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Gespräche in Afghanistan USA ringen den Taliban Garantien ab

Kein Hort mehr für internationale Dschihadisten: Die afghanischen Islamisten haben aus der Geschichte gelernt.

Legende: Audio Warum Friedengesgespräche ohne die afghanische Regierung? abspielen. Laufzeit 05:23 Minuten.
05:23 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.01.2019.

In Gesprächen zwischen den USA und den Taliban ist es laut dem US-Delegationsleiter Zalmay Khalilzad zu einer Einigung gekommen. Die Taliban wollten garantieren, dass Afghanistan nicht von internationalen Terrorgruppen als Rückzugsort benutzt werde. Der amtierende US-Verteidigungsminister, Patrick Shanahan, beurteilt die Fortschritte als «ermutigend», wie er am Rande eines Treffens mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte.

Taliban sollen mit der Regierung reden

Die Gespräche zwischen den USA und den Taliban in Afghanistan laufen seit Mitte des letzten Jahres. Das Ziel dieser Verhandlungen ist, dass die Taliban sich direkt mit der afghanischen Regierung an den Verhandlungstisch setzen. Dieses Ziel rückt mit dem Grundsatz des Abkommens, den die Taliban akzeptiert haben, näher.

Das Versprechen der Taliban, dass sich Al-Kaida und andere Terrorgruppen nicht wieder in Afghanistan einnisten dürften, könnte dazu führen, dass die USA ihre Truppen ganz aus dem Land abziehen. Die Taliban würden im Gegenzug einem Waffenstillstand und direkten Gesprächen mit der Regierung zustimmen. Der Truppenabzug der USA ist im Sinne von US-Präsident Donald Trump.

Blockade aufbrechen

Dass die USA überhaupt mit den Taliban ohne Anwesenheit der afghanischen Regierung verhandeln, erklärt Afghanistan-Experte Thomas Ruttig, Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network, so: «Die USA haben akzeptiert, dass es zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung eine Blockade gibt. Diese versuchten die USA zu durchbrechen.» Dies sei ihr nun gelungen, sagt Ruttig.

Nach Bekanntwerden des Durchbruchs wandte sich der afghanische Präsident in einer Fernsehansprache an die Taliban. «Mit dieser Ansprache wollte er den USA signalisieren, dass er nicht will, dass die USA und die Taliban ein Abkommen aushandeln, dem die Regierung anschliessend nur noch zustimmen kann.»

Taliban haben eine rein nationale Agenda

2001 marschierten die USA in Afghanistan ein, weil das Land der Terrororganisation Al-Kaida mutmasslich Unterschlupf gegeben hat. «Daraus haben die Taliban gelernt», sagt der Afghanistan-Experte. Den Taliban sei klar, dass Terrororganisationen wie Al-Kaida international nur unliebsame Aufmerksamkeit auf Afghanistan ziehen würden.

Den Taliban gehe es um die Macht im Land selbst, sie seien nie an internationalen Terrorakten beteiligt gewesen. «Sie wollen das Land – zusammen mit den anderen Parteien, von denen manche auch islamistisch sind – nach ihrem Modell umbauen», sagt Ruttig.

Frauen, jüngere Menschen und Gebildete sehen auch genau darin das Problem, so der Experte. «Sie befürchten, dass die demokratischen Rechte, die in den letzten 17 Jahren zumindest ansatzweise umgesetzt worden sind, wieder verloren gehen.»

Frauenrechte und Männerseelen in Afghanistan

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Eine Frau in einer afghanischen, blauen Burka
Legende:Keystone

Afghanische Männer sind dagegen, Frauen mehr Freiheiten zu gewähren. Zwei von drei sind gar der Meinung, sie hätten bereits zu viel. Dies ist das Resultat eine Studie, die von der Organisation Promundo und UN-Women, der Organisation für Gleichberechtigung der UNO, veröffentlicht wurde.

Die Studie, die unter 2000 Erwachsenen durchgeführt wurde, weist nicht nur auf eine Kluft zwischen Männern und Frauen hin, sondern auch auf eine zwischen jüngeren Männern und älteren Männern. Jüngere Männer stehen Frauenrechten noch widerwilliger gegenüber als ältere. Der Studienautor Gary Barker erklärt dies einerseits mit den Schwierigkeiten junger Männer, Arbeit und Stabilität – und somit Identität – in einem armen und kriegsgeplagten Land zu finden, andererseits wurde dieser Teil der Gesellschaft unter dem Regime der Taliban 1996 bis 2001 durch frauenfeindliche islamistische Lehren geprägt.

Zwei Drittel der Männer sind der Meinung, dass die Frauen in Afghanistan zu viele Rechte haben und dass Frauen zu emotional seien, um Führungspositionen einzunehmen. Diese Ansicht teilen weniger als ein Drittel der Frauen. Drei Viertel der Frauen sind der Meinung, verheiratete Frauen sollten wie ihre Männer ausserhalb des Hauses arbeiten dürfen. Damit sind nur 15 Prozent der Männer einverstanden.

Die Autoren möchten Programme mit progressiven geistlichen Führern initiieren, um gleiche Rechte zwischen den Geschlechtern zu vermitteln. Sie weisen darauf hin, dass dies aber nichts bringen werde, «wenn man sich nicht gleichzeitig um die Seelen der Männer kümmert.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler (Capten Demokratie)
    Wir verhandeln nicht mit Terroristen ist halt nur ein TV spruch. Wie dies jedoch möglich ist ausgerechnet mit denn Taliban zu verhandeln ist erstaunlich. Das Ist doch Al Kaida, die haben 9/11 geplant und durchgeführt auch wenn keiner der Attentäter Taliban war. Ich weiss nicht wie, aber so hiess es als der Krieg begannt. Wie kann Mann mit 9/11 Terroristen verhandeln? Ich hoffe mann erkennt das Satierische im Kommentar. „Die Tanliban sind ihre Lektion gelernt“ uch vinde es witzig
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Den einheimischen Quislingen und fremden US-Pudeln wird's einmal mehr an den Kragen gehen, wenn die Amis einmal mehr Fersengeld geben. Im Gegensatz zu den Sowjets, welche ueber eine direkte Landverbindung ihren Abzug aus Afganistan mit Panzerbrigaden decken konnten, werden die Soeldner der US-Pudel nach dem Abflug der Amis in der Falle stecken bleiben....
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Tönt im ersten Moment gut. Ich zweifle jedoch daran, dass der Umbau der afghanischen Gesellschaft nach dem Taliban-Modell und das Ausschliessen islamistischen Extremismus (und damit auch des Unterschlupfs für Al-Kaida und Anverwandte) miteinander vereinbar sind. Dafür verlaufen die Grenzen zu fliessend und darum eine Abgrenzung kaum möglich. Eine Planung von internationalen Terroraktionen kann nach wie vor auf afghanischem Boden geschehen; die Ausführenden müssen nicht aus Afghanistan kommen.
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