Zum Inhalt springen

Header

Audio
Nacht der Gewalt in Israel
Aus Rendez-vous vom 12.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
Inhalt

Gewalteskalation in Nahost Zerreissprobe für jüdische und arabische Israelis

Die militärische Gewalt führt auch zu heftigen Krawallen arabischer Jugendlicher. Opfer sind jüdische Bewohner und Synagogen – wie etwa in Lod.

Die Stadt Lod liegt etwa 20 Kilometer östlich von Tel Aviv. Rund 75'000 Menschen leben hier. Die Mehrheit ist jüdisch, rund 30 Prozent machen arabisch-israelische Bürgerinnen und Bürger aus.

Der Gewaltausbruch der letzten Tage hat Lod weltweit in die Schlagzeilen gebracht. Erst letzte Nacht gingen randalierende arabische Jugendliche auf ein jüdisches Viertel los und versetzten die Menschen in Angst und Schrecken. Sie schändeten eine Synagoge und steckten sie in Brand.

Rechtsextreme jüdische Siedler

Augenzeuge der Ereignisse in Lod ist Mahmoud Muhareb. Er ist Universitätsprofessor und Politiker der israelisch-arabischen Balad-Partei in der Stadt. Die Gewalt arabischer Jugendlicher gegen jüdische Mitbewohner und ihre Einrichtungen letzte Nacht verurteilt er klar: «Wir sind gegen Gewalt gegen Juden und Jüdinnen. Wir wollen in Frieden leben», sagt er.

Zwei Männer tragen Thora aus einer Brandruine.
Legende: Auch eine Synagoge wurde in Lod in Brand gesteckt. Keystone

Er erzählt, was zur Gewalt geführt hat: In den letzten zehn Jahren – also etwa, seitdem Benjamin Netanjahu Premier Israels ist – seien immer mehr religiös-nationalistische jüdische Siedler in die Stadt gekommen. Viele von ihnen seien rechtsextreme, rassistische Kahanisten.

Palästinenser bei Protesten erschossen

Als palästinensische Jugendliche vor einigen Tagen auch in Lod wegen der Ereignisse in Jerusalem demonstriert hätten, sei es nach einer Zunahme der Spannungen zwischen den Siedlern und dem Rest der Bevölkerung, zum Eklat gekommen. Ein Siedler erschoss einen palästinensischen Mann.

«Bürgerkrieg» in Lod

Box aufklappenBox zuklappen

Nach Medienberichten schändeten arabische Einwohner in Lod eine Synagoge und setzten sie in Brand. Ausserdem seien Dutzende Autos in Brand gesetzt und Fenster von Geschäften eingeworfen worden. Der Bürgermeister von Lod sprach im Fernsehen von einem «Bürgerkrieg» in der Stadt und forderte eine sofortige Ausgangssperre. Um für Ruhe zu sorgen, wurden zahlreiche weitere Polizeitruppen in die Stadt geschickt. (sda)

Die israelische Polizei habe zugeschaut und den Täter erst am folgenden Tag verhaftet, als es erneut zu Protesten gekommen sei, sagt der israelisch-arabische Professor und Politiker.

Als der junge Mann beerdigt wurde, kamen auch Jüdinnen und Juden, um ihr Beileid auszudrücken. Was passiert sei, sei tragisch, sagt die jüdische Projektentwicklerin Nathali Kirshtein. Sie wohnt seit 20 Jahren in Lod.

Von der Politik provozierte Situation?

Die Gewalteskalation der vergangenen Nacht, die sich gegen die jüdische Bevölkerung richtet, macht sie wütend. «Ich habe gemischte Gefühle: Weil mein Daheim, meine Stadt zerstört wird, ich bin frustriert und wütend.» Doch sie sei nicht in erster Linie wütend auf die Araber in ihrer Stadt.

«Ich bin wütend auf die Politik, auf die Institutionen: Warum bringen sie Nationalisten und Extremisten in unsere Stadt? Sie befehlen hier, sie lösen Gewalt aus.» Klar, in Lod habe es immer mal wieder Spannungen gegeben. Sie sei eine arme Stadt, ein hartes Pflaster.

«Aber diese Gruppe von neuen Bewohnern diskriminiert die arabische Bevölkerung systematisch», sagt Kirshtein. Und nach der Gewalteskalation sei ihr klar, dass dies von der Politik gewollt sei.

Rakete tötet Vater und Tochter

Letzte Nacht erlebte Lod beispiellose Gewalt – aber nicht nur durch die arabischen Jugendlichen, die die jüdische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten. Es starben auch zwei Menschen durch den Raketenbeschuss aus Gaza.

Ein Vater und seine 16-jährige Tochter – arabische Israelis – fielen einer der Bomben zum Opfer. Sie hätten keinen Luftschutzkeller bauen dürfen, weil es ihnen die israelischen Behörden verboten hätten, sagt Muhareb.

In Lod trauern arabische und jüdische Bürgerinnen und Bürger heute gemeinsam. Und hoffen, dass sie die Gewalt nicht so entzweit, dass sie in Zukunft nicht mehr zusammenleben können.

Video
Gefährliche Zuspitzung zwischen arabischen und jüdischen Israelis
Aus 10 vor 10 vom 12.05.2021.
abspielen

SRF 4 News, Rendez-vous vom 12.5.2021, 12.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Leider hat es auf beiden Seiten solche, die keinen Frieden wollen. Das ist mir klar geworden, als damals Yitzhak Rabin ermordet wurde. Das war einer der deprimierendsten Taten, die ich je erleben musste.
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Es lohnt sich, den ganzen Radiobeitrag von Susanne Brunner anzuhören, gerade auch mit den eingeblendeten Stimmen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Frau Brunner bedanken. Sie hat sich wohl sicher bei ihrem Stellenantritt im Nahen Osten manches anders vorgestellt, sei es Jordanien, sei es Libanon, ganz gewiss aber Israel. Weiterhin alles Gute!
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Israel ist ein Stück weit ähnlich wie Bosnien-Herzegowina.
    Ein 3-Parteienkonflikt, in dem wohl nie so wirklich Frieden herrschen wird.

    Nur "Waffenstillstände".