emmanuel Macron erwähnte Donald Trump kein einziges Mal. Und doch äusserte Macron unter den Europäern die deutlichste Kritik, findet Nora Meier.

Auch eine Kurznachricht von Macron landete in den letzten Tagen auf Truth Social. Dort lobte er Trump zunächst für dessen Engagement im Iran und in Syrien. Dann folgte der Satz: «Ich verstehe nicht, was Sie in der Grönland-Frage machen.» Macron schlug deshalb ein G7-Treffen in Paris vor.

Macron und die «Handels-Bazooka»

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Im Zuge des Grönland-Konflikts hat Donald Trump acht EU-Staaten mit neuen Strafzöllen gedroht. Nun diskutiert die EU, ob sie ihr schärfstes Gegenmittel einsetzen soll: das «Anti-Coercion-Instrument» (ACI), auch bekannt als «Handels-Bazooka».

Ist das ACI aktiviert, hat die EU-Kommission eine Freikarte für weitreichende wirtschaftliche Sanktionen. Sie könnte zum Beispiel neue Zölle auf US-Produkte verhängen oder US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausschliessen.

Zu den prominentesten Fürsprechern der «Handels-Bazooka» zählt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die EU will am Donnerstag über das weitere Vorgehen entscheiden.

Das sei «Kritik eingebetettet in einen konstruktiven Vorschlag», findet Nora Meier. Die Expertin erklärt auch: Macron hat in der EU eine andere Rolle als etwa von der Leyen – und versucht mit dieser Kritik wohl auch, seine Stellung innerhalb der EU zu stärken.

Emmanuel Macron mit blauer Pilotenbrille.
Legende: «Cool and focused», diese Devise gab Emmanuel Macron für Europa aus. Die blau-getönte Sonnenbrille trug er wegen einer Augenenzündung. Keystone / Markus Schreiber

Und die Schweiz? Wartet ab

Die EU-Mitglieder diskutieren, was sie Trump im Grönland-Streit entgegensetzen wollen. Die Schweiz wiederum sieht Nora Meier in einer abwartenden Haltung. Sie möchte in Davos einen Zoll-Vertrag mit den USA abschliessen.

Guy Parmelin neben Schweizer Flagge im «House of Switzerland» am WEF
Legende: Bundespräsident Guy Parmelin bei einer Veranstaltung am WEF. Die Schweiz hofft, in Davos noch einen Zoll-Vertrag mit den USA unter Dach und Fach zu bringen. Keystone / Laurent Gillieron

Generell sollte die Schweiz gegenüber den USA nicht auf einen «Sympathiebonus» hoffen, erklärt SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger. Die Schweizer Neutralität sei in den USA noch nie auf Verständnis gestossen – weder bei den Republikanern noch bei den Demokraten.

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SRF 4 News, 21.01.2026, 16:45 Uhr ; 

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