Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Eskalation im Nahostkonflikt: Das gleiche Muster wie immer abspielen. Laufzeit 06:40 Minuten.
06:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.05.2019.
Inhalt

Gewaltausbruch im Nahen Osten «Die Leute in Tel Aviv benehmen sich, als ob nichts wäre»

Im wiederaufgeflammten Gaza-Konflikt deutet sich eine Entspannung an. Nach dem schweren Gewaltausbruch über das Wochenende hat die radikalislamische Hamas Bereitschaft für eine Waffenruhe signalisiert. SRF-Nahost-Korrespondentin Susanne Brunner ist vor Ort und erklärt die Lage.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus.

Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als USA-Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» zudem Fernseherfahrung gesammelt.

SRF News: Was bedeutet es, wenn die Hamas sagt, sie sei für eine Waffenruhe bereit?

Susanne Brunner: Es ist immer das gleiche Muster. Erst gibt es eine Eskalation, nach ein paar Tagen sagt die Hamas, es gäbe eine Waffenruhe, sie sei dazu bereit. Die israelischen Behörden bestätigen das aber nicht. Irgendwie kommt es dann doch zur Entspannung – bis zur nächsten Eskalation.

Vor allem der südliche Teil Israels war von diesem Raketenbeschuss betroffen. Wie ist die Stimmung im Land?

Ich bin im Moment in Tel Aviv. Jeder Radio- und jeder Fernsehsender berichtet über die Eskalation im Süden. Es sind nicht Gemeinden an der Grenze zu Gaza, sondern es sind Städte im Kernland Israels. Aber die Leute in Tel Aviv benehmen sich so, als ob nichts wäre. Anders könnte man hier gar nicht leben. Seit Jahrzehnten leben die Israelis mit solchen Eskalationen.

Die Leute leiden unter einer Wirtschaftsblockade.

Was will denn die Hamas mit dieser neuesten Eskalation erreichen?

Nach der letzten Eskalation gab es ein Abkommen mit Israel. Die Palästinenser sagen, Israel habe seinen Teil davon nicht erfüllt. Die Leute leiden unter einer Wirtschaftsblockade, sowohl von Ägypten als auch von Israel. Oft können die nötigsten Güter nicht eingeführt werden. Waffen schaffen es aber trotzdem jederzeit in den Gazastreifen. Für Israel ist es ein schlechter Moment, von der Hamas so getroffen zu werden. In zwei Wochen ist der Eurovision Song Contest. Seinerzeit hat Israel gesagt, dass einige zehntausend Touristen deswegen nach Israel kommen würden. Im Moment geht man eher davon aus, dass es etwa 5000 sein werden.

Die Hamas schiesst Raketen auf Israel. Israel schlägt zurück. Ist die Hamas denn überhaupt stark genug für eine direkte Konfrontation mit Israel?

Es kommt drauf an, wie man «stark» definiert. 700 Raketen abschiessen zu können, zeugt von einem grossen Waffenarsenal, aber gleichzeitig nützt es nichts.

Es gibt keine andere Lösung, als irgendwann eine politische Lösung zu finden.

Israel ist militärisch viel stärker als die Hamas. Beim letzten Gaza-Krieg 2014 gab es nur Tod und Zerstörung. Dieser Krieg hat die Lebensbedingungen der Menschen im Gaza-Streifen nochmals verschlechtert – auch abgesehen von den vielen Familien, die Menschen verloren haben. Es gibt keine andere Lösung, als irgendwann eine politische Lösung zu finden. Die kann man nicht einfach «herbeibomben».

Stehen die Menschen im Gaza-Streifen hinter dem Vorgehen der Hamas?

Auch im Gazastreifen sind die Menschen gespalten. Viele Palästinenser stehen nicht hinter der Hamas. Zum Beispiel die christlichen, die können sich nicht mit einer radikalislamischen Organisation identifizieren. Aber gleichzeitig befremdet sie auch das Vorgehen Israels. Und sie unterstützen das Ziel der Palästinenser, ein eigenes Land zu erhalten und nicht mehr unter Unterdrückung zu leben.

Die Gewaltspirale dreht weiter im Gazastreifen. Wie könnte eine nächste Eskalation verhindert werden?

Es wird immer wieder Eskalationen geben. Da können alle Friedensbemühungen der Welt nichts daran ändern, wenn es keine politische Lösung gibt. Diesmal ist es vielleicht schwieriger, denn die Leute haben genug. Sie können nicht leben, wenn sie alle fünf Minuten in einen Luftschutzkeller rennen und ständig Angst haben müssen, dass ihre Kinder nicht mehr von der Schule heimkommen.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

23 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Insofern wie es keinerlei Mangel an Waffenimporten nach Gaza gibt, fehlt mir immer mehr der Glaube, dass all diese Probleme von der Blockade herkommen. Wenn die Leute in Gaza mit demselben Eifer wie sie Waffen schmuggeln und bauen an der Versorgung der Leute arbeiten würden, das Elend wäre offenbar nicht hab so gross.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Soweit bekannt werden die USA im Juni mit einem Vorschlag kommen., Abwarten was das bedeutet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Reto Derungs (rede)
    Die Aussage von Susanne Brunner, dass Lebensmittel nie, Waffen aber immer in den Gazastreifen gelangen lässt aufhorchen. Das heisst also, das die Hamas logistisch und finanziell in der Lage wäre, genügend Lebensmittel und Medikamente in den Gazastreifen zu holen. Aber sie besorgen sich lieber Waffen und Munition. Das zeigt einmal mehr, das die Hamas keinerlei Interessen daran hat, die Situation der Menschen im Gazastreifen zu verbessern. Das einzige Ziel ist Krieg und Elend.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Nein, es gelangt nichts in den Gaza Streifen ohne wissen Israel. Gaza ist vom Swift System ausgeschlossen, heisst es gibt auch neine Bankverbindung nach Gaza die nicht über Israel läuft. Jeder Rappen in Gaza wird von Israel freigegeben. Die Raketen bauen sie aus Haushalts material. Das sind bessere Augustböller. Dia Hamas Regiert mit Israels Gnaden, ist aber Strategisch wichtig für Israel. Weder Gaza, Westbank nich Israel ist Demokratisch. Israel wegen den besetzten gebiete nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Stefan Trasser (chiggifan)
      @Marc Bühler: glauben Sie wirklich, was Sie da schreiben? Wegen den besseren Augustböllern aus Haushaltmaterial gibt es einen Iron Dome? Deswegen rennen die Israelis dauernd in ihre bomb shelters? Die toten Israelis starben an Augustböllern?
      Naja, wenn ein Leben in Fake News Sie glücklich macht...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Andrew Simon (A. Simon)
      @M. Bühler: Bei den von Ihnen genannten "Augustböllern" handelt es sich vorw. um Kassam-Raketen, die um die 10kg Sprengstoff tragen und ein Haus zerstören können. Ihre Aussage aus der warmen Schweizer Stube ist einfach nur deplaziert! Es ist eine Tatsache, dass Hamas mit Unterstützung v.a. aus Iran und Katar das nötige Kleingeld und Material dafür kriegt. Medizinische Versorgung und Nahrungsmittel übernimmt dann Israel. Vielleicht sollten sie sich (endlich mal) ein Bild vor Ort machen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Matthias Jundt (M. Jundt)
      an Marc Bühler:
      Also sind die Waffen ein Geschenk anderer Länder, das irgendwie in den Gaza-Streifen geschmuggelt wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen