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Nach dem Fall Nawalny: Drohen nun Sanktionen der EU gegen Russland?
Aus Tagesschau vom 03.09.2020.
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Gift gegen Oppositionelle Kremlgegner wie Nawalny leben gefährlich

Immer wieder gibt es Kremlgegner, die mit Vergiftungen im Spital landen. Ein Überblick.

Noch immer liegt der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny auf der Intensivstation. Nach Erkenntnissen des Berliner Krankenhauses Charité wurde Nawalny mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet.

Nervengifte der Nowitschok-Gruppe kann man nicht im Heim-Labor zusammenmischen oder auf dem Schwarzmarkt kaufen. Zu solchen Giften haben nur gut vernetzte Leute Zugriff. In Russland wären das die Geheimdienste oder die Armee. Beweise gibt es keine, dass der Kreml oder gar Präsident Putin persönlich in den Giftanschlag verwickelt sind.

Litwinenko, Skripal und weitere Akteure

Der Fall Nawalny weckt in Russland einige Erinnerungen. Denn auf den Anti-Korruptions-Kämpfer hatte es in der Vergangenheit schon Anschläge gegeben. So musste Nawalny vor einem Jahr während seiner Haftstrafe in einem Krankenhaus angeblich wegen eines «Allergieschocks» behandelt werden.

Und der 44-Jährige ist längst nicht der einzige Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin, der in den vergangenen Jahren mit Vergiftungserscheinungen ins Spital eingewiesen werden musste.

Litwinenko liegt im Spitalbett, ohne Haare und sehr kränklich.
Legende: Das Bild, welches Alexander Litwinenko kurz vor seinem Tod im Spital zeigt, ging um die Welt. Getty Images

Das wohl bekannteste Beispiel ist Alexander Litwinenko. Der russische Ex-Spion und Regierungskritiker starb 2006 in London an einer Vergiftung durch Polonium, nachdem er mit ehemaligen KGB-Agenten Tee getrunken hatte. Eine offizielle Abklärung der Todesursache gab es nie. Litwinenko war sich aber sicher, dass die russische Regierung dahinter steckt.

Ebenfalls bekannt ist der Fall des früheren russischen Doppelagent Sergej Skripal und seiner Tochter Julia. Die beiden wurden Anfang 2018 in der englischen Stadt Salisbury Opfer eines Giftanschlages und entrannen nur knapp dem Tod. Zweifelsfrei aufgeklärt wurde auch dieser Anschlag nie. Da das Nervengift Nowitschok jedoch in der Sowjetunion entwickelt wurde, wird eine Beteiligung Russlands nicht ausgeschlossen.

Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow sitzt nach einem Interviewtermin in einer Berliner Wohnung auf einer Treppe.
Legende: Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow wurde 2018 wegen Vergiftungserscheinungen in Berlin behandelt. Keystone

Ein weiterer Fall, der Parallelen zu Nawalny aufweist, ist derjenige des Aktivisten Pjotr Wersilow. Das Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot war vor zwei Jahren wegen einer Vergiftung aus Moskau zur Behandlung nach Berlin geholt worden. Wersilow verdächtigte 2018 den russischen Geheimdienst, ihn vergiftet zu haben.

Nachdem Alexej Nawalny ins Spital eingewiesen wurde, meldete sich zudem ein russischer Oppositionspolitiker zu Wort, der selber bereits zwei Giftanschläge überlebt hat: Wladimir Kara-Mursa, ehemaliger Berater des 2015 in Moskau erschossenen Oppositionspolitikers Boris Nemzow.

Wladimir Kara-Mursa spricht an einem Rednerpult.
Legende: Der russische Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa überlebte zwei Giftanschläge. Reuters

«Giftanschläge sind für Menschen, die gegen politische Gegner Putins vorgehen, zu einem Lieblingswerkzeug geworden», sagte Wladimir Kara-Mursa gestern vor den Medien. Er selber wurde 2015 und 2017 wegen Vergiftungserscheinungen in Moskau ins Spital eingewiesen. Aufgeklärt wurden die Fälle nie zweifelsfrei.

Es bleiben viele Fragen offen

Tragisch ist auch der Fall eines Russen in London. So starb der russische Geschäftsmann und Informant Alexander Perepilitschni 2012 beim Joggen. Eine spätere Untersuchung förderte Spuren eines Pflanzengifts in seinem Magen zutage, ein britischer Untersuchungsrichter zog diese Erkenntnisse jedoch wieder zurück.

Die russische Regierung hat in der Vergangenheit wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, sie lasse unliebsame Personen mit Gift aus dem Weg schaffen. Doch es gibt neben ungeklärten Vergiftungen auch Fälle von erschossenen russischen Oppositionellen, die nie aufgeklärt wurden.

Tagesschau, 21.08.2020, 12:34 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Solange es im Westen Menschen geben wird, welche den Kreml politisch, technologisch und finanztechnisch unterstützen, wird er mit Mordversuchen seiner Opponenten nicht aufhören. Das Problem: Weder die EU noch die ihr assoziierten Mitglieder haben eine Russlandstrategie. Es herrscht die übliche Meinungs-Kakofonie, weil fast alle irgendwie auch noch mehr oder weniger lukrative Geschäftsbeziehungen zum Kreml haben. Harte Sanktionen wären längst überfällig. Alles andere ist westliche Heuchelei.
    1. Antwort von Dani Maler  (Damal)
      So lange es im Westen Menschen gibt, die mit allen Mitteln ihren willen in anderen Ländern durchsetzen wollen, wird es keinen Frieden geben. Harte Sanktionen gegen den Westen wären längst überfällig. Alles andere ist Heuchlerei.
    2. Antwort von Margrit Berger  (mberger)
      Dani Maler, ich stimme Ihnen zu, dass im "Westen" heuchlerisch argumentiert wird. Leider wurden einige meiner Posts, in denen ich moderat meine Meinung geäussert habe, nicht aufgeschaltet werden oder wenn, dann sehr verspätet. Es scheint, dass die Posts, welche den Kommentatoren nicht zustimmen, nicht erwünscht sind.
  • Kommentar von Brigitta Kempf  (WellCon)
    Navalny ist für Russland ungefährlich. Seine Organisation wird jedoch von auffällig vielen westlichen Grössen finanziell unterstützt ...? Spannend Deutsche Ärzte durften schnell und unkompliziert zu ihm nach Russland! Sie fanden kein Gift. Wie steht es um seine sonstige Gesundheit? Seit Jahren in ärztlicher Behandlung wegen Herzthemen. Wer hätte den größten Nutzen aus einem Giftskandal? Russland oder Deutschland? Denken und guter Hintergrundjournalismus wäre angesagt.
  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    Es werden genüsslich Vorurteile gepflegt. Wieder mal eine Breitseite gegen RF. Unruhen in der Ukraine, Belarus, und weil das nicht genügt, wieder mal ein völlig unbewiesenes Giftattentat aus der Mottenkiste gegen einen Putinkritiker. Nawalny meinte, als er zu Massenprotesten aufrief, man müsse Druck auf die Regierung ausüben, dazu wird smart die westliche Voreingenommenheit benutzt. Wer und was hinter seiner Erkrankung steckt, wissen wir alle nicht. Bei seinen Auftritten ist auch Covid19 möglich