Mitten im Winter wagen sich in Nuuk nur wenige Menschen hinaus auf die Strassen und Plätze. Dabei lebt über ein Drittel der grönländischen Bevölkerung in der Hauptstadt der riesigen arktischen Insel. Das sind gerade einmal 20'000 Menschen.
Die anderen zwei Drittel verteilen sich auf über 70 Ortschaften entlang der eisfreien Teile der insgesamt über 44'000 Kilometer langen Küste. Mit anderen Worten: Es gibt nicht sehr viele Grönländerinnen und Grönländer und noch weniger, die sich in diesen Tagen zu dem von der US-Regierung ausgehenden Streit um ihr Land äussern wollen.
Bevor die Amerikaner neue Militärstützpunkte bei uns errichten, sollten sie zunächst einmal jene aufräumen, die sie nach dem Kalten Krieg hinterlassen haben.
Wer es aber trotzdem tut, macht dies differenziert: «Bevor die Amerikaner neue Militärstützpunkte bei uns errichten, sollten sie zunächst einmal jene aufräumen, die sie nach dem Kalten Krieg hinterlassen haben, dort liegen viel Schrott und halbleere Ölfässer», sagt eine Bewohnerin im Zentrum von Nuuk und fügt hinzu: «Ich würde mich aber sehr freuen, wenn wir mehr mit den USA ins Geschäft kommen könnten.»
Grundsätzlich prägt eine Mischung aus Skepsis und Zuversicht die Stimmung in Grönland in diesen Tagen. Seit Langem macht sich das arktische Volk dafür stark, nicht nur mit dem Tausende Kilometer entfernten Europa eng zusammenzuarbeiten, sondern auch die Verbindungen zum deutlich näher liegenden Nordamerika zu stärken.
Absage an Washington
Die frühere grönländische Ministerin Sara Olsvig betrachtet die aktuelle Situation deshalb auch als Chance: «Wir sind nicht ein Volk, das sich angesichts grosser Herausforderungen zurückzieht. Im Gegenteil: Wir haben schon Jahrtausende in dieser unwirtlichen Weltgegend überlebt, weil wir uns öffnen und unsere eigenen Stärken nutzen», betonte sie am Wochenende an einer Podiumsdiskussion in Nuuk.
Sara Olsvig leitet heute das Kooperationsorgan aller Inuitvölker, zu dem neben Menschen aus Grönland und Nunavut auch Volksgruppen in Alaska und Sibirien gehören.
Wir haben eine vielversprechende Zukunft, wenn es uns gelingt, auf diplomatischem Weg und durch mehr internationale Zusammenarbeit unsere Stärken auszuspielen.
In ihren Augen ist es nun angesichts der grossen geopolitischen Spannungen wichtig, dass die Grönländerinnen und Grönländer gehört werden: «Wir haben eine vielversprechende Zukunft, wenn es uns gelingt, auf diplomatischem Weg und durch mehr internationale Zusammenarbeit unsere Stärken auszuspielen und deutlich zu machen, dass wir als eigenständiges Volk Verantwortung in der Welt tragen wollen», sagte Olsvig zur Zukunft des Landes.
Laut aktuellen Umfragen sprechen sich fast neunzig Prozent der Grönländerinnen und Grönländer für eine verstärkte Unabhängigkeit von Dänemark aus, ein ebenso grosser Anteil wendet sich aber auch gegen eine Annexion durch die USA. Angesichts des täglich wachsenden Drucks aus Washington will die grönländische Koalitionsregierung vorerst aber am Status quo als selbstverwaltetes Land innerhalb des dänischen Königreiches festhalten.
Grönland will kein Teil der USA sein, wir halten an Grönland fest, wie wir es kennen – als Teil des dänischen Königreiches.
Das unterstrich der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen an einer Medienkonferenz in Kopenhagen: «Grönland will nicht zum Besitz der USA werden, Grönland will nicht durch die USA regiert werden, Grönland will kein Teil der USA sein, wir halten an dem Grönland fest, wie wir es kennen – als Teil des Königreiches», sagte Nielsen – und schickte damit das bislang klarste Signal nach Washington zur Zukunft Grönlands.