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Durchzogene Bilanz zum Gratis-ÖV in Tallinn
Aus HeuteMorgen vom 19.05.2020.
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Gratis-ÖV in Estland Weniger Autos, faulere Kinder

Estland ist Vorreiter: Viele Städte und Provinzen setzen seit Jahren auf ein kostenloses Bus- und Tramangebot für ihre Einwohnerinnen und Einwohner. Eine Studie der Universität Tallinn zieht eine gemischte Bilanz dazu.

In der estnischen Hauptstadt Tallinn zahlen die Einwohnerinnen und Einwohner für die grüne ÖV-Karte einmalig zwei Euro. Dazu müssen sie ihre Wohnadresse angeben. Anschliessend können sie kostenlos mit den Trams und Bussen fahren. Besucherinnen und Besucher von ausserhalb bezahlen den normalen Tarif von zwei Euro pro Fahrt.

Diese freie Fahrt für die knapp 500'000 Bewohnerinnen und Bewohner von Tallinn gibt es seit sieben Jahren. Das Modell hat sich inzwischen in grossen Teilen Estlands durchgesetzt, sagt Tallinns Vizebürgermeister Taavi Aas. Elf der 15 Provinzen haben es nach dem Modell Tallinns eingeführt.

Bei der Bevölkerung kommt der kostenlose ÖV gut an. Die Menschen können dadurch Geld sparen. Für eine ganze Arbeiterfamilie mit mehreren Kindern kommen so schon einmal 50 bis 100 Euro an Ersparnissen pro Monat zusammen.

5 Prozent weniger Verkehr

Die Universität Tallinn hat den Gratis-ÖV untersucht und nun eine erste Mehrjahresstudie veröffentlicht. Es gebe Vor- und Nachteile.

Zu den Vorteilen gehörten die erwähnten Ersparnisse für die sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen sowie der Rückgang des Individualverkehrs im Stadtzentrum von gut 5 Prozent.

Luxemburg: Freie Fahrt seit Februar

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Als erstes Land der Welt hat Luxemburg alle öffentlichen Verkehrsmittel gratis gemacht: Seit Ende Februar braucht es für Bus, Bahn und Tram keine Tickets mehr.

Luxemburgs Mobilitätsminister François Bausch/Grüne hoffte zum Start, dass das Gratis-Angebot viele Menschen zum Umsteigen vom Auto auf den Öffentlichen Verkehr bewegt. Das Land leide zunehmend unter chronischen Staus und übervollen Strassen.

Der kostenfreie Transport ist Teil eines grossen Konzepts zur Verkehrswende in Luxemburg. Parallel dazu werden Bus- und Bahnlinien ausgebaut. Allein auf der Schiene investiert das Land von 2018 bis 2027 gut vier Milliarden Euro.

Der Gratis-ÖV bedeutet für den Luxemburger Staat Mehrausgaben von 41 Millionen Euro im Jahr.

Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs stiegt um fast 20 Prozent. Dies habe jedoch auch dazu geführt, dass viele Tram- und Buslinien in den Pendlerzeiten Kapazitätsengpässe haben.

Ein weiterer Nachteil sei, dass viele Kinder und Jugendliche auf den ÖV umgestiegen sind, statt zu Fuss oder per Velo in die Schule zu gehen. Dies sei nicht unbedingt gut für die Gesundheit, so die Studie, weil ihnen dann die tägliche Bewegung fehle.

Mehr Steuerzahlerinnen und Steuerzahler

Finanziell hat sich die Reform für Tallinn jedoch gelohnt. Weil Personen, die in Genuss des Gratis-ÖV kommen wollen, eine gültige Wohnadresse angeben müssen, ist die Zahl der in der Stadt gemeldeten Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gestiegen.

Diese Mehreinnahmen an Steuern übersteigen den Ausfall der Ticketeinnahmen im ÖV in Tallinn.

Heute Morgen, 06:00 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Vor ca. 30 Jahren waren für ein Jahr die Postautos in Liechtenstein gratis. Heute gibt es gratis Wifi:-)
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Vorsicht mit der Bezeichnung "faulere Kinder": 1) legt man innerhalb von Tallin schnell mal 15-20 km zurück. 2) wenn das ÖV-Netz eh sehr dicht geworden ist, dann würde ich gerne mal die CH-Meinungen hören, ob Kinder mit Velo dort auf den Strassen gern gesehen werden. Prise Salz: Tallin liegt direkt am Meer, schön kalt, ein Schwumm dort macht sicher die fehlende Velofahrt wett. So schlimm wird es wohl um die Gesundheit nicht geworden sein, Estland als Bildungsnation funktioniert hervorragend.
  • Kommentar von Damian Derungs  (Domino)
    Nichts ist gratis, nun dürfen einfach alle mehr steuern zahlen. Sind wir mal ehrlich beinuns sind die öv jetzt schon an den grenzen zu stosszeiten und würden sie nicht mit unmengen an geld aus lsva und strassensteuern querfinanziert auch unbezahlbar. Die öv sind eine gute sache jedoch nicht für alle und es ist ein märchen dass sie billiger kommen als der Individualverkehr. Man sehe sich die öv preise an und bedenke die steuern auf benzin und diesel, die nicht nötig sind
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      der ÖV ist schon günstiger aber nicht natürlich, sondern durch massive Subvention.