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Eskalation an der Grenze zwischen Indien und China
Aus Echo der Zeit vom 16.06.2020.
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Grenzregion Ladakh Gewaltsame Zusammenstösse zwischen China und Indien – 20 Tote

  • Bei einem bewaffneten Zusammenstoss zwischen Truppen Chinas und Indiens sind 20 indische Soldaten ums Leben gekommen.
  • Der Zwischenfall hat sich an der umstrittenen Grenzregion Ladakh im Himalaja ereignet.
  • Indien und China machen das jeweils andere Land für die Zusammenstösse verantwortlich.
  • An der Grenze hatten die Spannungen in den vergangenen Wochen stark zugenommen – Tote gab es aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Indien meldete nach den Kämpfen 20 tote Soldaten. 17 von ihnen seien gestorben, nachdem sie beim Zwischenfall von Montagnacht schwer verwundet wurden und Temperaturen von unter null Grad und grosser Höhe ausgesetzt waren.

Bei der gewaltsamen Auseinandersetzung habe es auch Opfer auf chinesischer Seite gegeben, schrieb die staatliche chinesischen Zeitung «Global Times». Mehr als 43 chinesische Soldaten seien schwer verletzt oder getötet worden, schrieb die indische Nachrichtenagentur ANI unter Berufung auf Kreise in der indischen Regierung.

Grund der Konfrontation

Hintergrund der jüngsten Spannungen könnte der Bau einer Strasse im umstrittenen Grenzgebiet sein, die die indische Armee durch das Berggebiet baut. Umgekehrt hat aber auch China seine Bautätigkeiten ausgeweitet, was Indien wiederum kritisiert. Peking beobachtet ausserdem mit Misstrauen, wie sein Rivale Indien stärker an die Seite der USA und ihrer Verbündeten rückt, während der US-Präsident seine Politik gegen China verschärft.

Zudem hatte China eine Entscheidung Indiens des vergangenen Jahres scharf kritisiert. Indien hatte das vor allem von Buddhisten bewohnte Ladakh von dem übrigen, mehrheitlich muslimischen Jammu und Kaschmir abgetrennt und zu einem eigenen Bundesgebiet erklärt, um seine Kontrolle dort zu verstärken. China hatte dabei von einer «Untergrabung» seiner territorialen Integrität gesprochen.

Es sollen die ersten Todesopfer seit Jahrzehnten an der umstrittenen Grenze der beiden Nachbarländer sein, wie indische Medien berichten.

Spannungen nehmen zu

Zwischen den zwei Nuklearmächten mit den grössten Bevölkerungen der Welt gibt es seit Wochen verstärkte Spannungen. Tausende Soldaten stehen sich in der Grenzregion Ladakh im Himalaja gegenüber.

Es gab kürzlich mehrere Verletzte nach Faustkämpfen und Steinwürfen. Anfang Juni hatten sich deshalb schon ranghohe Militärs beider Seiten getroffen und versucht, eine diplomatische Lösung zu finden.

China um Entspannung bemüht

Nach dem tödlichen Zwischenfall kamen aus den Aussenministerien beider Länder zunächst Schuldzuweisungen an die jeweilige Gegenseite. Nun ist die
Regierung in Peking um Deeskalation bemüht.

China wolle keine weiteren Zusammenstösse, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums am Mittwoch. Beide Länder versuchten den Konflikt über einen Dialog zu lösen. Derzeit sei die Lage an der Grenze im Himalaya stabil und unter Kontrolle.

In Indien stand eine offizielle Stellungnahme noch aus. Nach dem Tod von mindestens 20 indischen Soldaten kritisierten Gegner von Ministerpräsident Narendra Modi dessen Schweigen.

Grenzverlauf nicht geklärt

China und Indien hatten 1962 einen kurzen Krieg um ihre Grenze im Himalaja geführt, den China gewann. Seither gibt es immer wieder Zwischenfälle, die aber meist durch Gespräche gelöst werden konnten. Der Grenzverlauf ist nach wie vor nicht geklärt. Auch US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich angeboten, in dem Konflikt zu vermitteln, was die Nachbarländer nicht wollten.

Der Grenzkonflikt zwischen China und Indien: Eine Chronologie

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Ein Checkpoint mit Sandsäcken und einem bewaffneten Grenzsoldaten
Legende:keystone

September 1962: Der Grenzkrieg beginnt, nachdem China Aksai Chin (Nordost-Kaschmir) besetzt und im Osten im heutigen indischen Unionsstaat Arunachal Pradesh weit vorrückt. China gewinnt den kurzen Krieg, die Beziehungen beider Länder verschlechtern sich und sind seither von Misstrauen geprägt.

1993: China und Indien unterzeichnen ein Grenzabkommen, das einen Waffenstillstand beider Nationen besiegeln soll.

11.4.2005: Eine Vereinbarung über eine «Road Map» zur Beendigung des Grenzkonflikts tritt in Kraft. Beide Seiten sprechen von einer strategischen Partnerschaft.

06.07.2006: Mit der Wiederaufnahme des Grenzhandels am Nathu-La-Pass nach 44 Jahren besiegelt China zugleich die Anerkennung der Eingliederung von Sikkim als indischer Bundesstaat, der an Bhutan, Tibet und Nepal grenzt.

Sommer 2017: Ein Strassenbau-Projekt Chinas auf Territorium, das auch von Bhutan beansprucht wird, ruft Bhutans Verbündeten Indien auf den Plan. Zwei Monate lang stehen sich indische und chinesische Truppen bei der Hochebene Doklam mit entsicherten Waffen gegenüber, bevor sich beide Seiten in einer Reihe informeller Gipfel auf einen Abzug der Truppen einigen.

31. Oktober 2019: Indien wandelt das Hochplateau Ladakh, das Indien lange Zeit als Teil Kaschmirs beanspruchte, in ein Unionsterritorium um, das nun von Neu-Delhi verwaltet wird.

Mai 2020: Es kommt zu ersten militärischen Zwischenfällen in der Grenzregion Sikkim, weil China eine indische Armeepatrouille an der Nordseite des Pangong-Sees als Provokation auffasst. Bei den Prügeleien und Steinwürfen werden rund 250 Soldaten Chinas und Indiens verletzt.

15. Juni 2020: Tausende Soldaten stehen sich in der Region Ladakh im Himalaja gegenüber. Der Grenzkonflikt eskaliert erneut und endet in einem Gefecht zwischen indischen und chinesischen Soldaten. Das indische Militär erklärt, ranghohe Militärvertreter der beiden Streitkräfte träfen sich, um die Situation zu entschärfen.

16. Juni 2020: Zum ersten Mal seit 1967 kommen im Grenzkonflikt zwischen den zwei bevölkerungsreichsten Ländern der Welt wieder Menschen zu Tode: mindestens 20 indische Soldaten sterben. Auch 43 chinesische Soldaten seien schwer verletzt oder getötet worden, schreibt die indische Nachrichtenagentur ANI. Die Angaben werden von China jedoch nicht bestätigt.

(NZZ, Munzinger, BBC, Wikipedia)

Echo der Zeit, 17.06.20, 18:00 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Das hätte die Schweiz mit modernen Kampfflugzeugen verhindern können.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Anstatt sich endlich einsichtig zu zeigen, indem sich die Regierug um die Gesundheit der Bevölkerung kümmert, werden Milliarden missbraucht, für Kriegsmaterial-Produktion im grossen Stil und " Machtgehabe - Kettenrasseln"!
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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Kommentarschreibende, wir haben unter diesem Artikel bereits zum 3. Mal einen Antwort-Kommentar entfernen müssen, weil er - statt inhaltlich etwas beizutragen - den Verschreiber eines Mitkommentators verhöhnt. Es ist sicherlich allen Lesern von SRF klar, welchen Begriff der Schreiber gemeint hat, es braucht in diesem Fall keine Korrektur-Hinweise.
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen, dieses Forum konstruktiv zu halten.
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    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Danke für diese Info!
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    2. Antwort von ely berger  (bärn)
      Es gibt nichts, was so schwierig im eigenen Herzen aufzubauen ist wie Achtung vor sich und dem Leben. Weil die Achtung oder Würde vor sich und dem Leben unteilbar ist. Weder von rechts bis links hat eine/r das Recht, andere zu verachten und missbrauchen. Das bezieht sich auch auf Lebewesen, die nicht unter die Gattung "Mensch" fallen. Wer glaubt, dass diese Lebenshaltung einfach so geschieht im eigenen Herzen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
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