Was ist passiert? In Österreich steht der ehemaliger Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Egisto Ott vor Gericht, weil er für Russland spioniert haben soll. Für Ott gilt die Unschuldsvermutung. Die Straftaten, für die sich Ott jetzt verantworten muss, sollen alle nach 2017 begangen worden sein.
Wie gross ist der Fall? Dazu sagt SRF-Österreich-Korrespondent Peter Voegeli: «Egisto Ott soll Teil eines umfangreichen und gefährlichen Spionagenetzwerkes in Österreich gewesen sein. Er soll eng mit dem damaligen Abteilungsleiter für Extremismus, Nachrichtendienste und Terrorismus zusammengearbeitet haben.» Dieser Mann heisst Martin Weiss. Er hat sich in zwischen nach Dubai abgesetzt. Auch die mutmassliche Zusammenarbeit mit Jan Marsalek zeigt die Dimension des Falls: Marsalek lebt nun in Moskau, arbeitet mit dem Geheimdienst FSB zusammen und war Chef einer bulgarischen Gruppe von Spionen. Sie standen letztes Jahr in London vor Gericht.
Wie verteidigt sich Ott vor Gericht? Der Angeklagte plädiert auf nicht schuldig. Otts Verteidigerin bestritt, dass der Ex-Verfassungsschützer für Moskau gearbeitet habe. Für seine Recherchen habe es legitime Gründe gegeben, unter anderem eine geheime Operation im Auftrag eines westlichen Dienstes. Es gebe auch keine Beweise, dass die angeblich belastenden Chatnachrichten wirklich von Marsalek stammen, sagte sie. Ott sagte weiter aus, die Handys, die er den Russen übergeben habe, habe er vor der Übergabe mit Säure zerstört, mehr dürfe er nicht sagen. Neben Ott ist ein weiterer ehemaliger Verfassungsschützer als sein mutmasslicher Helfer angeklagt. Auch er bekannte sich als nicht schuldig.
Wie bedeutend ist dieser Fall für Österreich? Dieser Fall habe eine sehr grosse Bedeutung für die Republik Österreich, sagt SRF-Korrespondent Peter Voegeli. «Es stellt sich die Frage, wie sehr war und ist Österreich vom russischen Geheimdienst unterwandert?» Bereits 2017 wurden die österreichischen Behörden von einem befreundeten Geheimdienst auf Ott aufmerksam gemacht. Doch die Straftaten, für die sich Ott jetzt verantworten muss, sollen alle nach 2017 begangen worden sein.
Welche Strafe droht dem Angeklagten? Möglich wäre in Österreich eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren für Spionage. In der Schweiz ist die Höchststrafe für Spionage drei Jahre Haft. Für Landesverrat sind es in der Schweiz fünf Jahre.
Wie lange dauert die Gerichtsverhandlung noch? Insgesamt sind für den Prozess zehn Verhandlungstage geplant.