In Nuuk, der sonst so ruhigen Hauptstadt Grönlands, herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Internationale Journalistinnen und Journalisten drängen sich entlang der kleinen Einkaufsstrasse, Kameras klicken im Minutentakt. Der Grund: US‑Präsident Donald Trump beharrt weiterhin darauf, Grönland unter amerikanische Kontrolle bringen zu wollen – sehr zum Unverständnis der Bevölkerung.
Während Dänemark als formelle Schutzmacht warnte, ein gewaltsamer Eingriff der USA könne das Ende der Nato bedeuten, versuchen die Menschen in Nuuk, ihren Alltag zwischen Live-Schaltungen und Mikrofonen zu bewahren. Doch mit nur rund 20'000 Einwohnern in der Stadt und knapp 57'000 im ganzen Land wird es für viele schnell zu viel: Manche Geschäftsleute geben bis zu 14 Interviews am Tag.
«Runde zwei» der globalen Aufmerksamkeit
Für Politiker wie Juno Berthelsen von der unabhängigkeitsfreundlichen Naleraq-Partei ist die mediale Dauerpräsenz nicht neu. Schon 2025 löste Trumps erster Vorstoss, Grönland übernehmen zu wollen, weltweite Reaktionen aus. Nun, da China und Russland angeblich ebenfalls ein Auge auf die strategisch wertvolle Insel mit ihren begehrten Mineralien geworfen haben sollen, erleben die Grönländerinnen und Grönländer eine erneute Welle internationaler Neugier - von BBC, über CNN bis Al Jazeera.
Berthelsen selbst führt täglich mehrere Interviews. «Wir sind wenige Menschen – und es strengt an, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten», sagt er.
Zwischen Heimatliebe und geopolitischer Projektion
Während internationale Medien die bunten Häuser, die fjorddurchzogenen Landschaften und die winterliche Dämmerung einfangen, versuchen die Bewohner vor allem eines klarzustellen: Grönlands Zukunft entscheiden einzig die Grönländerinnen und Grönländer.
Die 21‑jährige Maya Martinsen bringt die Stimmung vieler auf den Punkt: «Es ist seltsam, wie besessen er mit Grönland ist.» Trumps Begründung der nationalen Sicherheit halte sie für vorgeschoben. Aus ihrer Sicht gehe es Washington um die wertvollen Rohstoffe. «Die Amerikaner sehen nur, was sie aus Grönland herausholen können – nicht, was es wirklich ist.»
Für Martinsen und die meisten anderen ist die Antwort einfach: «Für uns ist es Heimat. Wunderschöne Natur, liebe Menschen – einfach unser Zuhause.»